Kusel „Die blaue Farbe schreckt ab“

Soll Wildschweine abschrecken: blauer Reflektor an einem Straßenleitpfosten im Kreis.
Soll Wildschweine abschrecken: blauer Reflektor an einem Straßenleitpfosten im Kreis.

4500 sogenannte Wildschweinreflektoren werden derzeit im Kreis an den Straßen angebracht. „Wir mussten handeln“, erklärt Kreisjagdmeister Bernd Klinck und verweist auf jährlich etwa 2000 Wildunfälle alleine im Bereich Kusel und Lauterecken. Mehr Sicherheit für Wild und Autofahrer erhofft er sich durch die blauen Reflektoren, die Wildschweine abschrecken sollen, da die Farbe Blau in der Natur nicht vorkommt.

Bereits vor drei Jahren seien 2500 Reflektoren an bekannten Gefahrenstellen auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen verbaut worden, berichtet Klinck. Seitdem seien die Unfallzahlen an den besagten Stellen um bis zu 80 Prozent gesunken. Zwar sei ihm bewusst, dass die Wirksamkeit der blauen Reflektoren durchaus umstritten sei, die Statistik spreche aber für sich. Um die Sicherheit im Kreis nun noch weiter zu erhöhen, habe man von den zuständigen Revierinhabern und der Polizei den realistischen Bedarf schätzen lassen. Um alle bekannten Gefahrenstellen abzudecken, habe sich eine Zahl von 4932 Reflektoren ergeben. Die 4500 Stück, die nun an den neuralgischen Verkehrspunkten nach und nach angebracht werden, kosten in der Summe rund 20.000 Euro. Davon seien 13.000 Euro bereits durch Zuschüsse und Spenden zusammengekommen, berichtet der Kreisjagdmeister. Zu den größten Geldgebern gehören der Kreis Kusel (4500 Euro), die Kreisverkehrswacht (3200 Euro) und die Württembergische Versicherung mit derzeit 250 Euro. „Wir werden bis Jahresende versuchen, die Zuschüsse möglicherweise noch zu erhöhen. Es ist ein sinnvolles Projekt, um die Sicherheit im Kreis zu gewährleisten“, erklärt ein Vertreter der Versicherung, Ruben Woll. Auch der Schatzmeister der Kreisverkehrswacht, Heinz Hornberger, spricht von der großen Chance, durch die Maßnahmen die Sicherheit auf den Straßen nachhaltig erhöhen zu können. Er erklärt: „Die blaue Farbe der Reflektoren kommt in der Natur nicht vor, deshalb wirkt sie abschreckend auf Wildschweine.“ Aber nicht nur Wildschweine sollen auf das Blau reagieren, auch Verkehrsteilnehmer könnten dadurch aufmerksam werden wegen drohenden Wildwechsels, meint Hornberger. „Wenn ein Autofahrer die Reflektoren sieht, dann erkennt er vielleicht, dass es hier gefährlich sein kann, und fährt vorsichtiger.“ Die vordringlichste Aufgabe sei selbstverständlich, nicht Sach-, sondern Personenschäden zu minimieren, sind sich alle am Projekt Beteiligten einig. Dies funktioniere vor allem bei offener Fläche neben der Straße. Ist nur wenig Abstand zwischen Wald oder Gebüsch und Straße, komme die Wirkung der Reflektoren nicht voll zum Tragen, erklärt Kreisjagdmeister Bernd Klinck. „Das Schwein hat in so einem Fall einfach keine Zeit zu reagieren“, sagt er. Deshalb sei es ihm auch wichtig, nicht alleine auf die Reflektoren zu setzen, sondern an einigen Gefahrenstellen noch weitere Maßnahmen zu ergreifen. „Ich könnte mir vorstellen, an manchen Orten ein Schild mit der Aufschrift ,Hier kommt es zu 58 Wildunfällen im Jahr’ aufzustellen – beispielsweise.“ Ein solches Schild werde kein Autofahrer einfach ignorieren, ist sich der Kreisjagdmeister sicher, dass Vorbeifahrende ihre Geschwindigkeit und Aufmerksamkeit daraufhin anpassen würden. Von den insgesamt 4500 angeschafften Wildschweinreflektoren haben die Revierinhaber eigenhändig auf rund 505 Kilometern Straßennetz bislang 3000 Stück an den Leitpfosten verschraubt. Die restlichen 1500 sollen in den kommenden Wochen folgen. Die flächendeckende Anbringung der Reflektoren sei nichtsdestotrotz zunächst nur ein erster Versuch, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Ob die Wildschweinreflektoren in ganz Deutschland eine Zukunft hätten, hänge auch davon ab, zu welchen Ergebnissen die Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer kämen, gibt Kreisjagdmeister Bernd Klinck zu bedenken.

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