Kusel Die Biopioniere werden groß
Albessen: „Hof am Weiher“ besteht seit 30 Jahren – Seit 2001 „Kleine Aktiengesellschaft“
Trotz eines äußerst bescheidenen, weil zu nassen Wirtschaftsjahres blickt Kornelius Burgdörfer-Bensel vom „Hof am Weiher“ in Albessen zuversichtlich in die Zukunft. Nach Stärkung der finanziellen Basis, Auslagerung des Lieferservice und Großhandels sowie einer erneuten Aufstockung sieht er den Biohof gut aufgestellt. In mehrfacher Hinsicht unterscheidet sich der „Hof am Weiher“ von klassischen Landwirtschaftsbetrieben in der Westpfalz. So gehört er zu den wenigen Höfen der Region, die biologisch nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes wirtschaften. Überdies hat der Albesser Biohof seit 2001 die Rechtsform einer „Kleinen Aktiengesellschaft“, was in der Landwirtschaft äußerst selten ist. Im gesamten Bezirk des Registergerichts Kaiserslautern, der auch Kusel und Rockenhausen umfasst, gibt es überhaupt nur knapp 50 solche Gesellschaften auf Aktienbasis. Der 57-jährige Burgdörfer-Bensel findet, die Struktur einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft passe gut zu der langfristigen Wirtschaftsweise des Biobetriebs. Zudem würden über den Erwerb von Anteilen auch Menschen in das Hofgeschehen eingebunden, die häufig zugleich Abnehmer der Bioerzeugnisse sind, argumentiert der Landwirt. Für die Aktiengesellschaft spreche auch, dass das Unternehmen auf diesem Weg an Eigenkapital komme und keine Darlehen aufnehmen müsse. Kurzfristige Gewinnversprechen seien bei einem „Generationenprojekt“ wie Öko-Landbau nicht zu erwarten, sagt Burgdörfer-Bensel, der mit Sohn Lukas den AG-Vorstand bildet. Die Kapitalerhöhung 2015 sei überzeichnet gewesen, eine Ausgabe neuer Aktien mittelfristig ins Auge gefasst. Die Zahl der sozial und ökologisch engagierten Investoren gibt er mit rund 150 an, von denen nicht wenige zum Familien- und Freundeskreis gehören. Das durchschnittliche Anlagekapital liege bei 4000 Euro. Die Mindestbeteiligung beträgt 500 Euro. Derzeit bewirtschaftet der „Hof am Weiher“ mit 2,5 Arbeitskräften und saisonalen Aushilfen rund 130 Hektar in Streulage. „Wir sind in acht Gemarkungen unterwegs“, sagt Burgdörfer-Bensel. Im vergangenen Jahr wurde die Wirtschaftsfläche um 27 Hektar erweitert, davon rund 19 Hektar Grünland und acht Hektar Ackerland. Zudem kam als weiterer Standort mit zwei landwirtschaftlichen Gebäuden, die als Maschinenunterstand und als Kühllager für Gemüse genutzt werden, Herchweiler im Ostertal dazu. „Wir wollen ja wachsen“, bekennt Burgdörfer-Bensel und räumt ein, dass der Wettbewerb um Agrarflächen auch im Kreis Kusel die Pachtpreise beeinflusst. Wachstum und Technisierung seien auch in der ökologischen Landwirtschaft nicht grundsätzlich zu verteufeln. Auf dem Grünland weidet eine Herde mit rund 28 Mutterkühen samt Jungrindern. Mit Auslauf werden ein Dutzend Schweine und 450 Legehennen gehalten. Im Ackerbau dominieren Hafer, Roggen, Dinkel und Lupinen. Zudem werden 40 Tonnen Kartoffeln und ebenso viel Gemüse geerntet. Lagergemüse wie Kohl und Wirsing, Kürbis, Zucchini, Steckrüben, Sellerie, Möhren, Rote Bete, Pastinaken, Petersilienwurzel und Zwiebeln werden auf drei Hektar angebaut. In eine eigene Gesellschaft mit rund 30 Mitarbeitern ist seit Mitte 2015 der Absatz der Bio-Produkte ausgelagert. Die Belieferung von Kunden – Endverbraucher, Naturkost- und Hofläden, Gastronomie, Großküchen und Kitas – mit Obst und Gemüse, Molkereiprodukten, Wurst und Fleisch, Eiern, Backwaren, Müsli, Ölen, Brotaufstrichen, Tofuerzeugnissen und Getränken steuert seither die Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück GmbH. Diesem Erzeugerzusammenschluss gehören mehr als 15 Höfe aus der Region an, die nach Bioland- und Demeter-Richtlinie produzieren. Einziger Gesellschafter aus dem Landkreis ist der Biohof von Sonja Doll in Dennweiler-Frohnbach. Hinzu kommen weitere regionale Lieferanten für Mehl, Kräuter, Wein, Tee, Gewürze und Nudeln. Das Gebiet, das bei den täglichen Touren beliefert wird, reicht von Ludwigshafen bis Saarbrücken und Trier. Mit dieser Vertriebsschiene reagiere man darauf, dass Bioprodukte mittlerweile von allen Lebensmittelketten angeboten werden, argumentiert Burgdörfer-Bensel. Die Öko-Marktgemeinschaft könne mit einem Regionalsortiment den Verbraucherwünschen entsprechen. Dabei ist ihm die Zeit der „Biopioniere“ durchaus vertraut. 1987 kam er mit seiner Frau Annette Bensel nach Albessen und übernahm den Hof des Gutsbesitzers Otto Seyler. Aus den bescheidenen Anfängen und einem idealistischen Gemeinschaftskonzept ist in 30 Jahren ein stattlicher Biohof und ein Regionalgroßhandel erwachsen. Info Mit einem Hoffest am 15. und 16. September blickt der „Hof am Weiher“ auf das 30-jährige Bestehen zurück. In Albessen werden bei dieser Gelegenheit die Ökotage Rheinland-Pfalz eröffnet.