Kusel Entrüstung auch an Tag eins ohne Kolter

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Als die Redaktion im Dezember festgelegt hat, wo und wann sie zur Aktion „Redaktion vor Ort“ präsent sein wird, hat sie im Traum nicht daran gedacht, dass zwei Termine so brisant werden würden. Doch durch die Vorkommnisse in den vergangenen Tagen rund um die Fusion der Verbandsgemeinden Lauterecken und Wolfstein stand gestern auf dem Rathausplatz in Wolfstein bei den mehr als 40 Besuchern fast ausschließlich ein Thema – und das sehr emotional – im Mittelpunkt: der Umgang von Egbert Jung mit Michael Kolter. Kommenden Mittwoch ist die RHEINPFALZ dann in Lauterecken.

Einer der beiden Protagonisten war auch anwesend: der gewesene Wolfsteiner Verbandsbürgermeister Michael Kolter. Gut gelaunt schlenderte er mit seiner Frau Ulrike am ersten Tag im ungewollten Ruhestand auf die Menschentraube zu, die sich am RHEINPFALZ-Stand gebildet hatte, amüsierte sich auch köstlich über den einen oder anderen Gruß „Na, Mitrentner, wie geht’s?“ Kurz nach 4 Uhr in der Nacht sei er mal kurz wachgeworden. „Aber dann fiel mir ein, dass ich ja gar nicht mehr arbeiten muss. Also habe ich mich umgedreht und bis 8 Uhr weitergeschlafen“, erzählte er schmunzelnd. Langes Frühstück, ausgiebiges Zeitunglesen und die Reaktivierung jenes seit fünf Jahren nicht mehr genutzten Schwimmbeckens zwischen seinem Haus und dem seiner Mutter – das sei alles gewesen, was er gemacht habe. „Das Wasser läuft, noch in dieser Woche werde ich das Schwimmbecken einweihen“, kündigte er frohgemut an. Ganz anders die Stimmung bei vielen Anwesenden: Enttäuschung etwa bei Alfred Zapp darüber, wie Bürgermeister Egbert Jung seinen Wolfsteiner (Ex-)Kollegen Kolter abserviert habe. „Ich kann nicht verstehen, was Jung getrieben hat. Damit macht er sich keine Freunde, das ist nicht das Niveau, das ich mir vorstelle“, kritisierte Zapp den Vorgang. „So geht man nicht miteinander um, es ist eine Sauerei, was man Kolter angetan hat“, findet Zapp deutliche Worte. Auch Edith König nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich fand Herrn Jung sympathisch, jetzt aber bin ich enttäuscht.“ Ebenso geht es Andrea Knab und Andreas Schrumpf. Knab klagt, kaum dass „König Jung das Zepter in der Hand hat“, setze er seine Macht ein. „Ich find’s fürchterlich“ – gerade weil Kolter so viel für die Menschen gemacht habe. Der Wiesweilerer Schrumpf bedauert, dass es kurz vor dem Fusionstermin zu solch einem Eklat gekommen ist. „Kolter tut mir leid, er ist ein feiner Kerl. Jung wird es nicht leicht haben, jetzt wird das Zusammenwachsen der beiden Verbandsgemeinden schwierig“, lautet seine Einschätzung. Paul Schmelzer, für die FDP möglicher Nachrücker für den Verbandsgemeinderat Lauterecken-Wolfstein, wird, sollte es so kommen, sein Mandat nicht annehmen, ließ er wissen. „Dieses Strippenziehen im Hintergrund mache ich nicht mit. Man wird plötzlich in etwas hineingezogen, wofür man nichts kann“, sagte er sichtlich verärgert. Sigurd Rumpf aus Eßweiler begrüßte zumindest die Verwaltungsreform, weil vielfach Verwaltungen zu solch großen Gebilden geworden seien, „dass man sie nicht mehr bezahlen kann“. Am eigentlichen Problem, nämlich dass die Dörfer immer menschenleerer würden, ändere das aber nichts. Ein neben ihm stehender Mann kritisierte, die große Politik hätte mit gutem Beispiel vorangehen und zunächst einmal die Anzahl der Bundesländer reduzieren sollen. „Wer braucht denn schon so einen Stadtstaat wie Bremen? Kostet nur Geld.“ Ein paar andere Themen gab es aber auch noch: Roland Becker kritisierte den Zustand des ausgezeichneten Wanderbahnhofs in Wolfstein. Alles sei verwildert, die Anlage wirke ungepflegt, ein Aushängeschild sei der Bahnhof nicht. Man frage sich, wofür der Bahnhof ausgezeichnet worden sei, sagte Becker. Klaus Göres fragt sich bis heute, warum er in den 90er Jahren sein Gartengrundstück nahe der Bundesstraße für eine Entschädigungszahlung habe abtreten müssen. Damals habe es geheißen, dass eine Art Busbahnhof dort entstehen soll. Bis heute aber habe sich nichts getan. Zudem wünscht sich Göres ein bisschen mehr Augenmerk von den Mitbürgern: „Wenn man sieht, dass eine Papiertüte rumliegt, dann kann man die doch aufheben, wenn man dran vorbeigeht.“ Kürzlich habe er einige hervorstehende Pflastersteine auf einem Gehweg wieder korrigiert. Wenn er in ein paar Jahren als Rentner mehr Zeit habe, werde er sich mehr diesen Arbeiten widmen, versprach er. Rüdiger Götz, der Am Ring einen Tabak- und Zeitschriftenladen betreibt, kritisierte, dass beim Stadtfest keine Marktstände in seiner Straße aufgebaut worden seien. Dadurch würden Besucher auch nicht auf sein Geschäft aufmerksam. Zur Begründung habe es geheißen, es hätten sich nur wenige Standbetreiber angemeldet. Dann aber, so Götz, hätte man den Abstand der Stände zueinander vergrößern sollen. Da seine Straße ohne Marktstand geblieben sei, habe er auch sein Geschäft nicht geöffnet. Eine ältere Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, kritisierte, dass die Gehwege im Ortskern oft zugeparkt würden – speziell von Kundschaft, „die keine drei Minuten laufen will“. Konsequenz: Sie müsse häufig auf der Straße gehen, was dort wiederum zu Krach mit Autofahrern führe. Sie erhielt viel Zustimmung in der Runde, die gleich für mehrere Ecken in Wolfstein „eine unmögliche Parkerei“ beklagte – oft von den Anwohnern selbst. Walter Steil wünscht sich von der RHEINPFALZ mehr Berichte über Vereine. Vorschlag des Briefmarkensammlers: „Nehmt doch jeden Tag eine andere Gemeinde und stellt die Vereine vor. Die haben so große Nachwuchssorgen.“ Etwas Positives gab es schließlich doch noch. Die Frühschwimmer Friedel Emrich und Roland Becker lobten das wunderschöne Wolfsteiner Schwimmbad. (dgg/wop)

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