Kusel Die „Serengeti der Westpfalz“

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Bei Familie Horbach geht die frühere bayerisch-preußische Grenze quer durch Wohnzimmer und Küche. „Die Spüle ist preußisch“, sagt Wolfgang Horbach von der Christoffelsmühle. Ähnlich ist es bei den Nachbarn, im Sägewerk der Familie Brücher. Rund 600 Festmeter Holz werden hier an der Steinalp jedes Jahr verarbeitet. Die Grenzregion war einst auch für Schmuggler attraktiv. Einen guten Kilometer nördlich des Dorfkerns stoßen zwei Kataster aneinander – mit Folgen auf Verwaltungszuständigkeiten und Versorger. Wie im Nachbarort Niederalben wird der Mühlen-Strom von der OIE bezogen und nicht wie in Rathsweiler von den Pfalzwerken. Ihren Namen hat die Christoffelsmühle von Louis Christoffel, der 1841 hier geboren wurde. Er war der Vater von Ernst Jakob Christoffel, Gründer der gleichnamigen Blindenmission, einer christlichen Entwicklungshilfeorganisation. Aus dem gleichen Haus stammt Doris Horbach. Sie bietet Töpferkurse an und verkauft ihre Ton-Kreationen zugunsten des Senegalhilfe-Vereins. Vom Ton zurück zum Holz: Der Schreinerei- und Fensterbaubetrieb Theobaldt, seit 1872 im Ort ansässig, bietet zehn Arbeitsplätze. In Familienbesitz ist auch die Tankstelle samt Ausschank. Geschlossen hat indes seit 2013 das „Rathsweiler Eck“. Die Gaststätte, einst Treffpunkt für Draisinenfahrer, stehe zum Verkauf, sagt Ortsbürgermeister Klaus Müller. Auch die freilaufende Hühnerschar, die an dieser Ecke lange eine natürliche Bremswirkung auf Autofahrer hatte, tummelt sich hier nicht mehr. Dafür allerdings wenige Meter weiter etwa 50 Rinder. Auf dem Hof von Dieter Simon wird Milch und Getreide produziert. „Es ist der einzige und wohl auch letzte landwirtschaftliche Betrieb im Dorf“, meint Müller. An „mindestens zehn“ Betriebe kann sich Simon noch erinnern. Das lässt sich auch an vielen stattlichen Bauernhäusern ablesen. Zahlreiche dieser Anwesen wurden schön restauriert. Entlang der Hauptstraße und an der Lichtenberger Straße. Dort steht eine in der Westpfalz einzigartige denkmalgeschützte Reihe von Einfirsthäusern. Unter Denkmalschutz ist auch die alte Schule samt Luitpold-Linde. Heute gehen die Kinder nach Ulmet in Schule und Kita. Einen Spielplatz gibt’s trotzdem. „Neue Geräte sind bestellt“, kündigt Müller an. Er ist stolz auf den „guten Altersschnitt“ im 170 Einwohner zählenden Dorf. Müller öffnet ein Gitter, hinter dem sich ein alter Brandweiher versteckt. Die Jahreszahl 1871 ist noch zu entziffern. Ein paar Schritte weiter plätschert ein Brunnen. Das Brunnenfest im August gehört zu den Höhepunkten im Dorfkalender. Doch 2013 wurde der vielleicht sogar noch getoppt: Lukas Jung wurde mit dem U22-Nationalteam Weltmeister im Rollstuhl-Basketball. Bei Schneeregen laufen die Dorfspaziergänger tapfer weiter. Dabei werden sie gefilmt von Kurt Krummenauer, der jedes Jahr vorführt, was im Dorf so passiert ist. Vom Fuß der Hohlbusch-Berge bietet sich ein weiter Blick ins Glantal. Auf der anderen Seite liegt der Truppenübungsplatz. Als er 1989 Ortsbürgermeister wurde, wollte der Bund weiteren Gemeindewald kaufen, berichtet Müller. Aber die Bürger waren dagegen. „Wir haben damals viel Geld abgelehnt“, sagt er. Gute Beziehungen pflegt Rathsweiler zu seinen Nachbarn. Mit Ulmet teilt es sich Pfarrerin sowie Friedhof. „Eine Win-win-Situation“, verdeutlicht Müller. Noch habe die Gemeinde keine Schulden. Aber zum Haushaltsausgleich reicht es dennoch nicht. Zu den größeren Investitionen der vergangenen Jahre zählt der Ausbau der B 420. Wünsche für die Zukunft: die Verbesserung der ärztlichen Versorgung. Eines der dringendsten Probleme, wie die Erste Beigeordnete, Doris Bauer, findet. Banker Müller hofft auf den Verkauf von Bauplätzen an junge Leute. Vier haben am Kirchenfeld schon gesiedelt. Integriert würden die Zugezogenen schnell. „Das ist hier nicht schwer“, weiß der aus Gimsbach stammende Ortsbürgermeister aus Erfahrung. Karin Müller schließt das frühere Milchhäuschen auf. Es ist das Domizil der Landfrauen, dem einzigen Verein. Dafür ist der mit seinen 24 Mitgliedern umso rühriger. Ob Landschaft oder Dorfgemeinschaft: „Alles ist schön hier“, bringt es Inge Schuck auf den Punkt. Mit dem Wartekopf und der Steinalpmündung sind gleich zwei Naturschutzgebiete in der Nähe. „Manchmal meint man, man wäre in den Alpen“, sagen sie im Dorf. Und wegen der vielen seltenen Tiere wird Rathsweiler sogar als „Serengeti der Westpfalz“ betitelt. Schuck: „Wir waren schon an vielen schönen Plätzen. Aber aus Rathsweiler gehen wir nicht weg.“

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