Kusel „Das Weiße in Augen der Musiker sehen“
Kusel. „Janz höösch“ heißt die Tour, auf der die Kölner Kultband Höhner (hochdeutsch: Hühner) am Samstag in Kusel Station macht. Wieso der Name Programm ist und wieso die Band „ein scheiß-demokratischer Haufen“ ist, hat Frontmann Henning Krautmacher, dienstältestes „Huhn“ der Gruppe vorab im Interview mit Klaudia Gilcher erzählt.
Na ja, janz ist ganz, da kommt man noch drauf und höösch sagt der Kölner, wenn er etwas zurückhaltender ist. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir auf der Tour nur Balladen spielen. Wir nehmen das Elektrische raus, wir haben einen akustischen Bass, akustische Gitarre, ganz neue Instrumente wie Ukulele, Banjo, Akkordeon und ein deutlich abgespecktes Schlagzeug, das Cajon. Die Orgel kommt noch zum Einsatz, aber insgesamt ist es etwas leiser als gewohnt. Janz höösch eben. Warum überhaupt eine akustische Tour? Back to the Roots. „Alles op Anfang“ hieß das letzte Album. Auf Anfang gehen wir auch in der Tour, zu den akustischen Instrumenten. Auf denen haben wir doch alle gelernt, von den Orff`schen Instrumenten und der Blockflöte an. An die E-Instrumente kommt man ja erst später. Es ist aber auch eine Philosophie dahinter: Ein gutes Lied muss nicht durch ein aufgeblasenes Arrangement aufgewertet werden. Ein gutes Lied funktioniert im einfachen Gewand, mit nur einem Instrument. Die Konzerte sind auch meist im kleineren Rahmen. Da kann man das Weiße in den Augen der Musiker sehen. Die Atmosphäre ist wärmer, ehrlicher, ungeschönter, wenn man so will. Wir nennen es gern „Bio-Konzert“. Janus Fröhlich war Botschafter in der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“. Da war schon unser aller Ding. Aber damit hat Bio diesmal nix zu tun. Nach 45 Jahren Höhner ist niemand von der Urbesetzung mehr dabei. Fröhlich und Peter Werner haben aufgehört, mit 67. Sie sind mit 30 Jahren in der Band der Dienstälteste. Kann man überhaupt noch von Höhner sprechen? Natürlich haben wir uns gefragt: Kriegen wir das hin? Der Wechsel war ja unerlässlich, niemand kann bis zum Sankt-Nimmerleinstag arbeiten. Die Band definiert sich aber nicht nur über Personen, sondern auch über unsere Lieder. Es wäre schade, wenn die nicht weitergesungen würden. Die Altvorderen sind auch noch dabei, etwa beim Programme planen und beim Mitschreiben. Der Geist bleibt erhalten. In Addition haben wir uns durch die Wechsel auch um 31 Jahre verjüngt. Es weht ein anderer Wind, wir sind wieder kraftvoller geworden, mit unbändiger Spielfreude. Abgesehen von Personalwechseln: Höhner macht Schlager, Stadionhymnen, Karnevalsgeschichten. Gleichzeitig hat ein John Parsons in seiner Biografie New Age drin stehen und Jens Streifling sagt, dass er musikalisch von Bob Dylan sozialisiert worden sei. Wie findet sich so eine Band? Reibereien sind das Salz der Suppe. Das war bei uns schon immer so. Auch der, der die erste Idee zu einem Song oder einem Projekt hat, muss sich immer wieder hinterfragen. Und bisher haben wir uns immer noch gefunden. Wir nennen uns oft „einen scheiß-demokratischen Haufen“. Das ist kräftezehrend, man ballt schon mal die Faust in der Tasche, verlässt auch mal den Raum. Am Ende obsiegt das bessere Argument. Deshalb gibt es die Band nach 45 Jahren immer noch. Sie sind mit den Bläck Fööss und Bap aus einer ganz anderen Stilrichtung die Kölner Band schlechthin. Dabei haben Sie doch gar keine Kölner mehr in der Band? Doch! Der Hannes ist ein Longericher Junge, lebt aber nicht da. Und mir wird das Temperament nachgesagt. Als Schlebuscher gelte ich auch als so gut wie Kölner. Aber in der Tat: Wir sind eine gemischte Mannschaft. Das zieht sich ja wie ein roter Faden durch die Welt. Wir singen in Köln nicht umsonst „Su simmer all he hin jekumme“. Ich finde, wie sich die Menschen vermischt haben, hat zu tollen Ergebnissen geführt. Stellen Sie in Kusel auch den neuen Karnevalsschlager vor? Ich gehe davon aus, dass wir ihn am lebenden Objekt ausprobieren. Wir freuen uns wie Bolle drauf und sind gespannt, ob die Sache aufgeht. Mitsingen ist unbedingt erwünscht! Beim ganzen Programm. Info Die Höhner treten am Samstag, 8. Oktober, 19.30 Uhr, in der Fritz-Wunderlich-Halle auf. Ticket-Hotline: 06381 424 496 oder 06381 9969552.|kgi