Kusel Campo kommt nicht wieder
Der Blick geht Richtung Bielefeld, Paderborn und Bodensee-Region. Eine Rückkehr in die Westpfalz ist wohl nicht mehr zu erwarten: „Die Ära Campo in Kusel ist – Stand heute – beendet“. So formulierte gestern Rechtsanwalt Joachim Wagner den Stand der Hängepartie um die Zukunft des Eissalons Campo. Im kommenden Jahr hätte das Familienunternehmen den 60. Gründungstag in Kusel feiern können.
So weit aber wird es nach Lage der Dinge nicht mehr kommen. Denn an den angestammten Platz am Rosengarten könnte die Eisdiele allerfrühestens im Jahr 2021 zurückkehren – also zwei Jahre später als geplant. Denn laut der ursprünglichen Vereinbarung hätte Campo bereits dieser Tage in frisch sanierten Räumen am altbekannten Standort Speiseeis anrühren und Kaffee ausschenken sollen. So sei es zumindest vertraglich vereinbart worden, erläuterte gestern auf Anfrage Joachim Wagner. Der Kuseler Anwalt vertritt die Interessen von Roberto Campo, des Inhabers des Eiscafés. „Wir haben den Vertrag inzwischen gekündigt“, stellte der Advokat klar. Wie mehrfach berichtet, hatte der Gastronomiebetrieb im Herbst 2017 seine Pforten geschlossen, um dann 2019 wieder zurückzukehren. In der Zwischenzeit hätte, so die Übereinkunft, das Bauunternehmen P.A. Budau (Idar-Oberstein) den maroden Komplex am Rosengarten sanieren, teilweise neu aufbauen sollen. Allerdings war es, wie ebenfalls ausführlich berichtet, zu Verzögerungen gekommen. Bis zum heutigen Tag ist auf dem Areal wenig passiert. Nach Auskunft des Investors sei an einen Einzug Campos vor 2021 nicht zu denken, berichtet Wagner von Gesprächen mit Budau. Bei der inzwischen detaillierteren Planung des Komplexes, der ein Wohnheim für die Lebenshilfe sowie einen Einkaufsmarkt vorsieht, seien die Belange Campos im Grunde schon gar nicht mehr berücksichtigt worden. „Wir haben einen Plan vorgelegt, der aufführt, was die Eisdiele zum Betrieb benötigt“, stellt Wagner klar. Diese Wünsche seien allerdings in die Planung des Bauherren überhaupt nicht eingeflossen. Der modifizierte, bis vor kurzem gültige Mietvertrag habe vorgesehen, dass Campo im Jahr 2018 pausiert und dann im Frühling 2019 in seine neuen Räume zurückkehren kann. „Das wäre am 15. Februar der Fall gewesen“, präzisiert Wagner. Wie berichtet, hatte sich der Anwalt im Auftrag des Italieners nach einer Zwischenlösung umgeschaut, um 2019 den Betrieb in Kusel wieder aufnehmen, dann eben im kommenden Jahr wieder zum Rosengarten ziehen zu können. Sämtliche Pläne sind allerdings zwischenzeitlich durchkreuzt worden. „Wir haben in Kusel nichts Akzeptables finden können“, sagt Wagner. Auch die Suche nach einer dauerhaften Lösung abseits des angestammten Platzes sei erfolglos versandet. Laut Wagner hatte sich Campo sehr für die Räume der einstigen Halle der Gelegenheiten am Hofacker interessiert. Dort habe es zwar noch unterschiedliche Vorstellung über die Größe der Räume gegeben, „aber da hätte man sicherlich eine Lösung gefunden“, meint der Anwalt. Jedoch habe er dann erfahren müssen, dass sich der Investor – die Firma Zimmer – für eine andere Nutzung entschieden habe. Wie berichtet, wird in der früheren VKE die Sozialstation Kusel-Altenglan eine Tagespflegestätte einrichten. Der Vorschlag Budaus, während der gerade angelaufenen und in der kommenden Saison Eis aus einem Container heraus zu verkaufen, sei völlig inakzeptabel, gibt Wagner Einblick in einen „Kompromissvorschlag“. Campo hätte sein Eis in dem früheren Brauerei-Gebäude an der Lehnstraße zubereiten sollen. Allerdings will nun der Investor demnächst gerade dort mit Umbauarbeiten beginnen. Folge: Der Vertrag ist gekündigt. Wagner verhehlte nicht, dass er nun auf Schadenersatz klagen werde. Sein Mandant habe einiges aufwenden müssen und habe – entgegen anderslautender, in Kusel kursierender Gerüchte – keine Entschädigung für die ausgefallene Saison 2018 erhalten. Campo orientiere sich nun in völlig neue Richtungen, halte Ausschau nach Räumen in Paderborn, Bielefeld und der Bodensee-Region. Er werde wohl anderswo ein neues Geschäft eröffnen – genau 60 Jahre, nachdem sein Großvater Piedro Campo-Bagatin den Salon in Kusel am 16. April 1960 eröffnet hat.