Kusel Bundeswehr-Manöver mit Panzerhaubitzen zwischen Brücken und Konken
Die 345er sind zurück im Kreis Kusel – allerdings nur für wenige Stunden. Beim groß angelegten Manöver „Celtic Storm“ (keltischer Sturm) ist die Region zwischen Brücken und Konken ein Übungsraum für bis zu 800 Soldaten und 200 Fahrzeuge. Auch direkt in einigen Gemeinden spielt sich das Geschehen ab. Noch bis heute Nachmittag heißt es daher: Ruhe bewahren, wenn hinter einer Häuserecke eine gewaltige Panzerhaubitze lauert oder aus einer Hofeinfahrt ein Fuchs-Transportpanzer hervorlugt. Auch mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen.
„Wir wollten raus ins freie Gelände“, sagt Oberstleutnant Olaf Tuneke, denn den Truppenübungsplatz in Baumholder kennen seine Soldaten in- und auswendig. Tuneke ist der Kommandeur des Artillerielehrbataillons 345, das vor zwei Jahren von Kusel nach Idar-Oberstein verlegt worden war. Fünf der sechs Batterien des Bataillons sind seit Mittwoch getrennt voneinander in den einzelnen Übungsräumen unterwegs, erkunden, tarnen, bauen ihre Gefechtsstände auf. Die Soldaten einer weiteren Batterie fungieren als Rollenspieler, die Störaktionen – beispielsweise als Demonstranten – planen. Start war in der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben (Kreis Südwestpfalz), seit gestern Nachmittag ist der Übungsraum im Kreis Kusel erreicht. Der Bataillonsgefechtsstand ist laut Presseoffizier Hauptmann Marcel Karcher in Brücken aufgebaut, die Batterien mit Panzerhaubitzen seien in Steinbach und Wahnwegen unterwegs. Auch Herschweiler-Pettersheim, Krottelbach und Konken sind Schauorte des Manövers. Wie, wann und wo genau – das entscheiden die einzelnen Batterien abhängig von den Einsatzszenarien. Am heutigen Samstagnachmittag steht die Verlegung in Richtung Baumholder an. Autofahrer sollten damit rechnen, dann mal langsam hinter einer Kolonne herfahren zu müssen. Auf dem Truppenübungsplatz wird dann drei Tage lang „scharf geübt, was wir im Moment trocken üben“, wie Tuneke sagt. Denn klar: Haubitzen abfeuern oder Drohnen durch die Luft schicken verbietet sich auf dem freien Gelände. Das einzige, was im zivilen Luftraum tatsächlich steigt, sind die Ballons der Wettergruppe. Schon beim Start des Manövers stand die erste große Herausforderung an, berichtet Tuneke: die knapp zwölf Meter langen, 55 Tonnen schweren Panzerhaubitzen 2000 von Idar-Oberstein in die Südwestpfalz zu verlegen, dabei auch durch Kaiserslautern zu fahren. Bislang sei aber alles gut gelaufen auf den öffentlichen Straßen – kleine Ausnahme: ein abgefahrener Außenspiegel und etwa zehn Meter beschädigte Bordsteine am Mittwochnachmittag in Offenbach-Hundheim (wir berichteten). Im Zusammenhang mit dem Manöver standen vermutlich auch die Donnerschläge, die in dieser Woche – etwa am Mittwoch- und Donnerstagnachmittag – weithin im Kreis Kusel zu hören waren, wie Presseoffizier Karcher auf RHEINPFALZ-Nachfrage bestätigte: Es handelte sich nicht um scharfe Schüsse, sondern um einen Sprengsimulator, mit dem der Schallmesszug die Ortung von Artilleriegeschützen probt. Ein weiteres Ziel des Manövers: Die Bundeswehr soll zu sehen sein, will sich zeigen. Denn seit Abschaffung der Wehrpflicht ist sie darauf angewiesen, dass sich Soldaten freiwillig melden. Das sei früher einfacher gewesen. Apropos alte Zeiten: In Reihen der 345er gebe es viele Soldaten, die schon lange mit dabei sind, berichtet Karcher, der selbst erst in Idar-Oberstein zum Bataillon gestoßen ist. „Man sieht schon, dass den Kuseler Zeiten hintergeheult wird“, hat er festgestellt.