Kusel Bereit für neue Wege und Experimente

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Michael Riefer erledigt heute einen ganz wichtigen Gang. Er fährt nämlich nach Mainz zum Bildungsministerium, wo er eine Urkunde erhält – die Urkunde, die ihn offiziell zum Leiter der Berufsbildenden Schule (BBS) Kusel macht, die er seit einem Jahr kommissarisch leitet. Dass die BBS sich in einem immer schwierigeren Umfeld halten wird, davon ist er fest überzeugt. Kooperation lautet für ihn das Zauberwort.

Immer weniger Jugendliche, immer mehr Eltern, die ihre Kinder möglichst bis zum Abitur gebracht sehen wollen und zunehmend Konkurrenz durch neue Schulformen – die Berufsschulen haben allüberall ihre Probleme. Weil es immer weniger Lehrlinge gibt, leiden vor allem die Klassen, die für das Duale Ausbildungssystem bereitgestellt werden. Das ist in Kusel nicht anders. Doch auch das Wirtschaftsgymnasium an der BBS tut sich derzeit schwer – hier schlägt die neue Konkurrenz der Integrierten Gesamtschule im Südkreis, die nun erstmals eine Oberstufe anbietet, eine Schneise ins Anmeldefeld. Riefer ist sich all dieser Probleme bewusst und hält auf den verschiedensten Ebenen dagegen. Beispielsweise mit einer verstärkten Kooperation mit anderen Berufsbildenden Schulen, um Fachklassen zu sichern. Klar, die BBS in Landstuhl ist ein natürlicher Partner, weil ebenso wie Kusel eine der kleineren. Doch auch mit den beiden BBSen in Kaiserslautern-Stadt steht Riefer im Dauerkontakt. „Die sind zwar größer, aber die haben doch dieselben Probleme wie die kleinen.“ Absprachen, wer was anbietet, wenn die Bewerberzahl nicht mehr ausreicht – das ist das Konzept der Zukunft, mit dem auch kleinere BBS-Standorte erhalten bleiben. Dazu gehören aber auch Ideen für neue Angebote: beispielsweise eine Fachschule Altenpflege, weil es im Radius von 20 Kilometern rund 25 Altenheime gibt. Doch wer lernen will, findet dafür im Kreis Kusel keine Berufsschule. Und das Optimum für ihn wäre ein Sozialgymnasium, neben dem Wirtschaftsgymnasium. Dritter Baustein: Flüchtlinge, speziell die unbegleiteten Minderjährigen. „Eine Riesenchance für uns und für die Region“, sagt Riefer. Schon früh ist an der BBS Kusel ein umfangreiches Konzept für Sprach- und Fachunterricht für Flüchtlinge entwickelt worden. 72 Flüchtlinge besuchen derzeit die Schule mit ihren rund 900 Schülern. Das Kuseler Konzept gilt als mustergültig fürs gesamte Land. „Man muss den jungen Flüchtlingen nur Perspektiven bieten, dann bleiben sie auch hier.“ Vor allem aber setzt Riefer darauf, die Qualität der Schule zu erhalten, sie möglichst noch zu steigern und dies dann auch publik zu machen. Eine seiner ersten Amtshandlungen als kommissarischer Nachfolger von Ilse Klein-Schmidt war es, zwei Kolleginnen für die Öffentlichkeitsarbeit zu gewinnen. Die haben gerade die Homepage der Schule überarbeitet, die voraussichtlich im Sommer im neuen Gewand ans Netz gehen wird. Soziale Medien hingegen bleiben außen vor. Riefer: „Man muss nicht jeden Mist mitmachen. Unser Gebiet ist Unterricht, nicht Antworten im Internet.“ Innerhalb der Schule mit ihren rund 60 Lehrern setzt er auf Eigeninitiative, Transparenz und stringente Abläufe. So sollen beispielsweise die Schüler künftig ihren Lehrern Feedback geben können, sollen Teambuilding durch Lehrerteams gestärkt und Strukturen innerhalb der Schule transparent gemacht werden. Das „selbstgesteuerte Lernen“ der Schüler soll ausgebaut und dokumentiert werden – vielleicht sogar durch eine Art Lerntagebuch. Riefer ist hier durchaus bereit, Experimente einzugehen und notfalls ihr Scheitern zu akzeptieren. „Wenn etwas nicht funktioniert, dann probieren wir etwas Anderes aus.“

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