Kusel „Es ging eigentlich gar nicht um ihn“

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Den Herren in Uniform hatte er den Schädel spalten, sie zuvor aber die Straße runter prügeln wollen. Umbringen werde er die Polizeibeamten, die er mit wüsten Ausdrücken belegte – samt ihrer Familienangehörigen. Weil er das nur angedroht und nicht getan hat, ist ein 56 Jahre alter Mann mit 1800 Euro Geldstrafe belegt worden. Der Kuseler Strafrichter sprach ihn der Bedrohung, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung in mehreren Fällen schuldig.

Da stand er, schwang erst die Axt, hob dann ein Beil, um seine Drohungen zu untermauern. Die beiden Polizisten griffen nach dem allerletzten Mittel: „Ich bin 33 Jahre lang dabei – und war noch nie so nahe dran, die Waffe zu gebrauchen“, sagte ein 53-jähriger Beamter der Polizei Lauterecken. Er und zwei seiner Kollegen waren als Zeugen geladen und schilderten die Vorkommnisse jenes Sommertages im Juni 2013. Doch was die Polizisten bis heute am wenigsten verstehen können: „Es ging doch eigentlich gar nicht um ihn“, sagte der 53-Jährige, noch immer verwundert. Die Streife war wegen einer „amtsbekannten Dame“ zu einem Anwesen gerufen worden, die schon öfter wegen Ausfallerscheinungen Polizei-Einsätze erforderlich gemacht hat. Die Polizisten rückten an und tatsächlich lag die Frau vor dem genannten Haus herum. Der Angeklagte saß auf einem Campingstuhl, hatte die Szenerie im Blick. Noch während die Beamten sich um die hilflose, stark betrunkene Frau kümmerten, rastete der Mann aus. Er rannte auf seinen Hof, schwang unvermittelt eine Axt, legte sie wieder hin, um kurz darauf ein Beil über den Kopf zu heben, bereit, es auf die Beamten niedersausen zu lassen. „Wir standen vielleicht drei Meter entfernt. Ich dachte: Oh, oh, jetzt wird’s brenzlig“, erinnerte sich einer der Beamten. Die hatten unterdessen Verstärkung gerufen, bekamen die Situation aber selbst in den Griff. Mit vereinten Kräften wurde der Mann mit Pfefferspray beruhigt, gefesselt und später in die Psychiatrie gefahren. Auf der Fahrt stieß er dann weitere Beleidigungen und Drohungen aus, zu deren Adressat nun auch der dritte Polizist wurde. Der Angeklagte selbst bestritt mit keinem einzigen Wort die Vorwürfe und bat – wenngleich in manchmal wirren Worten – mehrmals um Entschuldigung und versuchte vor allem, seine schlimme Situation darzulegen. Als vor anderthalb Jahren Frau, Tochter und Hund das Weite gesucht hätten, habe es ihn aus der Bahn gekegelt. „Seitdem drehe ich am Rädchen.“ Bis heute leide er immens, benötige professionelle Hilfe, um wieder in die Spur zu kommen. An jenem Tag „war ich nicht mehr im Sinne meiner Kräfte“, ließ der 56-Jährige die staunenden Prozessbeteiligten wissen. Hinzu komme: Er habe ja an jenem Tag Besuch gehabt. Zur Visite habe sich „eine schwere Alkoholikerin“ angesagt. Diese Frau könne und wolle er aber einfach nicht mehr um sich herum haben. Wegen ihr habe er auch schon mehrmals die Polizei gerufen, um sie entfernen zu lassen. „Die trinkt mir alles weg. Ich musste eine Kette um meinem Kühlschrank machen. Die liegt unter meinem Auto und säuft“, sagte der Angeklagte. Am besagten Tag aber hatte sich der Mann ebenfalls an Destillaten gelabt. Knapp zwei Promille bescheinigte ihm später eine Probe. Der Richter sah in diesem Rauschzustand eine Erklärung dafür, wieso der Mann so habe austicken können. „Ich kenne ihn schon lange. Ich sag’ jetzt nicht, er ist ein friedvolles Lämmchen. Aber den Leuten was antun wollte er mit Sicherheit nicht“, sagte der Verteidiger. „Ich habe nie etwas angestellt – und keinen Punkt in Flensburg“, betonte der Angeklagte. Auch das spielte eine Rolle beim Strafmaß, das mit 90 Tagessätzen moderat ausfiel und unterhalb der Grenze dessen blieb, was ins Führungszeugnis Einzug hält. Je Tagessatz sind 20 Euro fällig, der Mann darf die Summe abstottern. (cha)

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