Kusel Geld zählen hat richtig Spaß gemacht
«Lauterecken.» Reisen? Lesen? In Haus und Garten werkeln? Angehende Ruheständler haben viele Pläne für die Zeit nach dem Job. Nicht so Klaus Gerber. „Pläne habe ich keine. Ich bin jetzt einfach nur froh, Zeit für mich zu haben.“ Mit dem heutigen Tag verlässt der 64-Jährige die Kommandobrücke der Volksbank Lauterecken – nach 30 Jahren als Vorstand des Geldinstituts und mit großer Zufriedenheit.
Gerber lacht, als er erzählt, wie er überhaupt ins Bankgeschäft gekommen ist, obwohl er doch eigentlich seinem Vater zur BASF nachfolgen wollte, um dort Kunststoffschlosser zu werden. „Mir hat das schon als Kind imponiert, wenn ich mit voller Sparbüchse zur Bank kam und der Kassierer dann das Geld gezählt hat. Ich wollte sowas auch machen.“ Geld gezählt hat er – vom Inhalt des eigenen Portemonnaies abgesehen – schon lange nicht mehr; aber immerhin konnte er in den ersten Tagen bei der Commerzbank in Ludwigshafen, wo er mit 16 Lenzen seine Ausbildung begann, seiner Leidenschaft nachgehen. Dort musste abends das Bargeld gezählt werden, das von Großkunden wie der Hertie-Filiale und C&A angeliefert wurde. „Das war über eine Million Mark. Das zu zählen hat richtig viel Spaß gemacht.“ Der Weg des jungen Bankmitarbeiters ging schnell steil nach oben. Der gebürtige Neustadter wechselte Anfang 1979 zur Raiffeisenbank Ludwigshafen, um Zweigstellenleiter zu werden, wurde viereinhalb Jahre später, mit knapp 30 Jahren, Vorstand der Raiffeisenbank Unteröwisheim – einem nur zehn Mitarbeiter zählenden Institut zwischen Karlsruhe und Bruchsal. Eigentlich wollten er und seine Familie – dazu gehören Frau Marianne und die Töchter Tanja und Jennifer (heute 35 und 31 Jahre alt) - dort bleiben, waren gerade dabei, ein Haus im Badischen zu kaufen, als er die Stellenanzeige aus Lauterecken las: Vorstand gesucht! „Ich wusste nur, dass Lauterecken noch zur Pfalz gehörte – und als Pfälzer kommt man immer gerne heim.“ Also griff er zum Telefonhörer und rief einen Mann an, den er zuvor auf Bankseminaren kennengelernt hatte: Klaus Becker. Eben jenen Klaus Becker, der gut ein Jahr später, nach dem überraschenden Tod von Volksbank-Chef Volker Scheid, ebenfalls in den Vorstand aufrücken und fortan 25 Jahre lang Gerbers Partner im Vorstand der Lauterecker Volksbank werden sollte. „Ich habe ihn damals gefragt: Klaus, willst Du Vorstand werden? Er sagte nein – also habe ich mich beworben.“ Er wurde genommen. Gerber fand in Lauterecken ideale Voraussetzungen für einen jungen, dynamischen Vorstand vor: nach Umwälzungen im Vorjahr einen komplett neuen Aufsichtsrat, dazu einen Chef, der ihn unterstützte und machen ließ – und ein Jahr später, nach Scheids Tod, sogar die volle Verantwortung für das Bankhaus. Blickt er heute auf diese Zeit zurück, erzählt er schon fast nostalgisch über die Anfangsjahre: „Das Bankgeschäft war damals viel planbarer, überschaubarer als heute; es gab längst nicht so viele Geschäftsmöglichkeiten und schon gar nicht so viel Regulatorik.“ Und er erinnert sich noch gut an eine Pressekonferenz kurz nach seinem Amtsantritt im Oktober 1987, als er gefragt wurde, wie lange denn das kleine Lauterecker Institut noch eigenständig bleiben könne. „Ich habe damals gesagt, dass ich zuversichtlich bin, dass wir auch im Jahr 2000 noch eigenständig sein würden.“ Heute, 18 Jahre nach diesem Termin, sind die Lauterecker Genossen noch immer selbstständig – und Gerber ist überaus stolz darauf. Erst recht, weil er wenige Monate vor seinem Ruhestand auch noch das Sahnehäubchen geschafft hat: die Übernahme der Wolfsteiner Filiale von den Kaiserslauterer Kollegen, so dass nun das gesamte Lautertal Geschäftsgebiet der Lauterecker Volksbank ist. Der zweite Punkt, auf den Gerber stolz ist: die Stiftung der Volksbank, die zum 100-jährigen Bestehen 1995 ins Leben gerufen wurde, die Kindergärten und Schulen unterstützt und heute ein Stiftungsvermögen von über einer halben Million Euro hat. Diese Stiftung war von Anfang an so konzipiert, dass sie auch im Falle einer Fusion autark bleiben und Gutes für den Raum Lauterecken würde tun können. Dass sich die Bilanzsumme des Instituts unter seiner Führung etwa verzehnfacht hat, dass das Eigenkapital von 2,3 Millionen Mark auf 23 Millionen Euro gestiegen ist, erwähnt er nur am Rande. Bei all dem blieb nur wenig Zeit für Hobbys. Laufen gehörte einst dazu, er hat sogar mehrere Marathons absolviert. Und ab und an eine längere Fahrradtour. Doch wenn Gerber sagt, er habe keine Pläne für den Ruhestand, so ist dies nicht ganz richtig. Denn seit knapp zwei Monaten ist er Großvater. Und Enkel Max wird schon dafür sorgen, dass dem Ruheständler die Ideen für die Freizeitgestaltung nicht ausgehen.