Weilerbach / Wolfstein
Zemo: Einst Metzgerei, heute ein Betrieb mit 60 Mitarbeitern
Hinter ihr stehen Vater Hans und Onkel Ludwig Moser, die die Firma 1984 gegründet haben. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat der Betrieb sich immer wieder an veränderte Märkte angepasst. Wann die Unternehmensgeschichte konkret beginnt, weiß niemand genau. Die Familie ist in Besitz eines Fotos, das belegt, dass die Metzgerei in Wolfstein bereits 1739 existiert hat. Diese ist seit 15 Jahren geschlossen, aber aus der Landwirtschaft hat sich der Auweiderhof entwickelt, ein Grünlandbetrieb mit circa 150 Schafen, einem Dutzend Rindern und Hühnern, der auch Lernort Bauernhof ist und von Hans Moser bewirtschaftet wird.
Vom ganzen Schlachtvieh hin zu Teilstücken
Blickt der 68-Jährige zurück, erinnert er sich an wöchentliche Lebendviehmärkte, die in den 1970er Jahren nach und nach von Selbstbedienungsmärkten verdrängt wurden. Damit verlagerte sich auch der Bedarf von ganzem Schlachtvieh hin zu Teilstücken. Die Mosers brachten die Tiere zum damals noch existenten Schlachthof in Kaiserslautern, wo sie getötet und zerlegt wurden. Damit reifte Anfang der 1980er auch die Idee, sich auf das Zerlegen von Rindern zu spezialisieren – die Suche nach geeigneten Betriebsflächen begann.
„Wir wollten uns eigentlich in Kaiserslautern auf dem heutigen Gartenschaugelände niederlassen“, erzählt Hans Moser. Dass sich dieses Vorhaben zerschlagen hat, bedauert er nicht. Denn zufälligerweise befuhr er auf seinem Nachhauseweg die damals neue Umgehungsstraße von Weilerbach und wurde auf das Industriegebiet am Kreisel aufmerksam, das gerade erschlossen wurde.
Interessant war es vor allem wegen der guten Erreichbarkeit und der geringen Entfernungen nach Kaiserslautern und Wolfstein. Kurzentschlossen sprach er noch am gleichen Tag auf der Verbandsgemeindeverwaltung vor, erhielt wenig später den Zuschlag für den Kauf eines 450 Quadratmeter großen Grundstücks und konnte sich zusammen mit seinem Bruder nach nur acht Tagen Eigentümer nennen.
Geschäftsbeziehungen in ganz Deutschland und Europa
1983 wurde mit dem Bau begonnen, der nach einem Jahr abgeschlossen war. Mit drei Mann gestartet, wuchs die Anzahl der Mitarbeiter mit der Erschließung weiterer Märkte. Waren es zunächst Tiere von hiesigen Bauern, die über den Schlachthof aufgekauft und dann zerlegt an 30 Metzger aus der Umgebung geliefert wurden, stellte sich erneut ein Wandel ein. Immer mehr kleine landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe und Metzgereien gaben auf.
Damit veränderte sich auch der Absatzmarkt. Gastronomien, Großküchen, Wurstproduzenten und weiterverarbeitende Betriebe kamen hinzu. Das Unternehmen knüpfte Geschäftsbeziehungen in ganz Deutschland und Europa und besonders enge nach Skandinavien, wo heute ein Viertel des Umsatzes erzielt wird. Selbst nach China werden Produkte aus Weilerbach exportiert. Kunden waren und sind international agierende Unternehmen wie ein schwedisches Möbelhaus, eine Burger-Kette, aber auch Schiffausstatter und Flugzeugcaterer.
Lammfleisch vom Auweiderhof
Ab dem Jahr 2000 wurden Endverbraucher als Kunden entdeckt, der Direktverkauf musste wegen zusätzlichen Platzbedarfs weichen. Denn im Laufe der Jahre wurden weitere Produktionsflächen, aber auch Büro, Fitness- und Sozialräume benötigt. Waren es in den Anfängen 450 Quadratmeter bebaute Flächen, sind daraus heute 2500 geworden – mit teils mehreren Etagen. In dem im März eröffneten Ladengeschäft werden Rind- und Schweinefleisch, Lammfleisch vom Auweiderhof, Spezialschnitte sowie Wurstwaren vakuumiert angeboten. Die vier Verkaufsautomaten, an denen rund um die Uhr und auch bargeldlos eingekauft werden kann, sind zusätzlich mit Getränken und anderen Lebensmitteln gefüllt.
Im Januar 2019 hat Eva Moser die Geschäftsführung übernommen. Mit Vater und Onkel teilt sich die 42-Jährige die anfallenden Aufgaben. Während sie für den Export und den Verkauf an Endverbraucher zuständig ist, kümmert sich ihr Vater, ein Tierwirtschaftsmeister, um den Verkauf im Inland. Er ist derjenige, der zu den Produzenten reist und fast ausschließlich Färsen – also geschlechtsreife, weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben – aufkauft. Ihr Onkel Ludwig wacht über die Logistik und die Rückverfolgbarkeit mit Dokumentation der Tierherkunft.
Ausschließlich fest angestelltes Personal
Die zweifache Mutter hat ein Studium der Vieh- und Fleischwirtschaft und etliche weitere Fortbildungen absolviert. Sie engagiert sich im europäischen Fleischverband und der Ausbildung. „Ich wollte nie etwas anderes machen“, stand für sie schon in jungen Jahren fest, dass sie den Betrieb mit heute 60 Mitarbeitern einmal übernehmen und in die Zukunft führen wollte. Dabei bezieht sie ihr ausschließlich fest angestelltes Personal mit ein. Es arbeitet zum Teil schon seit mehr als 35 Jahren in dem Betrieb und setzt sich auch aus Mitarbeitern anderer Nationen zusammen. Damit diese hier dauerhaft Fuß fassen können, stellt sie Wohnungen, ermöglicht Sprachkurse und Führerschein oder begleitet bei Behördengängen.
Durch die Pandemie hat auch Zemo Umsatzeinbußen wegstecken müssen. Die Geschäftsführerin will weitere Geschäftspartner finden. „Auf Augenhöhe und mit den gleichen Wertvorstellungen eines inhabergeführten Unternehmens“, hält sie fest. Der enge Bezug zur Landwirtschaft der Mosers, das familiäre Miteinander und die mehrfach zertifizierte Qualität der Arbeit und der Produkte legt sie als Maßstab an.
Dabei begleitet sie ein Wunsch: „Die Wertschätzung der Bevölkerung für unsere Arbeit und das Produkt Fleisch.“ Denn ihr ist bewusst, dass das Image der Branche nicht das beste ist. „Über den Lernort Bauernhof wollen wir einen Bezug zum Produkt herstellen, denn hinter unserer Arbeit steht ein Lebewesen. Das wollen wir vermitteln.“