Kusel Fast doppelt so viel Müll wie 2002

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„Entsorgung ist Basishygiene in einer Klinik“ – so beschreibt Reiner Beck, stellvertretender Verwaltungsdirektor im Westpfalz-Klinikum Kusel, einen Bereich, über den sich nur Wenige Gedanken machen. Klar ist aber: Soll ein so großer und sensibler Betrieb wie ein Krankenhaus reibungslos funktionieren, dann muss Grundsätzliches wie die Abfallbeseitigung effektiv und leise im Hintergrund gehandhabt werden.

KUSEL

. Müll gleich Müll? Eine Gemeinsamkeit gibt es beim Hausmüll und dem in einem großen Krankenhaus: Hier wie dort müssen die verschiedenen Arten von Müll getrennt gesammelt und beseitigt werden. Allerdings fallen in der Klinik deutlich mehr Müllsorten als Papier-, Glas-, Bio-, Kunststoff- und Restmüll regelmäßig an. Besonders sensibel sind beispielsweise die Daten der Patienten und Mitarbeiter: Wenn die Unterlagen nicht mehr gebraucht werden, landen sie in einem geschlossenen Container. Ein zertifiziertes Unternehmen bringt sie in diesem zur Vernichtung. Noch problematischer ist der Sondermüll, der mit ganz besonderer Sorgfalt behandelt werden muss. Zu diesem gehört alles, was von Patienten mit Infektionskrankheiten stammt, aber auch die bei Operationen entfernten Körperteile und alle Arten von Spritzen, die vor ihrer Vernichtung in stichsicheren Behältern gesammelt werden. Den Transport in die Verbrennungsanlage in Ludwigshafen führt ein Unternehmen durch, das auf diese Aufgabe spezialisiert ist. Auch für die Speiseabfälle gibt es strenge Auflagen. Die gesetzlichen Bestimmungen haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Während mit den Abfällen früher Schweine gemästet werden konnten, ist mittlerweile eine Firma zuständig, welche die Essensreste in eine Anlage für Biogas-Herstellung bringt. Abfälle liefert auch der Fettabscheider, der das Fett vom Spülwasser aussondert. Die Behälter, in denen sich im Laufe eines Jahres etwa neun Kubikmeter ansammeln, werden alle drei Monate geleert. Der „Hausmüll“ bildet mit 200 Tonnen pro Jahr den größten Anteil am Abfall. Er wird bereits gleich nach Entstehung auf den Stationen in Papier, Pappe, Plastik, Glas und Restmüll getrennt. Die meisten Reststoffe übernimmt der Landkreis. Papier und Pappe werden in speziellen Containern gepresst und von eigenen Firmen übernommen, wodurch das Krankenhaus Kosten für die Entsorgung spart. Wegen des hohen Verbrauchs wird Altpapier mindestens einmal pro Woche abgeholt. Auf den einzelnen Stationen stehen Behälter, die aus hygienischen Gründen per Fußhebel zu öffnen sind. Der Müll wird in Säcken mit unterschiedlichen Farben gesammelt und mehrmals täglich abgeholt. Eine Ausnahme machen die Anti-Thrombosestrümpfe der Patienten: Sie werden immer noch gereinigt und anschließend wieder verwendet. Aber auch bei ihnen gibt es neue Hygienestandards. Das große Netz, in das sie geworfen werden, steckt in einem größeren Stoffsack. Die Küchenabfälle landen in braunen Tonnen, die in einem gekühlten Raum stehen und einmal pro Woche geleert werden. Ein weiterer gekühlter Raum ist nur mit einem Spezialschlüssel zu öffnen – die roten Tonnen für Sondermüll müssen besonders gesichert sein. Bei Grünschnitt, Bauschutt und Sperrmüll unterscheidet sich die Entsorgung überhaupt nicht von der in Haushalten. Die etwa 50 Kubikmeter Pflanzenabfälle und der Bauschutt werden auf Sammelstellen gebracht, für Sperrmüll ist der Landkreis zuständig. In den vergangenen Jahren hat sich die Müllmenge deutlich erhöht: Hatten 2002 noch 110 Tonnen beseitigt werden müssen, war es 2015 fast doppelt so viel. Das habe mehrere Gründe, erläutert Reiner Beck, der stellvertretende Verwaltungsdirektor im Westpfalz-Klinikum Kusel. Die Zahl der Patienten ist zwischen 2006 und 2015 von 7300 auf 8400 pro Jahr gestiegen. Der Klinikaufenthalt ist kürzer geworden, was eine intensivere Behandlung und mehr Abfall zur Folge hat. Ins Gewicht fallen vor allem die verschärften Hygienevorschriften, die dazu geführt haben, dass immer mehr Einmalprodukte zum Einsatz kommen. Exemplarisch nennt Beck die Abdeckung der Behandlungs- und Operationstische: Früher wurden Textilien verwendet, die anschließend gereinigt wurden, heute wird Papier benutzt. Die Abfallentsorgung sei für das Krankenhaus ein wichtiger Kostenfaktor, schildert Beck. Mit dem System, das in den vergangenen Jahren laufend optimiert wurde, sei er sehr zufrieden, sagt der stellvertretende Verwaltungsdirektor. Allein die gesonderte Entsorgung von Papier und Pappe habe eine Kostenersparnis von fast 30 Prozent gebracht. Auch die Statistik gibt Beck und dem Abfallbeauftragten Karl-Werner Jacob Recht: Der jährliche Abfallbericht zeigt, dass das Westpfalz-Klinikum Kusel den Vergleich mit anderen Krankenhäusern nicht scheuen muss. Im vergangenen Jahr betrugen die Kosten für die Müllentsorgung etwa 50.000 Euro; weniger als vor 13 Jahren: Damals waren 55.000 Euro angefallen – bei nur halb so viel Müll.

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