Kusel Das komplizierte Wirtschaften mit der eigenen Praxis

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Arztpraxen sind komplexe wirtschaftliche Gebilde, deren Erfolg teilweise von schwer bestimmbaren Faktoren beeinflusst wird. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz beschreibt auf ihrer Homepage die wesentlichen Wirtschaftsfaktoren rund um die eigene Praxis. Frauenarzt Michael Kurtz, Vorsitzender der Kreisärzteschaft, berichtet aus seinen Erfahrungen im Kreis.

Der Arzt mit eigener Praxis muss laut Kurtz mit den Behandlungspauschalen, Personal- und Materialkosten wirtschaften. Im Gegensatz zum angestellten Kollegen muss er zudem beispielsweise Urlaub und Krankheitsausfälle kompensieren und für den Ruhestand vorsorgen. Der Oberarzt am Krankenhaus verdiene ebenso gut wie der Selbstständige, meint Kurtz. Aber Krankheitsfälle, Urlaubs- und Arbeitszeiten seien genau geregelt. Trotzdem: Unterm Strich seien die Kollegen sehr zufrieden. Und dass sich die Arbeit für den selbstständigen Arzt auf dem Land nicht lohne, wie manche sagen, will Kurtz so nicht stehenlassen: Man könne gut vom Einkommen der eigenen Praxis leben, auch in Kusel, erklärt Kurtz weiter. Vor den Statistiken zum Einkommen eines Arztes warnt Kurtz. Auch die KV erklärt auf ihrer Homepage, dass der Umsatz einer Praxis oft mit dem Verdienst der Ärzte verwechselt werde. „Das Honorar ist der Umsatz, nicht das Einkommen“, ist dort zu lesen. Das Nettoeinkommen, also das Geld, das der Arzt für seine Arbeit bekommt, beträgt laut KV durchschnittlich nur 23,5 Prozent des Honorarumsatzes. Aus den anderen 76,5 Prozent des Umsatzes finanziere der Arzt das Personal, die Miete, Energiekosten, Versicherungen und medizinische Geräte. Steuerzahlungen, Aufwendungen für Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherungen kommen selbstverständlich hinzu. Nach Angaben der KV lag das durchschnittliche Nettoeinkommen für das Jahr 2011 bei etwa 5500 Euro im Monat. Kurtz merkt an, dass die Altersvorsorge oft an den Verkauf der Praxis gebunden sei. Für manchen Kollegen im Kreis, der keinen Nachfolger gefunden hätten, sei dies ein Problem. Die Betriebsausgaben sind je nach Fachrichtung unterschiedlich hoch. Der Radiologe, erklärt Kurtz als Beispiel, müsse für das MRT (Magnet Resonanz Tomograph) enorme Ausgaben einplanen. Die entsprechende Untersuchung werde dafür mit einer entsprechend hohen Untersuchungspauschalen honoriert. Die unterschiedliche Honorierung von Leistungen lassen manche Patienten praktisch zum Minusgeschäft werden. Ein Beispiel: Sei der Arzt in der Ultraschalluntersuchung geübt, könne er diese in etwa 30 Sekunden durchführen. Eine vergleichbare Leistungspauschale erhält er für das Patientengespräch. Doch das könne 20 Minuten dauern und sei somit Vergleichsweise unprofitabel für den Praxisbetrieb. Hinzu kommt: Bei Kassenpatienten könne es ein halbes Jahr dauern, bis die Kasse die Behandlung bezahle. Dafür gebe es bei Privatpatienten, bei denen das Geld schneller fließt, zuweilen Streit über die Vergütung von Leistungen. (rma)

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