Kusel Belegschaft soll Beitrag leisten
Die 420 Mitarbeiter des Waldmohrer Möbelherstellers CS Schmal sollen nach dem Willen der Geschäftsführung in diesem Jahr aufs Weihnachtsgeld – oder zumindest auf Teile davon – verzichten. Im Gegenzug will ihnen das Unternehmen eine Gewinnbeteiligung anbieten, sobald CS Schmal die Gewinnzone wieder erreicht. Heute entscheidet die IG Metall, ob sie Gespräche dazu aufnimmt.
Viel Wirbel hatte es im Vorfeld der Betriebsversammlung in Waldmohr in dieser Woche gegeben. Von Verzicht auf Weihnachts- sowie Urlaubsgeld, von Urlaubskürzungen war hinter vorgehaltener Hand die Rede gewesen. Zwar hatte die Gerüchteküche etwas überzogen, unterm Strich steht aber tatsächlich ein Vorschlag der Geschäftsführung, der an einem „ganz normalen tariflichen Anspruch der Beschäftigten“ ansetzt, wie IG-Metall-Sekretär Peter Vollmar betont. Das Ansinnen der Geschäftsführung, das den Mitarbeitern bei der Versammlung vorgestellt wurde: Die Belegschaft soll in diesem Jahr aufs Weihnachtsgeld verzichten – oder zumindest auf Teile davon. „Wahrscheinlich nicht auf die komplette Leistung“, sagt Geschäftsführer Achim Pfeffer auf Nachfrage. Stattdessen will das Unternehmen seinen Beschäftigten eine Gewinnbeteiligung fürs kommende Jahr anbieten – falls CS Schmal da wieder einen Gewinn einfährt, was zuletzt nicht der Fall war. Sollte es nicht klappen, soll sich der Anspruch dem Vernehmen nach so lange um ein Jahr verschieben, bis das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt. Die IG Metall Homburg-Saarpfalz spricht von einem „Beitrag in Höhe von 500.000 Euro“, den die Belegschaft beim diesjährigen Weihnachtsgeld leisten soll, Achim Pfeffer schätzt ihn auf 300.000 bis 400.000 Euro. Liquidität wird benötigt, weil „in diesem Jahr zwei, drei Fehler passiert sind“, wie der Geschäftsführer unumwunden zugibt. So sei beispielsweise über den Sommer ein zu großer Lagerbestand aufgebaut worden. Unabhängig davon sieht Pfeffer die Entwicklung bei CS Schmal „nach wie vor positiv“. Eine mehrwöchige Liquiditätskrise sei überstanden, „der Auftragseingang geht endlich nach oben, es läuft alles in die richtige Richtung“. Nun gelte es, den Lagerbestand runterzufahren, Fehler zu korrigieren und die Belegschaft einzubinden. Damit spricht er den zweiten Aspekt an, der aus seiner Sicht für eine Gewinnbeteiligung der Belegschaft spricht: „Wir wollen das unternehmerische Denken fördern, die Mitarbeiter sollen verstehen, dass auch sie es in der Hand haben, wie sich ihr Unternehmen entwickelt.“ Ganz so einfach sei das aber dann doch nicht, unterstreicht Peter Vollmar für die Gewerkschaft, bei der CS Schmal schon vor der Betriebsversammlung eine offizielle Anfrage mit diesem Vorschlag gestellt hatte. „Das Weihnachtsgeld ist ja eben kein Bonus – wenn das Jahr gut läuft, gibt’s große Geschenke, wenn es schlecht läuft, weniger.“ Sondern es handele sich um eine tariflich vereinbarte Leistung, „für die die Leute gearbeitet haben und mit der sie planen“. Er habe den Vorschlag bei der Betriebsversammlung nicht kommentiert, „weil ich noch keinen Auftrag habe, das Thema zu diskutieren“, sagt Vollmar. Bei einer Mitgliederversammlung soll heute in Waldmohr das weitere Vorgehen festgelegt werden. Die Gewerkschaftsmitglieder sollen bestimmen, ob die IG Metall überhaupt Gespräche aufnehmen soll. Und wenn ja, wie die Bedingungen aus Mitarbeitersicht für eine möglich Vereinbarung aussehen. „Nur wenn wir da eine gemeinsame Regelung finden, kann man über eine Veränderung des Tarifvertrags reden“, unterstreicht Vollmar. Grundsätzlich habe sich Gramax Capital, seit knapp 15 Monaten Eigentümer von CS Schmal, als fairer Gesprächspartner erwiesen – so sei in Verhandlungen mit Pfeffer „innerhalb weniger Wochen ein Konflikt gelöst worden, der vorher lange nicht zu lösen war“. Der Gewerkschaftssekretär stellt aber auch klar: „Falls die Mitglieder entscheiden, dass es zu Gesprächen kommt, werden unsere ersten Fragen sein: Wie sieht es mit den Unternehmenskennzahlen aus, und warum wird Geld benötigt? Was ist da in den vergangenen Monaten passiert?“ Von den Antworten werde es abhängig sein, ob und in welche Richtung sich die Verhandlungen dann entwickelten.