Kusel Die Terminvergabe und die Zeitvorgaben

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Ärzte stoßen bei der Terminvergabe an ihre Grenzen. Irene Reichert, die in Kusel eine Praxis für Gynäkologie betreibt, hat der RHEINPFALZ Einblick in ihren Terminkalender gewährt. Sie und ihre Mitarbeiterinnen haben Regeln, nach denen sie die Sprechstunden planen. Zehn Minuten Zeit hat Irene Reichert für jede Patientin − auf dem Papier. Pro Stunde wären das fünf Patientinnen. Zehn Minuten sind schon im Voraus als Puffer eingeplant. Im Praxisalltag funktioniert das jedoch nicht. „Ich will, dass es meinen Patientinnen gut geht“, sagt die Ärztin. Deshalb nimmt sie sich mehr Zeit als vorgesehen. Untersuchung und Patientengespräch dauern länger als zehn Minuten. Notwendig ist die knapp bemessene Zeit wegen der großen Anzahl Patientinnen und der Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung. Reichert braucht eine gewisse Anzahl Patienten, damit sich die Praxis trägt. Pro Quartal darf sie für jeden Patienten nur einen Besuch abrechnen. Müssen Verbände mehrmals in der Woche gewechselt werden, arbeitet sie auf eigene Kosten. Reichert und ihr Team arbeiten mit einem System, von dem sie wissen, dass es so nicht funktioniert. An einem Tag werden 30 bis 35 Patienten behandelt. Rechnet man mit der zu geringen Zeit von zehn Minuten pro Patient macht das rund sechs Stunden. Damit bliebe theoretisch noch eine Stunde für die Büroarbeit. In der Realität bedeutet dieser Zeitplan für alle Überstunden. „Ich arbeite 16 Stunden“, erklärt Reichert. Es gibt Tage, an denen sie erst um 22 Uhr die Praxis verlässt. Von ihren Mitarbeiterinnen könne sie das nicht verlangen. Dennoch häufen sich bei ihnen die Überstunden, und die Mittagspause fällt oft aus. Die Patienten warten im Moment wegen der Urlaubszeit etwa acht Wochen auf einen regulären Termin und müssen sich dann trotzdem im Wartezimmer gedulden. Dringende Fälle werden nicht abgewiesen. Die Frauen werden schnellstmöglich in die Praxis bestellt und behandelt. Andererseits gibt es an einem Tag mitunter sieben Patienten, die kurzfristig absagen oder nicht erscheinen. Sie blockieren die Termine. Angesichts dieser Lage ärgert sich Reichert über die Pläne der Bundesregierung. Demnach soll künftig jeder Patient binnen vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt bekommen: „Das schaffen wir nicht.“ Obwohl ihre Praxis voll ist, schreibt sie rote Zahlen. Die gesetzlichen Krankenkassen kürzten das Budget. Nur Privatpatienten und Zusatzleistungen, die die Kassen nicht zahlen, rechnen sich noch. Reichert sagt dazu: „Es wird immer geschimpft. Klar bevorzuge ich Privatpatienten. Von denen lebe ich.“ Aus ihrer Sicht erheben Kassen und Medien oft ungerechtfertigte Vorwürfe gegen die Ärzteschaft. „Die Krankenkassen sagen, wir wollen nur Geld abzocken“, ärgert sie sich. „Wir stehen immer unter Druck. Wir sind keine bösen Ärzte. Wir gucken auf unsere Patienten.“ (cher/jbe)

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