Kusel Der wunde Punkt heißt Verkehr
Steinbach. Schönster Sonnenschein und spätsommerliche Temperaturen, gut 40 Besucher und angeregte Gespräche: Die „Redaktion vor Ort“ am Freitag in Steinbach – die letzte für dieses Jahr – war eine runde Sache. Die RHEINPFALZ-Redakteure Barbara Scheifele und Torben Müller waren gefragte Gesprächspartner.
Zum Beispiel in Sachen Straßen und Straßenausbau. Die sind – Stichwort Frutzweiler Straße – seit langem ein vieldiskutiertes Thema in der Gemeinde. Und führen zu viel Ärger. „Es gibt noch Mord und Totschlag wegen der Straßen in Steinbach“ fürchtete eine Besucherin gar. Walter Dauber, seit 17 Jahren Mitglied im Gemeinderat, beklagte, manchem gehe Eigennutz vor Gemeinwohl. Ortsbürgermeister Jörg Fehrentz stimmte ihm zu. Doch es gab auch andere Themen. Während für eine Besucherin die RHEINPFALZ der „erste Lichtblick am Morgen“ ist, wollte Adolf Raab, dass die Berichtigungen größer ausfallen und besser platziert werden. Gudrun Gräbel führte Klage über den Zustand der Börsborner Straße. Die ist eine Kreisstraße, an der ein Bach verläuft. Und Unkraut überwuchere den gesamten Bürgersteig, so dass man dort kaum mehr laufen könne. Der Ortsbürgermeister wusste etwas dazu zu sagen: Es habe schon zwei Ortstermine gegeben, um zu klären, wer für die Reinigung zuständig ist. Arnold Krost missfällt in der Börsborner Straße vor allem, dass in der dortigen Kurve ständig mehrere Autos parkten, die man als Fahrer erst spät sehe. „Dort müssen zwei Parkbuchten hin und ansonsten ein Halteverbot.“ Mit der Parksituation scheinen die Steinbacher grundsätzlich unzufrieden. Während Eleonore Kopp bemängelt, dass in der Hauptstraße viel auf dem Gehweg geparkt werde, Fußgänger mit Kinderwagen oder Rollator kaum durchkämen, sieht Kurt Früchtl das gleiche Problem „Auf dem Morgen“. „Dort wohnen viele amerikanische Mitbürger“, sagte er und forderte: „Die müssten von der Gemeinde informiert werden, dass das Auto nicht voll auf dem Bürgersteig stehen sollte.“ Walter Dauber verwies darauf, das das Ordnungsamt in Glan-Münchweiler gefragt sei, und Früchtl ergänzte: „Aber dann bitte mit Fingerspitzengefühl – wenn nur ein Rad auf dem Gehweg ist, ist es ja nicht so schlimm...“ Doch es gab auch viel Lob für Steinbach von den Besuchern der „Redaktion vor Ort“, von denen nicht wenige einfach mal vorbeigekommen waren, um eine Tasse Kaffee zu trinken – egal ob jung oder alt. Etwa Josef Wintringer, Vorsitzender des Heimatvereins. Die Steinbacher betonten beispielsweise, dass noch Bäckerei und Metzgerei im Ort seien. Die Bäckerei Scheuermann wurde gleich mehrfach gelobt: Es kämen sogar Leute aus Börsborn und Glan-Münchweiler, um dort einzukaufen. Ratsmitglied Helma Fichtl lobte die Gymnastikfrauen, die im Sommer „die erste richtige Kerwe seit Jahren“ organisiert hatten. „Die sind mit der Straußjugend durchs Dorf, haben Stimmung beim Frühschoppen gemacht, sonntags gab es Kaffee und Kuchen“, berichtete sie. Andrea Becker ergänzte, dass die Straußjugend für den Samstag nach dem Pferdemarkt eine kleine Wiederholung der Kerwe plane: „Gleiche Stelle – gleiche Kapelle.“ Arnold Fischer fand es positiv, dass es schnelles Internet gibt. Doch hätte er gerne mehr 30er-Zonen in den Seitenstraßen – besonders rund um Kindertagesstätte und Spielplatz. Er lebt schon mehr als 40 Jahre als „Asylant“ in Steinbach, musste aus Danzig flüchten – und fühlte sich, als die ersten Asylsuchenden in die ehemalige Kaserne in Kusel einzogen, an die Zeit erinnert, als er mit seiner Familie im Lager in Kusel gelandet war. Dort, wo heute das Gymnasium steht. Helma Fichtl berichtete, dass die einzige Asylantenfamilie, die derzeit in Steinbach wohne, zum Dorffest eingeladen worden und voll integriert sei. Susanne Theiß erzählte, dass man schön laufen könne auf den Feldwegen rund um die Gemeinde – außer, diese würden von Autos unberechtigterweise befahren oder von Forst- oder landwirtschaftlichen Fahrzeugen zerstört. Große Zustimmung erntete sie von den Umstehenden für ihre Aussage, Steinbach sei vom öffentlichen Verkehr abgehängt. Die Busverbindung sei „grottenschlecht“: Morgens gebe es um 6.45 Uhr einen Bus, der nur bis Schönenberg-Kübelberg fahre. Von Börsborn aus habe man bessere Verbindungen, wurde kritisiert. Auch wies sie darauf hin, dass das Ruftaxi noch viel zu wenig bekannt sei. Die Busverbindung bereitet auch Jana Weißbrodt Probleme, die zwar morgens zur Schule nach Ramstein-Miesenbach kommt, sich mittags aber in Glan-Münchweiler abholen lassen muss. Der öffentliche Verkehr sei eines der größten Probleme der Gemeinde, stimmt ihr Vater Stefan zu – erster Ortsbeigeordneter und im Vorstand des Heimatvereins, der sich am Wochenende wieder zu seiner zweijährlichen Sitzung getroffen hat. Seine Mutter Christa, am Freitag ebenfalls am RHEINPFALZ-Stand mit dabei, hat kürzlich nach 26 Jahren das Vorstandsamt bei den Landfrauen abgegeben: an Schwiegertochter Ramona. Auf Heimatbesuch ließ es sich Hasso Jakob nicht nehmen, bei der „Redaktion vor Ort“ vorbeizuschauen. In Leipzig, wo er seit anderthalb Jahren lebt, schreibt der gebürtige Steinbacher an einem Zukunftsroman mit dem Titel „Zeit ist Dummheit“. Als gelernter Schriftsetzer werde er das Buch „nicht einfach Zeile für Zeile aufschreiben – ich habe viele Ideen“. Jörg Fehrentz, der eine ganze Palette Laugenteilchen spendierte, war nicht der einzige Ortsbürgermeister am Stand, auch zwei seiner Amtskollegen kamen vorbei: Franz Sommer aus Börsborn und Nicole Bültmann aus Henschtal. Ihr Wunsch: Kommt doch mit der „Redaktion vor Ort“ auch zu uns – wir schauen mal, was wir machen können... (ba/tmü)