Kusel Alles andere als ein fairer Kampf

„Das war technischer K. o. Zweimal“: Es klang fast so, als wolle der Angeklagte das Resultat eines fairen Kampfes im Ring analysieren. „Genau am Kinn getroffen“, war der Gegner glatt zu Boden gegangen. Dass der 55-Jährige die Nacht nicht überleben sollte, das aber lag nach Experten-Ansicht nicht etwa an den Hieben. Deshalb wird dem 39 Jahre alten Angeklagten auch „nur“ gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Vorm Kaiserslauterer Landgericht begann ein Strafprozess, der sich um ein Zechgelage mit tödlichen Folgen in Lauterecken dreht.
Die Große Strafkammer am Landgericht versucht zu erhellen, was sich in der Nacht auf den 1. Juli in der Veldenzstadt abgespielt hat. Ein Trio hatte sich, so stellt es der Angeklagte dar, in der Wohnung des allein lebenden 55-Jährigen zum Schach-Abend versammelt. Zur Vorbereitung hatten sich der Angeklagte und sein Kumpel in einem nahen Einkaufsmarkt mit zwei Flaschen Wodka und einem Sixpack Bier eingedeckt. Der Gastgeber habe zudem eigenes Getränk bereit gehalten, um die Versorgung sicherzustellen. Was dann jedoch passierte, ist in nicht unerheblichen Teilen unbekannt. Licht ins Dunkel zu bringen, gestaltet sich äußerst schwierig, nicht zuletzt, weil die drei Hauptbeteiligten ziemlich betrunken waren. Alkohol in rauen Mengen ist – zu diesem Schluss kommt die Staatsanwaltschaft, die sich auf ein Sachverständigen-Gutachten stützt – auch die Ursache für den Tod des 55 Jahre alten Opfers. Dem Vernehmen nach soll der Mann einen Pegel von 3,99 Promille gehabt haben. Über die Todesursache wird sich während des auf sechs Verhandlungstage angesetzten Hauptverfahrens allerdings eine medizinische Sachverständige noch eingehend äußern. Dem Angeklagten wird mithin lediglich gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Dass er geschlagen hat , daraus machte der 39-Jährige keinerlei Hehl. Mit gezielten Hieben gefällt hat der Angeklagte nach eigenem Bekunden den später Verstorbenen sowie seinen Kumpel. Im Laufe des Schach-Abends habe es nämlich Zoff gegeben. Der 55-Jährige habe ihn mehrfach schwer beleidigt, was er sich nicht mehr habe bieten lassen wollen. Den Kumpel habe er hingegen umgehauen, weil der ihn darum gebeten habe, behauptet der 39-Jährige. Allerdings beharrt der Hobbyboxer darauf, nur saubere Schläge platziert zu haben. Den Begriff technischer K.o. sprach er mehrfach aus. Eine ganz andere Sprache allerdings sprechen Fotos, die die Polizei von dem anderen Prügelopfer gemacht hat sowie solche von der Leichenschau. Der Schwerverletzte habe „betrunken und mit demoliertem Gesicht“ auf der Couch gelegen, der mit dem Tode ringende 55-Jährige sei ebenfalls im ganzen Gesicht schwer gezeichnet gewesen, schilderte einer der zahlreichen Polizeibeamte, die als Zeugen gehört wurden. Besagter Kumpel des Angeklagten hat übrigens die Verhandlung geschwänzt. Er war als erster Zeuge vorgesehen, glänzte allerdings durch Abwesenheit und wird an einem der Fortsetzungstage im Januar polizeilich vorgeführt werden. Das Zechgelage hat wohl von etwa 18 Uhr bis gegen Mitternacht gedauert. Dann muss der Angeklagte aus dem Haus verschwunden sein. Gegen 0.30 Uhr klingelte es Sturm. Hausbewohner, die zuvor in der Wohnung des 55-Jährigen Gepolter und Geschrei gehört hatten, wurden aus dem Bett gerissen. Zwei Pärchen gingen an die Haustür, um sie zuzudrücken, weil draußen ein Unbekannter Einlass begehrte und heftig gegen die Haustür schlug. Der Fremde – mutmaßlich der Angeklagte - schlug das Türglas mit bloßer Faust ein, verschwand dann aber. Die Nachbarn sahen, dass die Wohnungstür offenstand, schauten nach dem Rechten – und fanden zwei Schwerverletzte vor. Nicht lange danach war der mutmaßliche Täter gefasst – und der Wohnungsinhaber tot. Der Prozess wird am Mittwoch, 21. Dezember, 9 Uhr, fortgesetzt.|cha