Kusel Bauboom beschert volle Auftragsbücher
Waldmohr. „Uns kennt ja so gut wie niemand“, sagt Steffen Allmann. Und das, obwohl sich die Historie von MB Effizienzkeller wie eine Erfolgsgeschichte liest: 1992 mit drei Mitarbeitern gegründet, hatte das Kellerbauunternehmen 2009 schon 30, heute 55 Mitarbeiter – und einen Jahresumsatz von 14,5 Millionen Euro. Um die Bekanntheit zu steigern, wollen sich die Waldmohrer künftig offensiver vermarkten, wie der technische Betriebsleiter erläutert.
Die Kellerquote sinke rapide, sagt Steffen Allmann. Hätten sich vor fünf Jahren noch drei Viertel aller Bauherren dazu entschlossen, ihr Haus zu unterkellern, sei es heute nur noch jeder vierte. Macht aber nichts: Denn das liege vor allem daran, dass Geld günstig ist und viele Menschen bauen, für die die finanzielle Schmerzgrenze mit dem Hausbau erreicht sei – und ein ausgebauter Keller koste eben mindestens 30.000 Euro zusätzlich. Weil also mehr Häuser gebaut werden, sind die Auftragsbücher bei MB Effizienzkeller trotz der sinkenden Kellerquote voll. Zumal das Waldmohrer Unternehmen auch bei nicht unterkellerten Häusern zum Zuge kommt, denn auch Fundamentplatten werden im Waldmohrer Industriegebiet gefertigt. Zudem habe MB Effizienzkeller die Möglichkeit, mit Aufträgen der Mutter ein wenig zu jonglieren. „Wir machen normalerweise die Sachen in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Luxemburg, bis nach Kassel und Köln und im Süden bis fast nach München selbst“, sagt Allmann. „Was weiter weg ist, wird über vier Partnerunternehmen abgewickelt.“ Das traf im Vorjahr auf 350 der 660 Fingerhaus-Aufträge zu, bei diesen ist MB Effizienzkeller nur eine Durchlaufstation, wie Allmann es bezeichnet. „Wir müssten ja vier bis fünf schwer beladene Lastwagen durchs Land schicken“, erläutert der technische Betriebsleiter – da wären die Transportkosten zu hoch. Ein Wandelement könne durchaus mal vier bis sechs Tonnen wiegen. Die Sache mit dem geringen Bekanntheitsgrad in der Heimat hat auch mit der wechselhaften Firmengeschichte zu tun. Gegründet wurde MB 1992 von Ralf Krauser als Montagebau Waldmohr – damals mit drei Mitarbeitern. Nach der Übernahme durch Kampa-Haus firmierte das Unternehmen unter MB Keller- und Massivbau sowie Kampa-Kellerbau. Bis zur Kampa-Insolvenz im Jahr 2009 hatte sich die Mitarbeiterzahl schon verzehnfacht. „Mit Ausnahme des Insolvenzjahres war MB immer profitabel“, sagt Allmann, der seit 1998 mit dabei ist. Seit sieben Jahren, in denen Finger-Haus die Fäden in der Hand hält, ist nun MB Effizienzkeller der offizielle Name, wenngleich Kunden des Mutterunternehmens die Waldmohrer als Finger-Keller kennen. Die Geschäftsführer der Mindener Finger-Haus, Klaus Cronau und Mathias Schäfer, bilden auch die Geschäftsführung bei MB, bis vor kurzem ergänzt um Gründer Krauser. Nach dessen altersbedingtem Ausscheiden sind nun Allmann (43) als technischer Leiter sowie Birgit Scheer (46), seit 1992 im Unternehmen, als kaufmännische Leiterin dabei. Heute stehen 55 Menschen auf der Gehaltsliste der Kellerbauer – fünf Montageteams à drei Mann plus zwei Springer, jeweils knapp 20 Angestellte in Produktion und Verwaltung. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 14,5 Millionen Euro. „Wir sind auch deshalb gewachsen, weil Finger größer ist als es Kampa war“, sagt Steffen Allmann. MB bildet selbst aus, im kaufmännischen wie im gewerblichen Bereich. Im nächsten Jahr sollen jeweils ein bis zwei Azubis in Verwaltung und Betonbau eingestellt werden. Weil guter Nachwuchs schwierig zu finden sei, wollen die Waldmohrer künftig aktiv suchen, etwa an Ausbildungsmessen teilnehmen. Doch nicht nur der Arbeits-, auch der Absatzmarkt steht im Fokus. Mit Finger sei von Anfang an ausgemacht gewesen, dass MB auch für den freien Markt produzieren darf. Dieser soll nun stärker in den Fokus rücken als bislang. Denn freie Kapazitäten gibt es noch, wie Allmann berichtet. Die Elemente für bis zu fünf Keller könnten pro Woche das Werk verlassen. Und die seien „absolut wasserundurchlässig“, verkündet der technische Leiter stolz. „Wasserdicht darf man Kellerwände nicht nennen – weil bis zu fünf Prozent Luftfeuchtigkeit durchgehen können“, erläutert er eine der vielen formalen Vorgaben. Eine andere: „Durch die Energieverordnung muss in manche Wände mehr Dämmung rein als Beton drin ist.“ Ein Alleinstellungsmerkmal sei die Dicke der MB-Wände. Weil der Beton in Waldmohr hergestellt wird – die Mischmaschine steht direkt neben den Werkshallen – sind die Produktionskosten verhältnismäßig gering. Bauen will MB mittelfristig auch auf dem eigenen 14.200 Quadratmeter großen Firmengelände. Allmann: „Alle Büros sind besetzt, wir stecken in ersten Gesprächen mit Finger, um unser Verwaltungsgebäude zu erweitern.“