Kusel Emrich-Projekt kann nun doch kommen
Der Verkauf des Emrich-Geländes ist gestern nun doch über die Bühne gegangen. Neuer Eigentümer der mehr als 5000 Quadratmeter ist die P.A. Budau Bauunternehmen GmbH & Co. KG, Idar-Oberstein. Diese wird das Gelände nun mit dem Saarbrücker Projektentwickler Thorsten Schmeer neu bebauen – unter anderem mit einem Wohnheim der Lebenshilfe.
„Ich bin heilfroh“, kommentierte ein sichtlich erleichterter Jürgen Roth den Deal. Der Notgeschäftsführer der Emrich GmbH, bisher Eigentümerin des Geländes, hatte am Morgen in Wolfstein gemeinsam mit Paul Uwe Budau das Vertragswerk unterzeichnet, das die Firma Budau zum neuen Eigentümer macht. Und zwar ohne Ausstiegsklauseln. Budau sei – auch wenn die Transaktion noch nicht im Grundbuch vermerkt ist – seit diesem Termin in alle Rechte und Pflichten eingetreten. Budau selbst war noch am Montagabend nach Kusel gekommen, um sich Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Lebenshilfe vorzustellen, deren Wohnheim das Herzstück der neuen Bebauung des Areals zwischen Kleinem Kreisel, Bahnhof- und Lehnstraße bildet. „Es war ein sehr gutes, ein sehr offenes und ein sehr informatives Gespräch“, fasste Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Müller zusammen. Sein Urteil, nachdem Budau Projekte ähnlicher Größenordnung vorgestellt hatte, die sein Unternehmen bereits realisiert hat: „Das ist ein leistungsfähiger Partner.“ Die Folge: Die Lebenshilfe überreichte Budau am Ende des Treffens den von ihr unterzeichneten Mietvertrag für das künftige Wohnheim. Budau will nun schnellstmöglich die Unterlagen für einen Bauantrag zusammenstellen und einreichen. Laut Mietvertrag mit der Lebenshilfe bleiben ihm dafür nach dem noch nicht erfolgten Gegenzeichnen des Vertrags drei Monate. Weitere 15 Monate hat Budau laut dieser Vereinbarung Zeit, um nach Erhalt der Baugenehmigung das Wohnheim fertigzustellen. Das heißt: Der Neubau müsste etwa innerhalb der nächsten zwei Jahre stehen. Dieser Teil des Projekts mit dem Wohnheim sowie einer Ladenzeile wird für einen ersten Bauabschnitt vorgezogen. Für das Gelände hin zur Lehnstraße sind in einem zweiten Abschnitt barrierefreie Wohnungen vorgesehen. Allerdings sind noch einige Hürden zu nehmen. So braucht Budau von der Stadt Kusel sowohl einen Verzicht auf deren Vorkaufsrecht als auch die Zustimmung zu der Gestaltung – beides fußt darauf, dass das Gelände im Gebiet des Programms Aktive Stadt liegt, aus dem auch ein Zuschuss dafür fließen könnte, das Gelände bebaubar zu machen. Investor Budau sagte, er wisse noch gar nicht, ob er den Zuschuss beantragen wolle; das hänge auch von den Bedingungen ab, die daran geknüpft seien. Stadtbürgermeisterin Ulrike Nagel sagte gestern, die Stadt stehe Gewehr bei Fuß für dieses wichtige Projekt: „Übertrieben formuliert: Wenn der Investor morgen die Unterlagen und Zahlen hat, können wir gerne für übermorgen einen Termin machen.“ Sie gehe davon aus, dass es wegen des Abstimmungsprozesses mit der Stadt „keinen einzigen Tag Verzögerung“ beim Bau geben werde. Zu allen drei Punkten habe es bereits Vorgespräche gegeben. Ebenfalls geklärt werden muss das Thema Campo, das bereits den früheren Investor Christian Ritter nach eigener Aussage zum Ausstieg aus dem Projekt veranlasst hatte. Der Mietvertrag für das Eiscafé und die Wohnung läuft noch bis 2027. Allerdings hat Roth als Vertreter des bisherigen Eigentümers den Vertrag außerordentlich gekündigt, weil es erhebliche Mietrückstände gebe. Zugleich hatte Campo-Anwalt Hans-Joachim Wagner angeboten, der laufende Vertrag könne aufgehoben werden, wenn es mit dem künftigen Eigentümer eine Einigung darüber gebe, dass und zu welchen Konditionen das Eiscafé sich in die neue Immobilie einmieten kann. Die Gespräche, die Schmeer geführt habe, seien auf einem guten Weg, sagte Budau. Weder Schmeer noch Wagner waren gestern erreichbar, um Details zu erfahren. Mit dem Verkauf des letzten Geländes, das sich noch in ihrem Besitz befunden hat, naht nun auch das formale Ende der Emrich-GmbH. Den im Juni eingereichten, aber seither ruhenden Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens hat Roth gestern zurückgezogen. Der Verkaufspreis – nach RHEINPFALZ-Informationen unter einer halben Million Euro – reiche nach Lage der Dinge aus, um die Verbindlichkeiten der GmbH zu decken. Diese wird abgewickelt, womit auch formal die Geschichte der Brauerei endet.