Kusel „Arbeit das beste Mittel zur Integration“

Die in Quirnbach untergebrachten Flüchtlinge mit Ortsbürgermeisterin Steffi Körbel (Zweite von rechts) und Vermieterin Marina Hö
Die in Quirnbach untergebrachten Flüchtlinge mit Ortsbürgermeisterin Steffi Körbel (Zweite von rechts) und Vermieterin Marina Höh (vorne Mitte).

Manchmal, wenn andere Flüchtlinge zu Besuch kommen, fragen sie hinterher: „Kann ich auch bei Euch wohnen?“ Denn nicht jeder hat so viel Glück wie die 15 jungen Männer aus Eritrea und Pakistan, die in Quirnbach untergekommen sind. Eine Gruppe von Ehrenamtlichen um Ortsbürgermeisterin Steffi Körbel kümmert sich vorbildlich um sie. Jetzt gab es sogar Geld vom Bundesministerium für das Projekt „Landmobil“.

Dass Flüchtlinge nach Quirnbach kommen, hatte die Ortsbürgermeisterin im Herbst 2015 von Marina Höh erfahren, die ein Haus mitten im Ort an die Kreisverwaltung vermietet hatte. Dass das genau neben „Helle Wertschaft“ liegt, die Familie Körbel betreibt und so etwas wie das Herz und die Kommunikationszentrale des Dorfes ist, war ein Glücksfall. Denn Steffi Körbel und eine Handvoll Helfer kümmerten sich von Anfang an um die jungen Männer: Zehn Eritreer wohnen in einer Wohnung, fünf Pakistani in einer zweiten. Alles alleinstehende Männer zwischen 19 und 28. „Die kann man doch nicht alleine lassen“, war Steffi Körbel von Anfang an klar. Und: „Arbeit ist das beste Mittel zur Integration.“ So gelang es ihr und ihren Mitstreitern, etliche Praktika zu organisieren und für sieben der jungen Männer eine Arbeit zu finden. Zwei haben eine Ausbildungsstelle, zwei wollen auf die Meisterschule nach Kaiserslautern gehen, drei bei einer Zeitarbeitsfirma jobben. Doch hier fängt das Problem an: Einer arbeitet beispielsweise in St. Ingbert. „Er fährt um 4.30 Uhr mit dem Bus nach Homburg, dann mit dem Zug nach St. Ingbert und dann noch einmal acht Kilometer mit dem Fahrrad ins Industriegebiet.“ Der Schweißer hat bereits eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer gemacht. Als er wegen großen Arbeitsaufkommens sonntags arbeiten sollte, fuhr der Zug erst ab Landstuhl. Also fuhr Steffi Körbel ihn mit dem Auto. Ein anderer Fall: Ein Mann arbeitet Schicht in Landstuhl. Wenn er um 5 Uhr anfangen muss, fährt er entweder mit dem Rad oder schläft bei einem Kumpel. Es gibt viele Angebote von Firmen, die dringend Mitarbeiter im Schichtdienst suchen. Doch die Flüchtlinge können nicht annehmen, weil sie die Arbeitsstelle nicht erreichen – und die Ehrenamtler können sie nicht immer fahren. „Es geht nur mit Führerschein, wenn man die Flüchtlinge im Dorf lassen will“, ist Körbel überzeugt. Und so stellte sie den Antrag auf Fördergeld aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung für Projekte zur ländlichen Flüchtlingsintegration. Mit den zugesagten 9870 Euro soll aber nicht etwa der Führerschein bezahlt werden. Vielmehr geht es darum, dass sie die theoretische Prüfung schaffen. „Allein kommen sie in der Fahrschule nicht zurecht“, weiß die Ortsbürgermeisterin. Denn sie sprechen Tigrinya oder Urdu, es gibt nur schlechte Übersetzungen, bestimmte Fachbegriffe existieren in ihrer Muttersprache überhaupt nicht. Deswegen wurde mit einer Fahrschule vereinbart, dass sie eine Gruppenmaßnahme durchführt – mit Dolmetscher. Das Gelernte können sie dann in ihrer Unterkunft gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern vertiefen – dazu wurde im großen Wohnzimmer eine Tafel aufgestellt. Die praktischen Fahrstunden müssen die jungen Männer danach selbst finanzieren. „Man braucht eine Tagesstruktur“, weiß Körbel, die beruflich viel mit Arbeitslosen zu tun hat. Sie hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren auf Asylrecht „spezialisiert“, wie sie scherzhaft sagt. Lobt aber gleichzeitig die Arbeitsagentur und die Ausländerbehörde in Kusel. Diese seien sehr kooperativ und unkompliziert. Im Haus in der Quirnbacher Hauptstraße sieht es sehr ordentlich aus – erstaunlich bei einer solchen Wohngemeinschaft. Kein Wunder: Vermieterin Marina Höh und die Ehrenamtler schauen regelmäßig nach den jungen Bewohnern. Diese putzen, kochen, waschen und versorgen sich selbst. Und wenn einer vergisst, zum Einkaufen eine Tüte mitzunehmen, gibt’s Schimpfe. Die Ortsbürgermeisterin betont auch, dass die Flüchtlinge in der Gemeinde mit anpacken – das sei keine Frage: „Wille und Freundlichkeit sind da.“ Im vergangenen Jahr halfen einige beispielsweise, die Zwetschgen für die Latwerge zu entkernen. Weil die Frauen sagten, was zu tun ist, meinte einer: „In Deutschland alle Frauen Chef.“ Worauf ein anderer entgegnet habe: „Ist andere Kultur“. Auch dass zwei im Kulturverein mitsingen, freut Körbel, die dort Dirigentin ist. Marina Höh ist zufrieden mit ihren Jungs. „Ich wollte eigentlich vermieten, jetzt habe ich 15 Kinder dazu bekommen“, scherzt sie.

x