Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne: Wenn es an allen Ecken und Enden fehlt

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Wo man auch hinschaut: In nahezu allen Branchen werden dringend Mitarbeiter gesucht – von der versierten Fachkraft bis hin zur Aushilfe. Zeitungen und Internet sind voller Stellenanzeigen, an vielen Türen von Supermärkten, Geschäften, Lokalen, Tankstellen, ja sogar an Handwerkerautos hängen Zettel, die darauf hinweisen, dass Stellen im Betrieb unbesetzt sind.

Vielleicht irre ich mich, aber vor Corona war das alles gefühlt längst noch nicht so schlimm wie heute. Klar, auch damals gab es schon Branchen, die sich wegen der Arbeitszeiten und/oder der schlechten Bezahlung nur mäßiger Beliebtheit erfreuten. Doch nun – so mein Eindruck – hat sich nicht nur der Fachkräfte-, sondern schlicht auch der Personalmangel auf alle Branchen ausgeweitet und auch für einfache Tätigkeiten wie den typischen Studentenjob findet sich nur noch schwer Personal.

Ich habe mich daher schon oft gefragt: Wo sind nur all die Leute abgeblieben? Liegt das wirklich alles nur am demografischen Wandel? Oder hat sich vielleicht auch das Verhältnis zur Arbeit bei manchen so weit gewandelt, dass sie sich nur noch die Rosinen rauspicken wollen?

Für kleines Geld

Nicht nur die Wirtschaft hat ein massives Personalproblem, auch die öffentliche Hand: In den Behörden und Rathäusern sind viele Stellen unbesetzt. Personal für die Schwimmbäder zu finden, bereitet den Trägern ebenfalls große Schwierigkeiten. Daher war es eine gute Nachricht, dass es diesen Sommer fast allen Bädern im Landkreis gelungen ist, ihre Anlagen ohne größere Einschränkungen offen zu halten.

Denn kommunale Schwimmbäder sind wichtig, fürs Schwimmenlernen der Kinder, für den Schul- und Vereinssport und nicht zuletzt als vergleichsweise günstiges Freizeitangebot für all jene Familien, die sich vielleicht keine Urlaubsreise leisten können: Mit einer Saisonkarte und mitgebrachtem Essen in der Kühltasche kostet ein Tag im Schwimmbad nur kleines Geld und bietet trotzdem Spaß und Abwechslung.

Der Landkreis Kaiserslautern kann sich glücklich schätzen, dass es hier noch so viele attraktive Bademöglichkeiten gibt: Sage und schreibe neun Freibäder locken im Lauterer Umland, Bärenloch- und Sägmühlweiher nicht mitgezählt. Kleine, aber feine Anlagen, die zudem mit Flutlichtschwimmen, Poolpartys, Spielfesten und sogar Hundeschwimmen zum Saisonabschluss attraktive Veranstaltungen bieten.

Hinter den städtischen Bädern müssen sie sich nicht verstecken, ganz im Gegenteil. Kein Wunder, dass es auch viele Lauterer aus der Stadt zum Schwimmen in den Landkreis zieht.

Ein bisschen Hoffnung

Ein Besuchermagnet ist auch das Freizeitbad Azur in Ramstein, das einzige noch verbliebene kommunale Hallenbad in unserer Region. Hier belastet ein Badetag den Geldbeutel deutlich weniger als bei einem Besuch in den privatwirtschaftlich geführten, auf Gewinn getrimmten Wellnessbädern. Umso wichtiger ist es, dass dieses bezahlbare Angebot in Ramstein erhalten bleibt!

Doch das Azur, das jährlich rund 200.000 Besucher zählt, ist in die Jahre gekommen und dringend, dringend sanierungsbedürftig. In diesem Sommer musste daher leider schon das lecke Außenbecken, das täglich 80.000 Liter Wasser verloren hätte, unbefüllt bleiben. Obwohl man von den ursprünglichen Plänen für eine Generalsanierung wegen explodierender Kosten bereits abgerückt ist und eine deutlich abgespecktere Version auf dem Tisch liegt, braucht die Verbandsgemeinde auch dafür eine kräftige Finanzspritze von Bund und/oder Land.

Diesem Ziel ist Bürgermeister Ralf Hechler am Mittwoch vielleicht ein kleines Stück näher gerückt: Der Mainzer Innenminister Ralf Ebling war vor Ort und verschaffte sich einen persönlichen Eindruck vom Azur und dessen großer Bedeutung für die Region. Wer Hechler kennt, weiß, dass der ebenso rührige wie leidenschaftlich argumentierende Bürgermeister bestimmt alles getan hat, um Ebling für das Projekt zu gewinnen. Ob es ihm gelingen wird, die Fördermittelquellen fürs Azur zum Sprudeln zu bringen, bleibt zwar abzuwarten. Doch Hechler zeigt sich nach dem hohen Besuch optimistisch und bringt dies in seiner typisch schlappmaulig-pfälzischen Manier locker-lässig so auf den Punkt: „Lieber de Unkel mit ’em Scheck als die Tande am Klavier. Wenn mer ä Liedche gespielt krieeht, is des zwar ganz schää, awwer Geld is schänner ...“

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