Kreis Kaiserslautern Zocken im Congress Centrum
Korruption, Erpressung und der Griff in die Staatskasse sind reine Fiktion – zumindest auf dem Tisch. Das Gesellschaftsspiel „Tiefe Taschen“ ist eines von rund 50 Spielen, die von Besuchern ausprobiert werden konnten. Das Team der Stadtbücherei Ramstein-Miesenbach hatte sich erstmals an den Tagen des Gesellschaftsspiels beteiligt und damit am Samstag und Sonntag zu dem Projekt „Stadt-Land-Spielt“ eingeladen.
Im Untergeschoss des Congress Centrums Ramstein sind auf einer langen Tischreihe die Spiele ausgebreitet, die Besucher kostenlos ausprobieren können. Bekannte und weniger bekannte, neue und Klassiker und auch prämierte Spiele sind darunter. Mal geht es um Strategie, dann soll das Gegenüber hinters Licht geführt werden. Mal hat derjenige verloren, der Karten nimmt, mal hat er gewonnen. Doch bei all diesen Unterschieden haben alle eines gemein: Sie wollen Menschen gemeinsam an einen Tisch bringen und Spaß bereiten. Nur drei der Spieltische, die das Büchereiteam für die Besucher vorbereitet hat, sind belegt. An einem sitzt ein Quartett, das gerade noch Isle of Skye, ein Strategiespiel, gespielt hat. Hier werden Berge oder Seen als kleine Kärtchen aneinander gelegt. „Man kommt mit netten Leuten zusammen“, nennt Michael Walz den Grund für sein Kommen. Als „Vielspieler“ war er gleich zu Beginn da und hat schon fünf Spiele ausprobiert. Der Rodenbacher gehört genau wie Werner Schmitt und Evelin Paul, beide aus Kaiserslautern, einem Spieletreff an, der regelmäßig einmal in der Woche zusammenkommt. „Man lernt immer Neues. Das ist im Grunde Gehirntraining“, meint Schmitt lachend. Langeweile kommt nicht auf, Abwechslung ist garantiert. „Man kriegt immer neue Anreize“, ergänzt Verena Hutsch, die aus der Region Koblenz kommt und zum dritten Mal an „Stadt-Land-Spielt“ teilnimmt. Bei über 140 Veranstaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz soll das Spiel als Kulturgut in den Blickpunkt gerückt werden. Was bei dem Treff oder an diesen Tagen gespielt wird, hängt auch von der Anzahl der Mitspieler ab. „Mal sind es Spaß- oder Partyspiele oder mal schnelle. Es gibt ja auch Spiele, die mit vielen Spielern zu lange dauern. Das macht dann keinen Spaß“, ergänzt Paul. An einem anderen Tisch packt Familie Däuwel gerade „Die Siedler von Catan“ ein. Begonnen wurde zunächst mit einem Kartenspiel, dann haben Dagmar und Michael Däuwel und ihr 13-jähriger Sohn Simon eineinhalb Stunden damit verbracht, Städte und Straßen zu bauen und Ritter zu entsenden. Gewonnen hat der Junior. „Er hat uns hierher gebracht“, erzählt die Mutter. Der Tag hat ihr einen Anreiz gegeben, sich das Spiel in der Stadtbücherei einmal auszuleihen oder vielleicht auch zu kaufen. Am dritten Tisch sitzen die Leiterin der Stadtbücherei, Karin Leiner, Spieleerklärer Stefan Kehrer und Astrid Motz vom Büchereiteam. Dort entstehen beim „Kingdomino“ Königreiche. Es ist eines der Turniere, an denen sich die Besucher beteiligen konnten, ein anderes wurde für den Samstag gestrichen. Etwa 20 Gäste seien über den Tag verteilt da gewesen, erzählen sie etwas enttäuscht. Kehrer hatte schon im vergangenen Jahr zu einem Spieletreff ins Mehrgenerationenhaus eingeladen. Er und Leiner würden gerne ein regelmäßiges Angebot auf den Weg bringen.