Kusel Aus Abwasser wird geruchloser Dünger

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Seit etwa einem Monat dürfen Bauern ihre Äcker wieder düngen, auch mit Klärschlamm. Dabei muss es in der Umgebung aber nicht zwangsläufig unangenehm riechen, sagt Fred Wolf, technischer Leiter der Verbandsgemeindewerke Lauterecken-Wolfstein. Im Gegensatz zu Gülle rieche das aus Abwasser gewonnene Substrat aus der Lauterecker Kläranlage nämlich nur nach frischer Erde.

Viele Bauern holen sich an der Kläranlage in Lauterecken Klärschlamm ab und fahren ihn auf ihre Felder. „Klärschlamm ist der biologische Abfall, der sich im Abwasser befindet“, sagt Fred Wolf. Für ihn ist der Schlamm zwar Unflat, für die Bauern jedoch wertvoller Dünger. Der nährstoffreiche Abfall ersteht durch die Aufbereitung von Abwasser. Anfangs riecht er noch unangenehm und kommt deshalb in einen Faulturm. Darin zersetzen bestimmte Bakterien die organischen Bestandteile, wobei überwiegend Methangas frei wird. Nach dem Faulungsprozess ist der Schlamm im Vergleich zu vorher nahezu geruchsneutral, er riecht leicht erdig. „Das ist nicht bei allen Kläranlagen der Fall“, betont Wolf. Industrieller Klärschlamm beispielsweise rieche meist nach Gülle. Landwirte können sich den Schlick sowohl in flüssiger als auch in gepresster Form abholen und bekommen dafür sogar noch Geld − schließlich würden sie den für die Kläranlage unbrauchbaren Abfall verwerten, sagt Wolf. Während die gepresste Variante dunkelbraun ist und aussieht wie Erdklumpen, ist die flüssige schwarz wie Öl. Eines haben beide Varianten jedoch gemeinsam: Sie riechen nach Erde. Der gepresste Klärschlamm wird in wärmeren Jahreszeiten in zwei gewächshausähnlichen Hallen getrocknet und gelagert. Im Winter sind die Temperaturen dafür jedoch zu niedrig, der gepresste Schlamm könnte dann sogar gefrieren. Laut Wolf führen die beiden Hallen in vielfacher Hinsicht zu mehr Flexibilität: Zum einen sind sie eine Art Depot, Bauern können folglich bei Bedarf Dünger abholen. Zudem kommen die Mitarbeiter der Kläranlage nicht in die Bredouille, falls in einer bestimmten Zeit weniger Schlamm nachgefragt wird als erwartet − denn sie können den nährstoffreichen Dünger darin lagern. Außerdem würden auf Bundesebene schon seit einiger Zeit neue Gesetze diskutiert, die, wie Wolf erklärt, eine entsprechende Flexibilität bei der Lagerung unabdingbar machten. Der getrocknete Schlamm eignet sich nicht nur als Dünger, sondern kann in Verbrennungsanlagen zudem in Energie umgewandelt werden. Je weniger Bauern es in Zukunft im Umkreis der Kläranlage Lauterecken also gäbe, desto bedeutender werde diese Alternative – schließlich müsse der Schlamm in irgendeiner Weise verwertet werden. Überdüngung sei auf den Feldern und Äckern im Umkreis kein Thema, sagt Wolf. Auch die Nitratwerte der Böden seien unbedenklich. Würden jedoch bestimmte Grenzwerte überschritten, könne das zu Wasserverunreinigungen führen. Bauern fahren den Klärschlamm in der Regel bei trockenem Wetter auf ihre Felder, die weder ausgedörrt noch überwässert sein sollen. Das hat folgenden Grund, wie Wolf erklärt: Von zu trockenen Böden würde der Dünger nicht aufgenommen, und könne genauso wie bei Starkregen direkt in Bäche fließen und ins Grundwasser gelangen. In diesem Fall kämen kaum Nährstoffe an der gewünschten Stelle an, der Bauer müsse also noch mal düngen. Das sei schlecht für die Umwelt und ineffizient für den Landwirt. |jrd

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