Kusel Die Ursache ist oft schwer zu finden

Kusel. Er muss viel schlucken – im wahrsten Sinne des Wortes. Essen und Getränke sowieso, aber auch Ärger und Stress. Und das schlägt vielen Menschen buchstäblich auf den Magen. „20 Prozent der Bevölkerung haben Oberbauchbeschwerden“, weiß Volker Bertolino, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Westpfalz-Klinikum. Er ist fachkundiger Gesprächspartner der RHEINPFALZ-Sprechstunde am kommenden Mittwoch.
Nicht immer ist es für die Mediziner leicht, die Ursachen für Druck- und Völlegefühl, Schmerzen oder Aufstoßen zu finden. Schließlich gehören zum Oberbauch außer dem Magen auch die Speiseröhre und der Zwölffingerdarm. Und vieles liegt in „unmittelbarer Nachbarschaft“, wie Bertolino erläutert. Häufig gibt es funktionale Störungen, im Extremfall aber auch Organschäden. Die weit verbreitete Magenschleimhautentzündung kann bakterielle Ursachen haben, aber auch durch Medikamente oder Genussgifte wie Nikotin und Alkohol ausgelöst werden. Und sie kann zu Geschwüren führen. Ein weiteres Problem ist der sogenannte Reflux – Mageninhalt fließt zurück in die Speiseröhre, die er verätzt. „20 Prozent der Menschen haben hier eine Schwäche“, weiß der Chefarzt, „aber die meisten merken nichts davon. Nur bei 20 Prozent von ihnen führt dies zu einer Reizung oder Entzündung.“ Die Reflux-Krankheit kann Blutungen verursachen, chronischen Husten und Sodbrennen. All dies sei individuell sehr unterschiedlich und brauche eine ausreichende Diagnostik. Ein großes Thema sind derzeit Lebensmittelverträglichkeiten – Laktose, Fruktose sowie Gluten sind buchstäblich in aller Munde. Bertolino erläutert, man wisse, dass etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung Europas eine Milchunverträglichkeit entwickelten. Und bei Gluten-Unverträglichkeit könnten bestimmte Nahrungsbestandteile nicht mehr aufgeschlüsselt werden, was zum Beispiel zu Durchfällen führe. „Auch der Magen kommt in die Jahre“, erklärt Bertolino. So kann es sein, dass Stress oder Ärger zu funktionellen Magen-Beschwerden führt. Da die Probleme oft ähnlich sind, sind sie schwer auseinander zu halten, zumal eine ganze Reihe von Erkrankungen zu den gleichen Symptomen führt. Ein weiteres großes Thema heißt Helicobacter pylori. Etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland trügen das Bakterium in der Schleimhaut des Magens, schildert der Arzt – abhängig ist dies von Hygiene, Lebensumständen, Ernährung und Zahnstatus. Doch auch hier bereitet das alleinige Vorkommen des Bakteriums den meisten Menschen noch keine Probleme. Doch gilt es als häufigste Ursache der Magenschleimhautentzündung, kann Geschwüre verursachen und gilt als Wegbereiter des Magenkarzinoms. Bertolino rät trotzdem nicht jedem, sich auf Helicobacter untersuchen zu lassen, sondern erst, wenn es Beschwerden gibt. Therapiert wird mit zwei verschiedenen Antibiotika und einem Säureblocker, doch gebe es bereits viele Resistenzen. „Mit Magenproblemen sollte man zunächst zum Hausarzt“, betont Bertolino. Nur wenn sich die Beschwerden trotz Behandlung und Ernährungsumstellung nicht verbessern, sollte man sie weiter abklären lassen – etwa durch Ultraschall, Labordiagnostik, Magenspiegelung oder Endoskopie. (ba) Info Die RHEINPFALZ-Sprechstunde findet am Mittwoch, 3. Juni, 11 bis 12.30 Uhr statt. Chefarzt Volker Bertolino ist während dieser Zeit zu erreichen unter der Telefonnummer 06381 921 218.