Hütschenhausen
Zwischen Kirchturm und Pfarrhaus hat sich viel getan
Wäscheleine und Nutzgärten sind verschwunden. Die beiden kleineren Gebäude links und in der Bildmitte gibt es ebenfalls nicht mehr. Ohne den Turm der Protestantischen Kirche und das Protestantische Pfarrhaus wäre diese Ansicht im Spesbacher Hinterweg heute nur schwer wiederzufinden. Das alte Foto stammt von einer Dreibildkarte aus dem Jahr 1918. Was hier nicht zu sehen ist: Die obere Hälfte der Postkarte zeigt eine Gesamtansicht des Ortes, darunter auf der rechten Seite sind „Bäckerei, Kolonialwaren und Drogerie von Albert Glaser“ abgebildet. Wie früher üblich, war Glaser vermutlich auch der Auftraggeber zum Druck dieser Postkarte, die mit der Überschrift „Gruss aus Spesbach“ versehen ist.
Auseinandersetzungen zwischen katholischer und reformierter Pfarrei
Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurden im Juni 1969 die einstmals selbstständigen Ortsgemeinden Hütschenhausen, Spesbach und Katzenbach zu einer neuen Gemeinde unter dem Namen Hütschenhausen zusammengeschlossen. Urkundlich erstmals erwähnt wurde Spesbach im Jahr 1215, Katzenbach 1257 und Hütschenhausen 1337. Schon in der ersten Erwähnung Spesbachs wird von einer Kirche geschrieben. „Wir wissen nicht, wann die alte Spesbacher Kirche erbaut wurde“, schreibt Roland Paul in einer Abhandlung über die Spesbacher Kirchengeschichte. „Aus dem 13. Jahrhundert stammt jedenfalls der heute noch erhaltene frühgotische vierstöckige Turm“, erklärt der Historiker. 1220 sei ausdrücklich von der „Capelle“ zu Spesbach die Rede gewesen.
Von der Reformation bis zum 30-jährigen Krieg war Spesbach Sitz einer reformierten Pfarrei für die Orte Hütschenhausen, Katzenbach, Ramstein, Spesbach und Weltersbach. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen und Wechseln zwischen katholischer und reformierter Pfarrei, wobei es 1698 sogar zu Tätlichkeiten gekommen sein soll, wurde Spesbach 1718 durch Kirchentausch mit Ramstein wieder eine reformierte Gemeinde, ist bei Paul nachzulesen.
Gotteshaus ist heute Kulturdenkmal
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts befand sich die Spesbacher Kirche in einem baulich sehr schlechten Zustand, im März 1746 drohte sie sogar einzustürzen. Für den erforderlichen Neubau wurde noch im gleichen Jahr der Grundstein gelegt und innerhalb eines Jahres die alte Kirche abgerissen und das neue Gotteshaus erbaut. Dieser barocke Saalbau mit seinen rund 300 Sitzplätzen ist mit seinem rund 500 Jahre älteren frühgotischen Glockenturm heute als Kulturdenkmal ausgewiesen und geschützt.
Auf dem neuen Bild ist zwischen dem alten Glockenturm und dem Protestantischen Pfarrhaus (rechts) das Gemeindehaus zu sehen. Es ist eine Begegnungsstätte der Angehörigen der Kirchengemeinde und ihrer Gruppen und soll der religiösen und geistigen Bildung und der christlichen Gemeinschaft dienen.