Kreis Kaiserslautern Wundermittel und Hundebeutelchen

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Verkäufer haben es faustdick hinter den Ohren – so die Botschaft des Programms „Der kleine Maschmeier – Ich will dein Geld“ von Hans Georgi. Wer sich in ihre Tricks einweihen lassen wollte, lag am Mittwochabend in der Stadtbücherei Landstuhl richtig. Dort gab der Kabarettist auf Einladung des Unnerhaus Kulturclubs einen unterhaltsamen Schnellkurs in Sachen Kaufen und Verkaufen.

In seiner Rolle als „Günther, der Einklatscher“ heizt Hans Georgi dem Publikum nicht nur ein, er lässt es auch hinter die Kulissen des Claqueur-Geschäfts blicken – ob in einschlägigen RTL-Sendungen oder auf Kaffeefahrten. Von der Schiebermütze, die ihn in dieser Funktion begleitet, ist es nicht mehr weit zum Drückerkönig. Als kleiner Maschmeier nimmt er mit spitzer Zunge den Werdegang des großen unter die Lupe. Vom armen Kind hinauf in die Milliarden-Liga und die Gesellschaftskreise von „Gerhard dem Gefärbten, verehelicht mit einem Gebiss namens Doris“. Ein Aufstieg dank fragwürdiger Deals. „Wollen wir auch so sein?“, fragt Georgi und liefert die Antwort gleich mit. In Gestalt des Verkäufers „Heinrich Top“ stellt er für sich fest: Du bist der Größte, du glaubst an dich! Mit den Klängen eines „volksübergreifenden Hossa, Hossa“ bringt er das Publikum auf seine Seite, um dann zu beginnen, satirisches Gift in alle Richtungen zu versprühen. Immer im Fokus: Die Strategien ausgefuchster Verkäufer, die etwa per Teleshopping-Kanal Fettweghöschen für die ganze Familie und Wundermittel gegen bislang nicht existente Krankheiten an den Kunden bringen. Einem echten Top-Dealer gelinge es sogar, Nordic Walking ohne Stöcke als sportlichen „Dernier Cri“ auszurufen und Hundebeutelchen auch Zweibeinern schmackhaft zu machen – als Alternative zum teuren Toilettenbesuch auf Raststätten. Die Palette der besungenen Phänomene ist bunt. Von der Regenbogenpresse, dem Nacktscanner und der Bambiverleihung bis hin zu Kirche und Politik bekommen alle ihr Fett ab. Ob es die amourösen Abstecher französischer Staatslenker sind, jährliche Jahrhundertreformen im Gesundheitswesen, die von Pazifisten unterwanderte Bundeswehr oder Volksvertreter, die unter Absonderung von Sprechblasen das Volk ausverkaufen. Auch die Banken bleiben kabarettistisch nicht unverschont. In diesem Zusammenhang empfiehlt Georgi dringend, vor Kontoeröffnung eine Schufa-Auskunft über die Bonität des Geldinstituts einzuholen, wolle man böser Überraschungen vorbeugen. Eingebettet ins satirische Seminar sind musikalische Einlagen, die noch die hintersten Winkel der Verkäufer-Trickkisten ausleuchten. Auch wenn nicht jedes Bonmot brandneu ist, der hintergründige Humor Georgis zieht sich als roter Faden durchs Programm und offenbart sich nicht zuletzt auch in dem spitzfindigen Leitsatz „Wie Du kommst gegangen, so macht man Dir die Tür nicht auf“. Wovon er spricht, weiß der gebürtige Nordrhein-Westfale nur zu genau. Schließlich hat er früher im Vertrieb einer Computerfirma gearbeitet und dabei Erfahrungen gesammelt, die er nun als Spiegelbild der Gesellschaft auf die Bühne bringt. Sein Programm sorgte in der Pause für reichlich Gesprächsstoff, brachte das Publikum zum Nachdenken, aber auch viel zum Lachen. Und ist damit ein Beitrag ganz im Sinne der von Georgi zitierten Gesundheitsreform, die aus Kostengründung verstärkt auf Selbstheilungskräfte setzt. Denn Lachen ist ja bekanntlich gesund. (juf)

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