Kusel Die Probleme beginnen beim Alphabet
In Sachen Integration ist fehlende Sprachkenntnis eine der größten Barrieren für Asylbegehrende. Damit diese Hürde so schnell wie möglich beseitigt werden kann, bietet die Kreisvolkshochschule (KVHS) Deutschkurse für Menschen an, die sich derzeit in einem Asylverfahren befinden. Am Mittwoch begann der erste Kurs der KVHS in der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Windhof.
Ein dicker Aktenordner liegt vor Alexandra Matern, der Leiterin der Kuseler KVHS. Darin sind allerlei Unterlagen zu den Deutschkursen, die von der Volkshochschule derzeit und künftig angeboten werden – nicht nur aktuelle Kurslisten, sondern auch seitenweise Informationen zu Bestimmungen, Richtlinien und Fördermitteln. „Aktuell laufen bei uns fünf Kurse mit jeweils rund 20 Teilnehmern“, informiert Matern. Dabei sei es oft schon eine Herausforderung, herauszufinden, wer genau an welchem Kurs teilnehmen darf. „Das ist schon nicht immer einfach, weil das mit verschiedenen Fördertöpfen zusammenhängt und es dementsprechend verschiedene Zuständigkeiten gibt“, erklärt die Leiterin der KVHS. Noch in diesem Jahr sollen vier bis fünf neue Kurse beginnen. „Die sind Teil eines Modells der Bundesagentur für Arbeit für ,Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive’ und richten sich ausschließlich an Menschen aus Syrien, Eritrea, Iran und Irak“, erklärt Matern. Zwei bis fünfmal pro Woche finden die Kurse der KVHS statt – die Kurslänge ist dabei allerdings variabel: „Von 60 bis hin zu 300 Unterrichtseinheiten gibt es verschiedene Angebote“, erläutert Matern im RHEINPFALZ-Gespräch. Die Teilnehmer seien zumeist Menschen, deren Asylverfahren aktuell noch liefen – aus einem ganz bestimmten Grund: „Wenn das Verfahren abgeschlossen ist und die Menschen hier bleiben dürfen, fallen sie in die Zuständigkeit des Jobcenters und werden von dieser Stelle entsprechend betreut“, erklärt die KVHS-Leiterin. Die ersten Deutschkurse für Asylbewerber habe es in Kusel im Februar diesen Jahres gegeben. Mittlerweile sind es schon fünf – und es werden möglicherweise sogar noch mehr: „Wie viele Kurse wir anbieten können, hängt natürlich immer von der Nachfrage ab. Ich gehe aber davon aus, dass der Bedarf im kommenden Jahr noch steigen könnte und wir daher noch mehr Kurse anbieten werden“, prognostiziert Matern. Neben Kusel, wo zwei Kurse stattfinden, hat die KVHS ihr Kursangebot so gewählt, dass auch Menschen aus anderen Teilen des Landkreises daran teilnehmen können, die nicht oder nur eingeschränkt mobil sind. Auch in Bedesbach, Wolfstein und Schönenberg-Kübelberg wurden oder werden künftig weitere Kurse angeboten. Die entsprechenden Kandidaten für eine Teilnahme an einem der Sprachkurse würden meist vom betreuenden Personal, aber auch durch ehrenamtliche Helfer über die Kurse informiert und angemeldet. Für Kinder gibt es indes noch ein weiteres Angebot: Feriensprachkurse. „Dafür werden die Kinder von ihren Schulen bei uns angemeldet. Die Kinder dürfen allerdings nicht länger als maximal seit einem Jahr in Deutschland sein. Der Unterricht erstreckt sich über 40 Stunden und ist ein Angebot des Bildungsministeriums“, erklärt Matern. Den nächsten Feriensprachkurs wird es in den Osterferien geben. Die größte Herausforderung für die derzeit sieben aktiven Dozenten der KVHS sei – neben den verschieden weit gediehenen Vorkenntnissen der Teilnehmer – das Alphabet, das wir in unseren Breitengraden verwenden. „Viele kennen eben unser Alphabet nicht, sondern lediglich die arabischen Schriftzeichen“, erklärt Matern. Das mache es auch für die Dozenten schwierig herauszufinden, ob jemand nur unsere Schrift nicht kennt, oder generell „nicht alphabetisiert“ ist und daher das Lesen und Schreiben von Grund auf erlernen muss. Apropos Dozenten: Nicht zuletzt deshalb, weil die KVHS für das kommende Jahr mit einer steigenden Nachfrage rechnet, werden immer Dozenten gesucht. „Die sollten schon eine gewisse Erfahrung und die notwendigen Qualifikationen mitbringen. Das können beispielsweise pensionierte Lehrer sein, aber auch Lehramtsstudenten oder einfach Menschen, die bereits Erfahrungen damit haben, andere zu unterrichten“, erklärt Matern. Wer Interesse habe, die Kreisvolkshochschule als Dozent zu unterstützen, könne sich aber jederzeit gerne melden.