Kusel Ein Wahlpfälzer kommandiert

Vor mehr als zehn Jahren war Carsten Windsch schon einmal bei den 345ern. Jetzt befehligt er sie.
Vor mehr als zehn Jahren war Carsten Windsch schon einmal bei den 345ern. Jetzt befehligt er sie.

«Rammelsbach.» Nur einmal kommt der ansonsten so eloquente Carsten Windsch kurz ins Stocken. Bei der Frage, wie es denn wäre, wenn er als Wahl-Ram-melsbacher und Kommandeur das Artillerielehrbataillon 345 wieder zurück von Idar-Oberstein in die angestammte Kaserne in Kusel zurückführen würde? Er grübelt kurz: „Persönlich würde ich das wirklich gern machen. Aber ich kann nicht sagen, ob das passiert und wann das passiert.“

Die Bundeswehr-internen Überlegungen, die 345er wegen der Enge und der Bautätigkeit in Idar-Oberstein wieder zurück nach Kusel zu verlegen – die ehemalige Unteroffizier-Krüger-Kaserne gehört zu jenen Liegenschaften, für die das Verteidigungsministerium nach RHEINPFALZ-Informationen überprüft, ob sie reaktiviert werden – ist allerdings nur ein kurzer Punkt in einem längeren Gespräch. Denn nicht minder interessant ist der Lebensweg des 44-jährigen Oberstleutnants Carsten Windsch, der, in Erlabrunn/Sachsen geboren, Rammelsbach vor 13 Jahren zu seiner Heimat gemacht hat und nun sogar Kommandeur der 345er ist. Genau die hatten ihn nämlich in die Region geführt, damals, noch als ganz junger Oberleutnant. Viele derer, die heute unter ihm dienen, hatte er damals schon kennengelernt. Doch warum in Rammelsbach bleiben, da man als Berufssoldat doch weiß, dass Versetzungen an der Tagesordnung sind? „Ich bin Artillerist, in Kusel stand eine der Einheiten, zudem gibt es die Artillerieschule in Idar-Oberstein.“ Also sprach die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es ihn – Versetzungen hin oder her – immer wieder in die Region verschlagen könnte. „Außerdem haben mir die Landschaft und die Menschen sehr gut gefallen.“ Also wählten er und seine Frau Yvonne Limpert Rammelsbach, nach kurzem Aufenthalt in Altenglan, zum künftigen Familiensitz. 2005 bezogen sie das eigene Heim, wenig später ergänzte ein Sohn die zwei Jahre ältere Tochter. Zuvor hatte Windsch einen interessanten Lebensweg hingelegt. Nach dem Abitur im sächsischen Johanngeorgenstadt kam er 1995 als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr. „Da habe ich dann festgestellt, dass das etwas für mich ist.“ Also blieb er, schlug ab 1998 die Offizierslaufbahn ein. An der Bundeswehrhochschule studierte er Pädagogik, schrieb seine Abschlussarbeit über das Thema „Strafe – (k)ein Erziehungsmittel?“ Er untersuchte, inwieweit Strafen oder Sanktionen wirklich langfristig eine Verhaltensänderung auslösen können. Sein Ergebnis: nur bedingt. Nämlich dann, wenn ein klares Regelwerk vorhanden ist und dessen Einhaltung auch stets überprüft und notfalls Verstöße sanktioniert werden. „Wenn man hingegen antiautoritär erzieht und dann plötzlich mal den Hammer rausholt, dann bringt das gar nichts“, sagt er. Ganz einfach deshalb, weil das Kind gar nicht weiß, was da plötzlich mit ihm geschehen ist. Hilft diese Erkenntnis in einer Organisation, die sehr stark auf Hierarchie angelegt ist und die natürlich auch Sanktionen kennt? Windsch schüttelt den Kopf. „Aber dass ich mit diesem Studium den Blick über den Tellerrand werfen konnte, aus der Psychologie gelernt habe, wie man ausbildet und wie man motiviert, das ist schon sehr wertvoll.“ Windsch geht vielleicht auch deshalb sehr locker damit um, dass er nicht nur wegen seines frühen Aufenthalts auf dem Windhof viele seiner heutigen Untergebenen gut kennt. Er bringt sich, wie seine Frau, ins Dorfgeschehen ein, hilft bei Arbeitseinsätzen mit – durchaus mal Schulter an Schulter mit jemandem, der zwei Tage später im Range deutlich unter ihm steht. „Wenn ich samstags beim Arbeitseinsatz der Carsten für jemanden war, dann bin ich das auch montags in der Kaserne“, sagt er. Von Verlustängsten in Sachen Autorität also keine Spur. Ohnedies dürfen sich die Rammelsbacher darauf freuen, dass „ihr“ Kommandeur künftig noch ein bisschen mehr mithilft im Ort. Denn mit Übernahme des Kommandos in Idar-Oberstein sind Jahre des Pendelns für Windsch vorbei. Zuletzt war er im Verteidigungsministerium in Bonn gewesen, zuvor sogar vorübergehend in Hamburg stationiert. „Da hat man nur ein kurzes Wochenende. Da kann man sich nicht so sehr einbringen.“ Doch die nur noch 35-minütige Fahrt zum Dienstort lässt ihm, der Kameradschaft hochhält und Zusammenarbeit auch im Heimatort ganz groß schreibt, künftig deutlich mehr Zeit. Zurück zum Thema Kusel, wo er die zuletzt etwas eingeschlafene Patenschaft des Bataillons mit der Stadt gerne wiederbeleben möchte: Selbst wenn es ihm persönlich gefallen würde, wenn ausgerechnet unter seinem Kommando die 345er zurück nach Kusel kämen – er bricht auch eine Lanze für Idar-Oberstein: Die Unterbringung dort sei okay und die Stadt habe ja ebenfalls sehr viel Erfahrung mit dem Militär. „Wir fühlen uns dort sehr wohl.“

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