Kusel Der Mann hinter der Stimme
Pfeffelbach/Saarbrücken. Er ist einer dieser Menschen, die viele von uns kennen, ohne es zu wissen. Zumindest Hans Mittermüllers Stimme dürfte dem ein oder anderen bekannt vorkommen, denn er hat als Sprecher die verschiedensten TV-Produktionen vertont. Der 68-Jährige wohnt in Saarbrücken, hat aber in seiner Jugend mit seiner Familie in Pfeffelbach und Kusel gelebt.
Die Augen funkeln hinter seiner Brille und sprühen geradezu vor Lebenserfahrung, aber auch einer gehörigen Prise Humor. Dazu kommt diese tiefe, sonore Stimme, die er auch sehr gut einzusetzen weiß. Man kommt nicht umhin, ihm gebannt zu lauschen – und Geschichten kennt er genug. Kurzum: Hans Mittermüller ist ein Mensch, mit dem man sich stundenlang über Gott und die Welt unterhalten könnte. Geboren wurde Mittermüller 1943 im saarländischen Neunkirchen, etwa ein Jahr später zog seine Familie aber nach Pfeffelbach. „Wir mussten von heute auf morgen weg, wurden ,zwangsevakuiert’, weil damals Tag und Nacht Bomben auf Neunkirchen fielen – die sollten die Grube treffen, schlugen aber oft auch fernab des eigentlichen Ziels ein“, erläutert Mittermüller. Als er 15 Jahre alt war, verlegte die Familie den Wohnsitz nach Kusel, wo Mittermüllers Vater bei der Brauerei Koch arbeitete. „Er war im Außendienst unter anderem für die Betreuung der amerikanischen Kunden in Baumholder und Idar-Oberstein zuständig. Ab und an nahm er mich mit – und so machte ich auch die ersten Erfahrungen mit dem Jazz“, erinnert sich der 68-Jährige. Die Leidenschaft für diese Musik hat Mittermüller bis heute nicht losgelassen. Während seiner Gymnasialzeit nahm er Schlagzeugunterricht bei Rolf Fußer und der Jazz-Legende Hartwig Bartz in Rammelsbach – erste öffentliche Auftritte sollten bald folgen. „Mein erster Auftritt war im Gasthaus Heil in Konken“, erinnert sich Mittermüller. „Was war ich da aufgeregt. Ich habe mich herausgeputzt und meine besten Klamotten angezogen – musste vor Ort aber feststellen, dass das niemanden interessierte; ab 23 Uhr waren dort eh alle sturzbetrunken“, schildert der Wahl-Saarbrücker lachend. Die Musik war es auch, die Mittermüller über einen der schlimmsten Schicksalsschläge seines Lebens hinweghalf: „Meine erste Frau starb an Krebs. Damals war ich 28 Jahre alt und stand plötzlich als Witwer und alleinerziehender Vater der Zwillingstöchter da. Die Musik hat mir geholfen, meinen Schmerz zu verarbeiten“, sagt Mittermüller rückblickend. Mittlerweile ist er seit 36 Jahren mit seiner jetzigen Frau Christina verheiratet. Über die Jahre gab er als Schlagzeuger und Sänger Konzerte mit verschiedenen Formationen oder arbeitete im Studio für zahlreiche namhafte Musiker – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Luxemburg, der Schweiz und Frankreich. Bei unseren Nachbarn hat Hans Mittermüller einige Zeit seines Lebens verbracht und noch bis heute ein sehr inniges Verhältnis zu Frankreich. Nach seiner Studienzeit in Saarbrücken (Mittermüller studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Philosophie und Wirtschaftspädagogik) erhielt er 1968 ein Stipendium an der renommierten Hochschule HEC in Jouy/Paris. Aus dieser Zeit weiß Mittermüller auch noch die ein oder andere muntere Anekdote aus der Studenten-WG zu erzählen, erinnert sich aber auch an weniger amüsante Geschichten, beispielsweise von den Studentenunruhen in der französischen Hauptstadt. Später war Mittermüller auch beruflich in Frankreich – während seiner insgesamt 17 Jahre andauernden Tätigkeit im Bereich akademischer Studien- und Berufsberatung im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeit. Durch eine Kooperation mit der Universität des Saarlandes und Bildungseinrichtungen im Raum Paris arbeitete Mittermüller zeitweise in Frankreich. Nur die Wenigsten werden Hans Mittermüller persönlich kennen; seine Stimme hingegen hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Denn nach einem mehrjährigen Privatstudium der Sprechkunst bei Wilhelm Pitsch, Professor an der Musikhochschule des Saarlandes, begann Mittermüller schon zu Beginn der 80er Jahre als freiberuflicher Sprecher. Neben der Arbeit für öffentlich-rechtliche Sendeanstalten vertonte er unter anderem auch Bildmaterial für Sender wie Arte, Pro7 und Vox. In TV-Dokureihen wie „Die Deutschen“, „Der pazifische Feuerring“, „Das Universum“, oder „Armageddon – Der Einschlag“ ist Mittermüller als Erzähler zu hören, vertonte aber auch Beiträge für TV-Formate wie „Abenteuer Wissen“ oder „Galileo“. Mittlerweile ist Hans Mittermüller pensioniert, aber dennoch alles andere als untätig. „Nichtstun ist einfach nichts für mich“, erklärt der 68-Jährige. So arbeitet er auch weiterhin als Sprecher, Musiker und Sänger. „Aber nicht mehr zu viel – immer nach dem Motto ,Ab und zu, aber dann mit Spaß’. Und so lange ich kann, werde ich auch weitermachen.“