Kusel „Ein guter Zeitpunkt“

91-74063532.jpg

„Sowohl die Volksbank Lauterecken als auch die in Glan-Münchweiler wären alleine überlebensfähig. Gemeinsam wäre es aber noch besser.“ Zu diesem Schluss kommt laut Joachim Wagner, Vorstandsmitglied des Geldinstituts aus der Veldenzstadt, eine Studie vom September. Die Vorstände der Banken sind sich einig, dass eine Fusion der beste Weg ist, die Aufsichtsräte haben bereits grünes Licht gegeben.

Die Rahmenbedingungen hätten sich in jüngerer Vergangenheit extrem verändert, schildert Sabine Mack vom Vorstand der Volksbank Glan-Münchweiler. „Wir müssen uns mitverändern.“ Da seien die Bankenfusionen im näheren Umfeld, die anhaltende Niedrigzinsphase und – allen voran – der große Regulierungsdruck seit Beginn des Jahrtausends, der sich mit der Finanzkrise im Jahr 2009 noch deutlich verschärft habe. „Keine Branche ist davon so betroffen wie die Banken“, sagt Joachim Wagner. „Bei uns machen mittlerweile ein, zwei Leute nichts anderes mehr, als darauf zu achten, dass die Regeln eingehalten werden.“ Je kleiner die Bank, desto schwerer wiege die Zusatzbelastung. Diese Reihe von „Prozessen mit null Nutzen für uns, die aber gefordert werden“, sind auch laut Wagners Vorstandskollege Klaus Gerber der Hauptgrund für den Fusionsplan. Ließe man alles so weiter laufen wie bisher, dann würde das irgendwann zu Lasten der Kunden gehen – oder der Ertragslage, falls man neues Personal einstellte. Und die Erträge seien aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen ohnehin am Schmelzen, so dass auf der Kostenseite entgegengewirkt werden müsse: Das aber gehe laut Studie, die die Banken bei einer Unternehmensberatung in Auftrag gegeben hatten, nur gemeinsam. Bis zu 150.000 Euro bei Versicherungen, ebenso viel bei Kosten für Prüfungen, rund 400.000 Euro bei den Sachkosten – darauf beziffern die Vorstände die möglichen jährlichen Einsparungen. Und auch beim Personal könne gespart werden: etwa 600.000 Euro pro Jahr, allerdings nicht von Anfang an. Denn zu Entlassungen – die Volksbank Lauterecken beschäftigt 47, die in Glan-Münchweiler 108 Mitarbeiter – werde es definitiv nicht kommen. Bis zu acht Stellen im administrativen Bereich, die in den kommenden drei bis vier Jahren frei werden, sollen jedoch nicht mehr besetzt werden. Zwei davon im Vorstand: Walter Hoffmann von der Glan-Münchweilerer Bank scheidet Ende 2016 aus, sein Lauterecker Kollege Gerber im Jahr darauf. „Auch deshalb ist es ein guter Zeitpunkt“, sagt Mack, „wir müssten von Anfang an nicht vier Vorstandsgehälter zahlen.“ Damit sei auch schon ein mögliches Problem bei den nun beginnenden Fusionsverhandlungen aus der Welt, weiß Gerber: „Die Vorstandsbesetzung kann oft zum Knackpunkt werden.“ Aber nicht nur deshalb sind die Beteiligten optimistisch, dass alles reibungslos über die Bühne gehen wird. Die Mitarbeiter seien früh informiert worden, die Unternehmenskulturen und Strukturen der beiden „eher ländlich geprägten“ Banken passten gut zusammen, und weil die bisherigen Betätigungsfelder räumlich nicht überlappen, müsse nicht über Filialschließungen im Zuge der Fusion nachgedacht werden. Wobei die Vorstände beider angehender Partner unterstreichen: Die Filialnetze in ihrer jetzigen Form werden bei kaum einer Bank zu halten sein, müssen immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden. So auch bei den Genossenschaftsbanken im Kreis – aber eben unabhängig von der Fusion. Für Kunden soll sich durch den Zusammenschluss überhaupt nichts ändern. Die Fusion zweier gesunder Banken, die „schon jetzt beide die Anforderungen ans Eigenkapital bis 2019 erfüllen“, biete Chancen und Gestaltungsspielraum. „Die neue Bank wird super aufgestellt sein“, ist sich Gerber sicher. „Die Vorstände legen nun die Grundlagen fest“, schildert Wagner: Name der neuen Bank, Sitz, Strategie, Zusammensetzung der Gremien. Dann sollen gleich die Führungskräfte der zweiten Ebene eingebunden werden. Noch aber stehe man ganz am Anfang, selbst der Zeitpunkt ist offen: Ob der Zusammenschluss auf Basis der Bilanz zum Jahresende 2015 oder 2016 erfolgt, steht noch nicht fest. Je nach dem, werden sich die Vertreterversammlungen im Jahr 2016 oder 2017 mit der Fusion befassen. Denn die Genossenschaftsvertreter haben das letzte Wort, müssen jeweils mit 75-Prozent-Mehrheit zustimmen. (tmü)

x