Kreis Kaiserslautern Zur Sache: Nutzung der westpfälzischen Moorniederung
Früher mieden die Menschen diese Bruch- und Moorlandschaft. Zum einen wegen der Unzugänglichkeit, zum anderen schien sie das schlechtere Klima vor einer wirtschaftlichen Nutzung zurückzuschrecken. Vereinzelt waren zur Fischzucht Weiher angelegt – wie der Scheidenberger Woog, der Ruppacher Weiher und der Schachenweiher – oder es wurde Wasser zum Antrieb von Mühlen aufgestaut. „Noch Anfang der 1770er Jahre waren die Torfgebrüche beinahe unzugänglich“, schrieb Ludwig Dahl 1908 in seiner Chronik über Landstuhl, „nur durch fünf Spicken- oder Knüppeldämme wurde der Verkehr der Sickinger Lande mit dem Überbruch unterhalten“.
Die Kultivierung dieses Gebietes – zunächst zur Nutzung als Weideland – begann im 18. Jahrhundert. Der erste Anstoß kam von Bewohnern der Ortsgemeinde Ramstein. Erste Maßnahmen waren die Entwässerung des Moorgeländes. Kurfürst Karl Theodor billigte 1748 den Vorschlag seines Hofkammerrats, der das Gelände bei gefrorenem Boden in Augenschein genommen hatte, „einen Haupt- und mehrere Zwerchgräben herzustellen, den Hauptgraben zum Flößen zu aptieren“. Nach und nach wurden in der Folgezeit die Entwässerungsmaßnahmen erweitert und dabei die großen Fischweiher abgelassen. Ende des 18. Jahrhunderts wird aus Ramstein vom Anbau der ersten Feldfrüchte berichtet, wobei Sommerraps und Klee besonders gut gediehen waren.
„In der französischen Zeit erlitten die Kultivierungsmaßnahmen einen Rückschlag“, berichtet Michael Geiger in dem Buch „Westrich und Pfälzer Bergland“. „Erst in der bayerischen Zeit wurde das inzwischen verfallene Entwässerungssystem wieder hergerichtet. Nach Brandrodung nutzte man neu gewonnenes Kulturland zunächst zum Anbau von Feldfrüchten, um dann zur Wiesennutzung überzugehen.“ Die forstliche Bewirtschaftung übernahm ab 1885 das neugegründete Forstamt Landstuhl-Nord nach Plänen des Forstmeisters Friedrich Koehl, der zunächst ein noch engmaschigeres Netz an Bewässerungsgräben anlegen und den Torf, der zuerst willkürlich und sporadisch gewonnen wurde, planmäßig abbauen ließ. „Die Torfstecherei bringt jährlich über 30.000 Mark Arbeitslöhne in die umliegenden Dörfer“, berichtet Dahl in seiner Chronik. Torf war damals als Heizmaterial sehr begehrt, da er ähnlich wie die späteren Briketts als Schwelbrand das Feuer anhielt und nachhaltig Wärme gab. Phasenweise fanden die zahlreichen Torfstecher in der gesamten Westpfalz Abnehmer.
Für Moorbad und Wasserheilanstalt Sickingen erlangte „die vom nahen Landstuhler Bruch gelieferte Moorerde“ als Heilmittel besondere Bedeutung. „In den Moorlagern bei Landstuhl“, so ist in einem Werbeprospekt der Einrichtung zu lesen, „besitzt das Bad Sickingen ein eigenes Werk, wo das Fangomoor als Spezialheilmittel unseres Bades nach einem eigenen Verfahren gewonnen wird“.
