Kusel „Die Möglichkeiten sind unbegrenzt“

Hatte die Idee zum Planspiel und übernimmt am Mittwoch die Moderation dazu im Bürgerhaus in Dittweiler: Karl-Heinz Schoon.
Hatte die Idee zum Planspiel und übernimmt am Mittwoch die Moderation dazu im Bürgerhaus in Dittweiler: Karl-Heinz Schoon.

«Dittweiler». Zu den Europawahlen im kommenden Mai hat sich die Verbandsgemeinde Oberes Glantal auf die Fahnen geschrieben, ihren Bürgern das komplexe System der Europäischen Union verständlich näher zu bringen und verstärkt für die europäische Idee zu werben. Aus diesem Grund findet am kommenden Mittwoch ab 18 Uhr eine Europa-Veranstaltung im Dittweilerer Bürgerhaus statt, bei der unter anderem ein Gesetzgebungsverfahren der EU als Planspiel nachgestellt werden soll. Die Idee dazu hatte Karl-Heinz Schoon, der die Veranstaltung moderieren wird. Die RHEINPFALZ hat ihn zu dem Planspiel befragt.

Herr Schoon, wie kam es zur Idee, ein Planspiel zu einem Gesetzgebungsverfahren der Europäischen Union in der Verbandsgemeinde Oberes Glantal auf die Beine zu stellen?

Wir hatten bereits im April gemeinsam mit dem Europa-Direkt-Informationszentrum Kaiserslautern eine Veranstaltung zur Europäischen Union in Waldmohr gehabt, bei der Europa-Experten in einer Art Speed-Dating den Bürgern Fragen beantwortet haben. In unserer Verbandsgemeinde herrscht eine große Europa-Aufgeschlossenheit, deshalb wollen wir neue Formate ausprobieren, um den Menschen das System der EU auf einfache und verständliche Weise näherzubringen. Anlässlich der Europa-Wahl greifen wir diesen roten Faden nun wieder auf. Während meines Studiums habe ich an einem solchen Planspiel teilgenommen und dachte, das könnten wir hier auch einmal versuchen. Die Idee dabei ist, den Bürgern die Vielfalt der Länder, Regionen und Interessen innerhalb der EU aufzuzeigen und zu veranschaulichen, wie kompliziert ein Interessenausgleich innerhalb der Institutionen ist. Wie ist das Planspiel aufgebaut? Das Planspiel ist in drei Phasen unterteilt, von der die erste bereits abgeschlossen ist. Zunächst hatten sich zehn Bürger im Rathaus in Schönenberg-Kübelberg getroffen und dabei die Rollen der Kommission, des EU-Parlaments und weiterer Institutionen untereinander aufgeteilt. Auch Vertreter von fünf europäischen Nationen mit ihren jeweiligen Regionen wurden ausgewählt, darunter Deutschland, Frankreich, Belgien, Polen, Spanien und Schweden. Dadurch wollen wir auch zeigen, wie unterschiedlich die Verfassungen der Länder sind und wie sich das auf einen Gesetzgebungsprozess auswirken kann. Die zweite Phase des Planspiels läuft gerade. Die Teilnehmer machen sich nun mit ihren Rollen vertraut, studieren die Länder oder Institutionen und machen sich Gedanken darüber, welche Position sie in dem Gesetzgebungsverfahren einnehmen werden. Im letzten Schritt werden die Teilnehmer am kommenden Mittwoch ihre jeweiligen Positionen in ihren Redebeiträgen darlegen. Die Kommission wird einen Gesetzesentwurf einbringen und versuchen, diesen den Ländern schmackhaft zu machen. Danach haben die fünf Länder Zeit, ihre Position darzulegen. Ein Teilnehmer wird zudem die Rolle der Presse innehaben und in einer kurzen Nachrichtensendung die Positionen nochmals zusammenfassen. Anschließend wird das Publikum, das die Rolle des Parlaments übernehmen wird, über das Gesetz abstimmen. Um welches Gesetzesvorhaben handelt es sich? Wir haben uns was ganz Aktuelles überlegt. Es wird um den Anteil erneuerbarer Energien und den Kohlendioxid-Ausstoß in der EU gehen. Dabei soll entschieden werden, ob Quoten entweder für die EU insgesamt oder für die Länder im Einzelnen eingeführt werden sollen. Weitere Punkte sind sowohl der Anteil an Erdgaskraftwerken am Energiemix sowie der grenzüberschreitende Stromnetzausbau. Ist solch ein Planspiel das passende Format, um die Bürger wieder stärker für die europäische Idee zu interessieren? Diese Frage kann ich erst beantworten, wenn wir die Veranstaltung hinter uns haben. Ich denke aber, dass es ein geeignetes Format ist, um die Komplexität und Vielfalt Europas zu veranschaulichen. Dass sich zehn Personen gefunden haben, die mitmachen wollen, sehe ich als guten Einstieg. Wie realitätsgetreu lässt sich ein Gesetzgebungsverfahren der Europäischen Union in einem Planspiel eigentlich nachstellen? Als ich selbst an einem Planspiel zur EU teilgenommen habe, habe ich schnell einen tiefen Einblick in die Strukturen bekommen. Ich denke, so ein Format vermittelt anschaulich die Zusammenhänge der EU auf eine Art und Weise, dass sie jeder verstehen kann. Außerdem wird der ehemalige Pressesprecher der Kommission, Jochen Kubosch, für weitere Erklärungen vor Ort sein. Wäre es sinnvoll, solche Planspiele auch für Gesetzgebungsverfahren der nationalen, regionalen und kommunalen Ebene anzubieten? Das Format ist vor allem interessant, weil jeder mitmachen kann und es die Möglichkeit bietet, komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen. Daher wäre es sinnvoll, dies auch für andere Ebenen anzubieten, die Möglichkeiten sind meiner Meinung nach unbegrenzt. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitungen und wie bewerten Sie Interesse und Engagement seitens der teilnehmenden Bürger? Ich bin begeistert! Mehr kann man dazu nicht sagen. Warum ist die Europa-Veranstaltung am Mittwochabend einen Besuch wert? Hier können die Besucher einen Einblick in die Europäische Union gewinnen, den sie auf diese Art und Weise sonst nicht bekommen. Außerdem haben wir ein kurzweiliges Rahmenprogramm mit Musik aus verschiedenen europäischen Ländern, ein Gewinnspiel und eine europäische Bierreise mit einem Diplom-Biersommelier.

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