Kusel „Es macht Spaß, und man ist in der Natur“

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Lauterecken. Es ist 10.30 Uhr am Samstagmorgen. Zum ersten Mal in meinem Leben will ich einen Weihnachtsbaum selbst schlagen. Entsprechend groß ist die Nervosität. Knapp zwei Stunden später ist es geschafft. Und es war gar nicht so schlimm. Im Gegenteil: Es soll nicht der letzte Weihnachtsbaum gewesen sein, den ich selbst abgemacht habe.

Zuerst muss ich allerdings den Ort finden, an dem das Forstamt bei Lauterecken Bäume anbietet. Die Wegbeschreibung ist leider etwas ungenau, und mein Navigationsgerät hilft mir leider auch nicht weiter. Nach zweimal Nachfragen habe ich es dann aber endlich gefunden. Zwei Kilometer außerhalb von Lauterecken führt eine kleine Straße Richtung Wald. Hier entdecke ich auch die gelben Schilder mit Weihnachtsbäumen. Es ist ein kühler, aber trockener Wintertag. Links und rechts der kleinen Straße parken bereits Dutzende Autos. Manche kommen von weit her: Kennzeichen aus Wittlich, Bad Kreuznach und Kirchheimbolanden. Familien kommen mir mit ihren Weihnachtsbäumen bereits entgegen. Manche tragen ihn unterm Arm, andere über der Schulter, und wieder andere schleifen ihn hinter sich her. Viele fragen, ob ich Protokolle verteilen will, weil ich Block und Stift bei mir habe. Als ich endlich am Forst angekommen bin, wartet schon RHEINPFALZ-Fotograf Markus Hoffmann auf mich. „Ich frühstücke erst noch was, und dann legen wir los“, sagt er. Verkauft werden Rehbratwürste und Glühwein. In der Zwischenzeit erläutert Revierförster Rüdiger Wolf einige Details zu den Tannen. „Wir verkaufen hier nur Nordmanntannen, das sind die beliebtesten.“ Er erzählt, dass sie früher auch Nobilistanne, Fichte oder Coloradotanne gezogen hätten, aber die Leute seien nur mit den Nordmanntannen richtig zufrieden. Das Ehepaar Grill ist zum ersten Mal in Lauterecken einen Weihnachtsbaum schlagen. „Ich finde die Nordmanntanne toll, daran piekt man sich kaum im Gegensatz zu anderen Tannen“, sagt Ursula Grill. Auf meine Frage, ob es mühsam gewesen, sei den Baum abzusägen, meint sie nur: „Mein Mann und ich sind zwar schon etwas älter, aber das hätte ich ja noch gekonnt“. Dann geht es los. Markus Hoffmann hat bereits einen Baum ausgesucht, aber als wir auf die Suche gehen, ist der Baum wie vom Erdboden verschluckt. Also braucht es einen neuen. Nach zirka fünf bis zehn Minuten hat er den richtigen gefunden. Eine zirka 1,70 Meter große Nordmanntanne, dicht bewachsen, ein schöner Baum. Gott sei Dank hat Hoffmann an alles gedacht und noch ein paar Handschuhe für mich dabei. Auch eine Rebsäge bekomme ich vom Revierförster zur Verfügung gestellt. Solch eine kleine Säge habe ich noch nie gesehen. Dennoch versuche ich mein Glück. Ich gehe in die Knie und setze ganz unten an der Tanne an. Der Fotograf hält direkt mit seiner Kamera auf mich, und ich denke mir nur: Jetzt bloß nicht blamieren. Aber es kommt anders als erwartet. Nach zirka drei Minuten Anstrengung höre ich ein Krachen, kurz danach fällt die Tanne auch schon zu Boden. Ich bin erleichtert und auch ein wenig stolz auf mich. Sogar vom Fotografen erhalte ich Lob für meine schnelle Arbeit. „Nur etwas schief hast du gesägt“, meint er. Danach geht es direkt mit dem frisch geschlagenen Weihnachtsbaum zum Einpacken. Ich schiebe ihn durch eine große Trommel, an deren Ende das Netz befestigt ist. Kurz danach ist die Tanne gut verpackt. Danach trage ich sie noch zu Markus Hoffmanns Auto und verstaue sie im Kofferraum. Auf die Frage, ob er den Baum, nachdem ich ihn geschlagen habe, denn wenigstens selbst schmücke, meint er nur: „Ich habe jemanden gefunden, der mir den Baum absägt, dann finde ich auch jemanden, der ihn schmückt; das sollen mal schön meine Kinder machen.“ Nina Ludwig, die mit ihren drei Kindern gekommen ist, erzählt mir, dass sie schon seit ihrer Kindheit die Weihnachtsbäume im Wald selbst schlagen gehe. „Das ist Tradition bei uns, ich bin im Taunus aufgewachsen, und da ist das eben so“, erklärt sie. Auch die Kinder hätten dabei immer viel Spaß, und schließlich gebe es ja auch etwas Leckeres zu essen. Außerdem sei es ihr wichtig zu wissen, dass die Bäume aus der Region kämen und nicht durch halb Europa transportiert würden. Auch Andreas Griese ist mit seiner Frau und seinen zwei Kindern da. „Das ist bei uns seit einigen Jahren zur Familientradition geworden, es macht einfach Spaß, und man ist in der Natur“, betont der Familienvater. „Außerdem finde ich es viel toller, sich einen Baum selbst auszusuchen und zu schlagen, als ihn zu kaufen“, erklärt er mir. Obwohl es nicht einmal 12 Uhr ist, zieht Revierförster Rüdiger Wolf eine positive Bilanz: „Wir haben bereits über 60 Bäume verkauft, und der Tag ist ja noch jung. Der Weihnachtsbaumverkauf ist in jedem Fall ein voller Erfolg, auch dank des guten Wetters.“ Auch für mich war dies eine neue Erfahrung. Ich habe 30 Jahre gebraucht, aber jetzt habe ich meinen ersten Weihnachtsbaum geschlagen. Und es war sicher nicht der letzte.

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