Ramstein-Miesenbach
Zwei Umbauvarianten für die Leichenhalle
Die Leichenhalle in Ramstein ist sanierungsbedürftig. Das Gebäude sei mit Schadstoffen belastet, es regne an vielen Stellen durchs Dach, teilweise klafften zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk fingerdicke Spalten. So berichtete es Architekt Florian Feth im Stadtrat von Ramstein-Miesenbach. Sein Büro war vom Rat beauftragt worden, in einer Machbarkeitsstudie herauszufinden, wie das Gebäude am Friedhofseingang am sinnvollsten umgebaut und saniert werden könnte.
Zwei Varianten stellte Feth vor: eine etwas umfangreichere Umgestaltung des vorhandenen Ensembles mit neuem Zugang und geänderter Wegeführung und eine „bestandsnahe“.
Wegeführung verbessern
Momentan werden die beiden Gebäudeteile – die Aussegnungshalle auf der einen und die Funktions- und Trauerräume auf der anderen Seite – durch einen Innenhof getrennt. Variante eins sieht vor, diesen Innenhof zu überdachen und den Eingang von der Westseite nach Süden hin zu verlegen. Die Aussegnungshalle wäre dann aus Richtung des ehemaligen Innenhofes durch große Flügeltüren zu betreten. Bei großen Trauerfeiern, bei denen nicht alle Gäste Platz in der Aussegnungshalle finden, könnte dieser Raum mitgenutzt werden.
Nach der Trauermesse würde der Sarg oder die Urne dann durch einen Ausgang zum Friedhof hin, also dem neuen Eingangsportal genau gegenüber, hinausgetragen werden. Das hätte den Vorteil, dass sich die Wege der Trauergesellschaften nicht mehr mit denen der anderen Friedhofsbesucher kreuzen würden. Denn diese könnten weiterhin die Ruhestätte durch das Portal zwischen Glockenturm und Aussegnungshalle betreten.
Toilette auch von außen nutzbar
Rechts des neuen Eingangs könnten sich die Angehörigen des Verstorbenen vor der Feier in einem eigenen Raum mit kleinem vorgelagerten und durch eine Sichtschutzhecke abgetrennten Garten zurückziehen. Der Weg dorthin führt dem Plan nach an einer großen geruchsdichten Glasfassade vorbei, hinter der in drei gekühlten Kabinen die angedienten Särge noch einmal aufgestellt werden können. Betretbar wären diese Kabinen allerdings von dieser Seite her nicht mehr, wie der Architekt auf Nachfrage von Bodo Mahl (SPD) bestätigte. Das sei in der heutigen Zeit nicht mehr vorgesehen. Nur die Bediensteten hätten von der anderen Seite her Zugang.
Sowohl von innen als auch von außen wäre allerdings die barrierefreie Toilettenanlage bei diesem Entwurf zugänglich. Friedhofsbesucher könnten sie also auch dann nutzen, wenn die Leichenhalle ansonsten geschlossen sei.
Preislich kaum Unterschiede
Bei der zweiten Variante, die Feth präsentierte, würde der Eingang dort belassen, wo er ist und der Innenhof nur geringfügig verändert, um eine bessere Entwässerung zu gewährleisten. Die Wege, die Pfarrer, Sarg und Trauergäste nehmen müssten, wären identisch mit den jetzigen und das WC wäre in diesem Fall nur von außen zugänglich.
Preislich unterschieden sich die beiden Varianten kaum, sagte Feth. Eine tiefergehende Kostenschätzung habe für den bestandsnahen Umbau einen Preis von 1,725 Millionen Euro ergeben gegenüber 1,77 Millionen Euro für den Entwurf mit überdachtem Innenhof. Das liege auch daran, dass einige Sanierungsmaßnahmen auf jeden Fall erledigt werden müssten. Zum Beispiel „werden wir das Gebäude in eine neue Hülle packen und den Keller abdichten und dämmen“, sagte Feth. Auch bei der Größe der Toiletten gälten heute andere Anforderungen als früher. Ein vergleichbarer Neubau koste seiner Kalkulation nach knappe 2,4 Millionen Euro zuzüglich der Abrisskosten.
„Als Laie kommen mir die 1,7 Millionen extrem viel vor“, wandte Markus Wengerter, der Fraktionsvorsitzende der FWG, ein. Mahl und CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Layes gaben zudem zu bedenken, dass für die Zeit eines Umbaus auch noch ein Provisorium zur Verfügung gestellt werden müsste, was wiederum Geld koste. Stadtbürgermeister Ralf Hechler (CDU) hingegen hat mit solchen Preisen gerechnet. „Schon vor zehn Jahren lag die Schätzung für einen Neubau bei 1,7 Millionen und seither haben sich die Preise enorm entwickelt“, berichtete er. Allerdings könne sicherlich noch der ein oder andere Zuschuss beantragt werden.
Bausubstanz scheint in Ordnung
Inwieweit bei der Studie die Bausubstanz des Gebäudes untersucht wurde, wollte Thomas Layes noch wissen. Einen Tragwerksplaner hätten sie zwar noch nicht hinzugezogen, aber die konstruktiven Bauteile machten einen guten Eindruck, antwortete Feth darauf. Lediglich die Chorempore, auf der auch die Orgel steht, sei nicht mehr zu retten und sollte aufgrund akuter Absturzgefahr nicht mehr betreten werden.
Weil aus dem Rat der Wunsch geäußert wurde, die Entwürfe zu visualisieren, also in einer dreidimensionalen Form erfahrbar zu machen, vertagte der Rat am Ende die Entscheidung darüber, welche Variante einer weiteren Planung zugrunde gelegt wird. Darüber soll nach der Visualisierung in einer späteren Sitzung entscheiden werden.