Kusel
„Haus im Westrich“ seit zehn Jahren in Kusel
Mit einem Fest und verschiedenen Aktivitäten feiern Bewohner und Mitarbeiter am Samstag, 29. Juni, das zehnjährige Bestehen des „Haus im Westrich“ in Kusel. Ulrich Weißenauer, Gesamtleiter der ökumenischen Einrichtung, sieht die Wohn- und Förderstätte für Menschen mit Behinderungen gut aufgestellt.
Zwischen der einstigen Walkmühle an der Trierer Straße und der Gärtnerei Hanns eröffnete das Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz GmbH, das 40 Einrichtungen für Behinderte und Langzeitarbeitslose unter seinem Dach vereint, im Mai 2009 den neuen Gebäudekomplex. Mehr als acht Millionen Euro betrug die Investition. Die am Walkmühl-Weiher gelegene Anlage besteht aus vier dreigeschossigen Gebäuden, die miteinander verbunden sind. Nach einem frischen Außenanstrich im vergangenen Oktober wirkt das „Haus im Westrich“ in seiner parkartigen Umgebung alles andere als in die Jahre gekommen.
Wie Weißenauer berichtet, sind alle 46 Plätze in den vier Wohngruppen belegt. Dasselbe gelte für die Wohnplätze für Kurzzeitpflege, mit der Angehörige entlastet werden, sowie für das Trainingswohnen, das auf selbstständiges Wohnen vorbereitet. Daneben stehen im Appartementhaus vier Plätze für betreutes und zwei Plätze für selbstständiges Wohnen zur Verfügung.
Seit 2015 komplett belegt
Nach einer Aufbauphase sei das Haus seit 2015 komplett belegt, weshalb es eine Warteliste gebe, erläutert der Sozialpädagoge. Die Altersstruktur der Bewohner, die schwere Mehrfachbehinderungen aufweisen und tagsüber entweder in den Westpfalz-Werkstätten in Landstuhl oder Siegelbach oder den teilstationären Einrichtungen in Ramstein oder Kusel aufhalten, reiche von 18 Jahren bis zum Rentenalter.
Die Kuseler Tagesförderstätte sei ein teilstationäres Angebot mit 30 Plätzen für schwerstkörperbehinderte Erwachsene und ständig überbelegt, ergänzt Weißenauer. Dort stünden Therapie und individuelle Förderung im Mittelpunkt, Papierschöpfen und Kerzenproduktion seien Beschäftigungsmöglichkeiten für die Teilnehmer.
Überwiegend Frauen beschäftigt
Mehr als 70 Mitarbeiter, überwiegend Frauen, zählt Weißenauer zufolge das „Haus im Westrich“: Pflegefachkräfte, Erzieher und Therapeuten. Aktuell werden vier junge Leute in Heilerziehungspflege ausgebildet. Daneben stützt sich die Einrichtung für die Hauswirtschaft und den Fahrdienst auf Mitarbeiter der Tochterfirma Simotec sowie auf Praktikanten, Ehrenamtliche und Teilnehmer des Freiwilligen Sozialen Jahres.
„Wir sehen uns als offenes Haus“, unterstreicht Weißenauer, der seit 2015 die Einrichtung leitet. Die Bewohner besuchten Feste in der Nähe, seien präsent beim Weihnachtsmarkt, wirkten bei der Sommermusik mit und hätten beispielsweise beim Messeumzug einen festen Platz.
Lokaler Teilhabekreis
Als zusätzliche Leistungen nennt er tiergestützte Angebote wie Hundetherapie, Besuch auf Reiter- und Alpacahof, eine Trommelgruppe sowie einen inklusiven Chor in Kooperation mit der Musikschule plus. Auch die inklusive Faschingsfeier im Jugendhaus habe „richtig Spaß gemacht“, ergänzt der 52-Jährige, der in Glan-Münchweiler wohnt. Mit diesen Projekten, die aus Spenden finanziert werden, sei für Menschen mit Handicap mehr Teilhabe möglich. Unterstützt würden diese Aktivitäten vom lokalen Teilhabekreis, in dem neben Bewohnern, Kirchengemeinden, Schulen und Mehrgenerationenhaus Verbände und Ehrenamtliche engagiert sind. Auch die Beteiligung der Angehörigen sei der Einrichtung wichtig.
Teilhabe auch beim Feiern
Das Programm für das Jubiläumsfest an diesem Samstag spiegelt das Prinzip der Teilhabe wider. Auf den offiziellen Teil in der Mensa des benachbarten Siebenpfeiffer-Gymnasiums mit Sektempfang, Grußworten, Geistlichem Wort sowie Liedbeiträgen wird rund um das „Haus im Westrich“ weitergefeiert. Dabei treten der inklusive Chor und die Trommelgruppe von Bewohnern auf. Daneben sieht das Programm am Nachmittag Auftritte der Tanzschule Mahara und des Zauberers Magic Markus sowie Vorführung tiergestützter Angebote vor.
Info
Das Ökumenische Gemeinschaftswerk GmbH mit Sitz in Landstuhl, zu dem auch das Haus im Westrich gehört, unterstützt, begleitet, fördert und beschäftigt Menschen mit Beeinträchtigungen in der Pfalz und in der Saarpfalz. Gesellschafter sind seit 1968 die Evangelische Heimstiftung Pfalz und der Caritasverband in der Diözese Speyer.