Kusel Der Bach mit dem größten Gefälle
Niederalben. Die Steinalp fließt nur auf ihren letzten Kilometern durch den Kreis Kusel. Aber sie ist so ungewöhnlich, dass sie bei den Gewässern nicht fehlen darf. Der Bach hat das größte Gefälle und ein sehr großes Einzugsgebiet. Seinen Namen trägt er eigentlich zu Unrecht, denn die Totenalb ist vor dem Zusammenfluss mit der Steinalp fast drei Kilometer länger.
Der größte Teil der Steinalp liegt im Kreis Birkenfeld und gehört zum Truppenübungsplatz Baumholder. Deshalb sind der Bach und die einzigartige Landschaft, durch die er fließt, nicht zugänglich. Aber hier können Ingrid und Manfred Brücher von der Christoffelsmühle bei Niederalben Auskunft geben. Ihre Mühle bezieht das Wasser von der Steinalp, und sie konnten gelegentlich mit Sondererlaubnis den Truppenübungsplatz betreten. Die Quelle der Steinalp liegt an einem Steilhang des Herrenberges unweit des ehemaligen Forsthauses Winterhauch in 570 Meter Höhe. Von dort aus fließt sie erst nach Süden und dann nach Westen, bevor sie ihren endgültigen Lauf in südliche Richtung einschlägt. Dabei durchquert sie ein bewaldetes Gebiet, dessen Berge zwischen 400 und 500 Meter hoch und durch tiefe Täler getrennt sind. Sie tragen Namen wie „Kamelrücken“ wegen ihrer Form oder wurden durch Sagen erklärt. So soll ein Reh von einem Wolf verfolgt worden sein und sich auf den „Wolfsfelsen“ geflüchtet haben. Von dort sprang es herunter und kam heil unten an, während der Wolf zu Tode stürzte. In diesem Gebiet bekommt die Steinalp eine Reihe von Zuflüssen wie den Ellerbach oder den Grünbach, der an eine ehemalige Ortschaft gleichen Namens erinnert. Die Mühlen, die an dieser Strecke lagen, existieren auch nicht mehr. Ingrid Brücher weiß noch Geschichten aus der Zeit, bevor das Gebiet Truppenübungsplatz wurde. Bis in die 30er Jahre gab es einen regen Austausch zwischen Niederalben, den Dörfern am Glan und Idar-Oberstein. Den knapp 20 Kilometer langen Weg benutzten die Bauern, um Waren in der Stadt an der Nahe zu verkaufen. In umgekehrter Richtung kamen Wanderer von dort nach Niederalben und an den Glan. Die Brüchers kennen auch einen Roman mit dem Titel „Zwischen Ehre und Gewissen oder: Die Schmuggler“, der in Rathsweiler und im Steinalptal spielt. Er erschien um 1920 in Kaiserslautern unter dem Pseudonym „Rs.“. Vielleicht stammt das Werk von Karolina Germann, die 1867 in Grünbach geboren wurde und als „Lina Germann“ im Roman vorkommt. Denn der Verfasser oder die Verfasserin muss in der Gegend gelebt haben, weil er/sie alle Wege und Berge entlang des Steinalptals kennt und genau beschreibt. Der Roman handelt von einer Schmugglerbande, die um 1840 vom bayerischen Rathsweiler Brandwein über die nahe Grenze ins Preußische schmuggelt. Unmittelbar an der Kreisgrenze mündet die Totenalb, die nordöstlich von Baumholder entspringt. Von ihrem Nebenfluss Kaueralb sowie dessen Zuflüsse Bergloch und Frohnbach enthält sie auch Wasser aus dem Kreis Kusel. Durch einen großen Teil ihres Tales führt die Straße nach Baumholder (L 169). Die Landschaft, ein Wechsel von bewaldeten Hängen und steilen nackten Felsen, gleicht der an der Steinalp. Unmittelbar hinter der Mündung der Totenalb wurde ein Wehr errichtet, von dem ein Mühlgraben abzweigt und die etwa einen Kilometer entfernte Christoffelsmühle mit Wasser versorgt. In dem kleinen Stauweiher hat Manfred Brücher viele Krebse entdeckt. Die Christoffelsmühle wurde seit 1563 als Schneid-, Mahl- und Ölmühle betrieben. Seit 1902 ist sie im Besitz der Familie Brücher. In den 60er Jahren gab die Familie die Mahlmühle auf, so dass es heute nur noch das Sägewerk gibt. Das Mühlrad ist mit einem Generator verbunden, der erzeugte Strom wird im Sägewerk verwendet und der Überschuss ins Netz eingespeist. Kurz hinter der Christoffelsmühle weitet sich das Tal. Hier liegt das Dorf Niederalben, das in sicherer Entfernung von der Steinalp erbaut wurde. Denn bei starkem Regen kommt es schnell zu Hochwasser, das das Bachbett überflutet. Deshalb sind die beiden Ortsteile von Niederalben an zwei kleinen Seitentälern entstanden. Beim Dorf erhebt sich der markante Mittagsfels. Auf dem Trockenrasen der Hänge und an den Rändern haben sich viele seltene Pflanzen angesiedelt, so dass das Gelände ein Naturschutzgebiet ist. Bekannt ist es vor allem wegen der „Kuhschellen“ im Frühjahr. Von Niederalben ist es noch etwa ein Kilometer bis zum Glan. Die Mündung liegt 378 Meter niedriger als die Quelle, so dass die Steinalp auf ihren 13,1 Kilometern ein durchschnittliches Gefälle von drei Prozent hat. Zusammen mit ihren Zuflüssen entwässert sie 90 Quadratkilometer, ein Gebiet größer als die Verbandsgemeinde Altenglan. An der Mündung der lebhaften Steinalp in den ruhig fließenden Glan gibt es ein weiteres Naturschutzgebiet. In der Verordnung von 1988 heißt es, die naturnahe Flussauenlandschaft sei schützenswert wegen der Kies-, Sand- und Schotterbänke der Steinalp und wegen des gegenüber liegenden bewaldeten Steilufer des Glans. Vertiefungen an den Ufern lassen erkennen, dass sich das Wasser der Steinalp im Bereich der Mündung immer wieder neue Wege sucht. Das Gebiet um Steinalp und Totenalb ist auch der Schauplatz der Sage von der „Wildfrau von Kusel“. Sie sei eine riesige Hunnin aus dem Heer Attilas gewesen und habe in einer Höhle gehaust. Bekleidet mit Tierfellen und bewaffnet mit einer Keule und einem krummen Dolch habe sie die Dörfer am Glan überfallen und vor allem kleine Kinder geraubt und verspeist. Der Wildfrauenberg an der Kaueralb und das Wildfrauenloch bei Baumholder erinnern an die Sagengestalt. Wer auf dem romantischen „Wildfrauenlochweg“ zwischen Baumholder und Dennweiler-Frohnbach wandert, kann vielleicht noch in der Ferne ihren Schrei „Ho, ho, die Wildfrau ist do!“ hören.