Kusel Die Krankheit aus der Tabuzone holen
„Wir machen, was uns guttut.“ Katharina aus Stuttgart, Joseph aus Frankfurt und Christoph aus Lüneburg nehmen teil an der Mut-Tour, einer deutschlandweiten Staffelradtour für Menschen, die an Depression leiden oder gelitten haben. An verschiedenen Haltepunkten – wie vor einigen Tagen in Zweibrücken – wollen sie auf die Krankheit aufmerksam machen und über sie reden.
Katharina, Joseph und Christoph haben es sich auf einer Bank am Rande vom Herzogplatz in Zweibrücken bequem gemacht. Sie tanken auf, essen und trinken etwas. Ihre Tandems parken anbei. Fähnchen am Gepäckträger weisen auf die Aktion hin, für die sie auch strampeln: Die Mut-Tour. Eines der Ziele dieser Radtour ist, die Depression aus der Tabuzone herauszuholen. Depression sei eine Volkskrankheit, sagt Katharina. Doch über sie werde – anders als bei Herzinfarkt oder Krebs – nicht oder kaum offen gesprochen. Noch immer werde sie verschwiegen oder als Schwäche abgetan. Die Stuttgarterin wie ihre Mitradler aber wünschen sich, dass „in der Gesellschaft die Depression offen und unverkrampft“ thematisiert werde. Und die Erfahrungen, die sie auf ihrer Tour gemacht haben, zeigen, dass sie richtig liegen. Gestartet ist das Trio am 26. Juni in Köln. In acht Tagen legen sie 460 Kilometer zurück. Alle paar Tage gibt es Mitfahraktionen, denen sich Radfreunde für eine Etappe anschließen können. „Stress machen wir uns keinen“, sagt Katharina lachend. „Wir bewegen uns in der Natur und genießen die Gemeinschaft“, ergänzt Joseph. In ihren Radtaschen haben sie eine Campingausstattung. Die drei lassen sich abends spontan dort nieder, wo es ihnen gefällt – nicht ohne den Eigentümer der Wiese oder des Grundstücks zu fragen. Sie würden immer gut aufgenommen, betonen sie einmütig. Insgesamt legten verschiedene Teams deutschlandweit 7300 Kilometer zurück. Die Tour endet am 3. September in Bremen. An einigen Etappenzielen werden – wie in Landau – richtige Infostände aufgebaut. Für Fragen sind die drei Betroffenen immer offen. Und ja, sie würden häufig angesprochen auf Symptome der Krankheit, auf Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, weiß Joseph. Und Katharina erklärt: „Ein Stimmungstief bedeutet längst noch nicht, dass jemand an einer Depression leidet. Hält dieser Zustand aber länger als zwei Wochen an, fühlt sich der Betroffene niedergeschlagen und trotz ausreichenden Schlafs stets erschöpft und hat an nichts mehr Freude, kann das auf die Krankheit hindeuten.“ Das Problem, beschreibt die Stuttgarterin, liege darin, dass die Anzeichen bei den meisten unterschiedlich seien. So klagten manche über Appetitlosigkeit, andere dagegen über Heißhunger. Auch für Angehörige, Freunde oder Kollegen seien die Informationen nicht unwichtig, könnten sie doch die Kranken besser verstehen und ihnen helfen. Eine positive Nachricht hat das Trio ebenfalls: Depression ist heilbar mit einer stationären oder ambulanten Psychotherapie und unterstützenden Medikamenten. Katharina, Joseph und Christoph freuen sich über die gute Resonanz und dass sie einen Teil zur Aufklärung beitragen können. Die Mut-Tour wird von etlichen Stiftungen unterstützt. Maßgeblich beteiligt sind der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie die Deutsche Depressionsliga, eine Interessenvertretung für Betroffene. Die Radtour wird seit 2012 alle zwei Jahre durchgeführt. Streckenweise fahren auch Gesunde mit. info Die Deutsche Depressionsliga ist eine Selbsthilfeeinrichtung, die auch Vorträge, Ausstellungen und Workshops organisiert. Außerdem vermittelt sie Kontakte für Erkrankte und ihre Angehörigen: Deutsche Depressionsliga e.V., Postfach 1151, 71405 Schwalkheim, Telefon 07144/704850, E-Mail: kontakt@depressionsliga.de, Internet: www.depressionsliga.de