Kusel „Die einfachste und eleganteste Methode“
Kusel. „Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist die Zahl der Erkrankungen und der Todesfälle wegen Darmkrebs zurückgegangen.“ Volker Bertolino, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Westpfalz-Klinikum, ist ganz glücklich über diese Entwicklung. Und er will bei der Sprechstunde am Mittwoch, 6. April, nicht nur für Vorsorge werben, sondern auch alle Fragen zu Darmerkrankungen beantworten.
Gastroenterologen – Fachleute für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie der Organe Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse – führen die positive Entwicklung darauf zurück, dass das stete Werben für Vorsorge durch Darmspiegelung Früchte trägt. Noch vor sechs, acht Jahren seien 27.000 Menschen pro Jahr in Deutschland an Dickdarmkrebs gestorben, heute seien es noch 24.000 – ein Rückgang um 17 bis 18 Prozent. Und das, obwohl nach wie vor nur 20 bis 24 Prozent der Bevölkerung, die berechtigt sind, die Möglichkeit einer Vorsorge in Anspruch nehmen. Bezahlt wird von den Krankenkassen für alle ab 50 Jahren ein Test auf verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl alle zwei Jahre, ab 55 Jahren eine Darmspiegelung. Dass es bei Patienten unter 55 keinen Rückgang der Erkrankungen gab, ist ein Hinweis darauf, dass eine Ausweitung der Koloskopie, der Darmspiegelung, sinnvoll sein könnte. Das Fatale an Darmtumoren: Im Anfangsstadium handelt es sich in 80 bis 90 Prozent aller Fälle um einen kleinen Polypen, der keine Symptome zeigt. „Das sieht man weder im Blut noch im Ultraschall“, betont Bertolino. Erst wenn der Tumor größer ist, wird er entdeckt. Deswegen ist die Darmspiegelung so wichtig: Dabei wird der wichtigste Teil des Verdauungstraktes mit einem Endoskop von innen betrachtet. Wenn ein Polyp entdeckt wird oder ein kleiner Tumor, wird dieser sofort entfernt – „und sie sind geheilt“, wie der Chefarzt betont. Das Risiko sei sehr gering – die Darmspiegelung ist für Bertolino die „einfachste und eleganteste Methode“. Was hält trotzdem so viele von der Untersuchung ab? Außer dem Bereich des Körpers, der für viele mit Scham behaftet ist, sicher die Angst vor der Vorbereitung. Denn vor der Koloskopie muss der Darm gründlich gereinigt werden – wozu Mengen an nicht gerade wohlschmeckender Salzlösung getrunken werden müssen. Doch Bertolino betont, es gebe mittlerweile Alternativen, die geschmacklich verbessert wurden, weshalb die Vorbereitung ihren Schrecken verloren habe. Die Kasse zahle allerdings nur die günstigere Lösung – jeder könne entscheiden, ob ihm die bessere die paar Euro wert sei. Zur Spiegelung selbst sagt Bertolino, dass sie, wenn gewünscht, unter kurzer Betäubung möglich sei. Wer auf dem Monitor „mitgucken“ möchte, kann aber auch dies tun. Auch während des Eingriffs könne der Patient noch entscheiden, weil es sich lediglich um ein Schlafmedikament handele. Warum ist es so wichtig, sich ab dem Alter von 55 einmal den Darm spiegeln zu lassen? Bertolino erklärt, dass es zehn Jahre dauert, bis aus einem Polypen ein Tumor wird. Und da zwischen 65 und 75 am häufigsten Darmkrebserkrankungen auftreten, sei es eben sinnvoll, ab 55 nachgucken zu lassen. Die Wissenschaftler seien zurzeit dabei, im Stuhl genetische Marker nachzuweisen, doch sei diese Methode noch nicht ausgereift, so dass bislang nur die Koloskopie bleibt. (ba) Info Die RHEINPFALZ-Sprechstunde mit Volker Bertolino findet am kommenden Mittwoch, 6. April, 11 bis 12.30 Uhr statt. Zu erreichen ist er unter Telefon 06381 921 218. (ba)