Kusel Er würde es wieder tun

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Kusel. Die Polizei hat’s derzeit nicht leicht. Hohe Sicherheitsstufe, Anschläge, Amokläufe, dazu seit den Vorkommnissen in Köln in Teilen der Bevölkerung ein Glaubwürdigkeitsproblem. Würden junge Polizisten den Beruf nochmals ergreifen, wenn sie vorab von all dem wüssten? Max Strauß sagt ja: „Es gibt in allen Berufen mal schwierige Zeiten. Das weiß man vorher.“

Der 29-jährige Strauß, geboren im Kuseler Westpfalz-Klinikum und aufgewachsen im Kreis Kusel, hat bislang eine eher ungewöhnliche Laufbahn hinter sich. Nach seinem Abitur 2006 in Kusel studierte er in Kaiserslautern Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachbereich Chemie an der Technischen Universität Kaiserslautern. Nach dem Vordiplom 2009 kehrte er der Uni jedoch den Rücken, ging zur Polizei. Eine Entscheidung, die er jederzeit wieder so treffen würde, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ betont. Nach dem Studium an der Fachhochschule der Polizei auf dem Flugplatz Hahn kam er nach Stationen in Kaiserslautern und Lauterecken im Oktober 2013 zur Polizeiinspektion Kusel. Er habe sich damals vor dem Wechsel zur Polizei sehr viele Gedanken gemacht, erzählt er. Das Studium sei ihm zu praxisfern gewesen. Der Polizeidienst sei ihm unter anderem von einem ehemaligen Mitstudenten empfohlen worden, der genau denselben Schritt etwas früher gewagt hatte. „Der sagte: Max, das ist genau das Richtige für dich.“ Auch ältere Polizisten, deren Rat er gesucht habe, hätten sich ähnlich geäußert. Bereut hat er seinen Schritt nicht. „Der Job ist sehr abwechslungsreich; jeden Tag passiert etwas anderes.“ Der Wechselschichtdienst, in dem Strauß eingesetzt ist, hält jeden Tag Überraschungen bereit. „Man muss ein richtiger Allrounder sein.“ Mathematik, Chemie, Physik, Fremdsprachen – je nach Fall sei ganz unterschiedliches Fachwissen gefordert. Das reize ihn. Hinzu kommt: Strauß gilt als einer der jungen Beamten, wie sie die Polizei sucht. Hoch qualifiziert, sehr engagiert. Strauß ist längst in einem Förderprogramm für künftige Führungskräfte gelandet, wird als stellvertretender Dienstgruppenführer erprobt. „Wir wollen junge Kollegen in die Lage versetzen, über den normalen Dienst hinaus Führungsaufgaben zu übernehmen, Mitarbeitergespräche zu führen, bei Einsatzplanungen dabei zu sein. Und er macht das sehr gut“, lobt sein Chef, der Kuseler Inspektionsleiter Gerhard Glaser. Dass sich die Sicherheitslage und damit die Situation der Polizei seit seinem Dienstantritt 2009 verändert hat, nimmt der 29-Jährige gelassen und findet in seinem Chef Unterstützung. „Als ich 1974 zur Polizei gegangen bin, folgte der Terror der Rote Armee Fraktion. Damals haben mich auch viele aus meinem Umfeld gefragt, ob es die richtige Entscheidung ist, ausgerechnet in einer solchen, gefährlichen Situation zur Polizei zu gehen“, schildert Glaser die Lage vor 40 Jahren und betont: „Gerade da war es wichtig und richtig.“ Ergo fühlt er sich heute an diese Zeiten erinnert: „Die Gefahren sind die gleichen, nur das Datum ändert sich“, betont er lakonisch. Ohnedies werde die Gefahr überschätzt, bei einem Anti-Terror-Einsatz als Polizist verletzt zu werden. Die meisten Polizisten würden bei 08/15-Einsätzen verletzt, betonen beide. Dagegen helfen nur eine gute Ausbildung und eine gute Ausrüstung. Daher stört es Strauß auch viel mehr, dass Polizisten oft nicht mehr als Respektspersonen wahrgenommen würden – vor allem dann, wenn Alkohol oder Drogen im Spiel seien. Da helfe dann nur eines: „Ruhig und sachlich bleiben.“ Dass er in seinem privaten Umfeld wegen der Terrorgefahr auf seinen Beruf angesprochen werde, komme selten bis gar nicht vor, sagt Strauß. Und auch er ist nicht ins Wanken gekommen. „Wenn man diesen Beruf wählt, ist man sich über die Risiken im Klaren. Also muss man für seine Sache geradestehen und sich für seinen Beruf und seine Aufgaben einsetzen.“ |wop

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