Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne: Von dem einen zu viel, von dem anderen zu wenig

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Die Wut geht um! Gerade erleben wir – trotz Eiseskälte – einen wahrlich heißen Januar: Das junge Jahr ist noch keine drei Wochen alt und trotzdem ist schon mehr passiert als manchmal in drei Monaten.

Der Wirbel begann mit den Treckerblockaden der Landwirte, die in der Region ebenso wie in Mainz und Berlin mächtig für Rabatz sorgten. Die wütenden Bauern hatten ihre Protestwoche noch nicht abgeschlossen, da stiegen auch schon die Eisenbahner ein – wobei man bei der Bahn ja nie so recht weiß, ob gestreikt wird oder der Zug einfach so mal wieder nicht kommt ... Weil die hiesigen Züge kaputt sind oder woanders rumfahren, wo noch mehr Züge kaputt sind, weil das Personal kollektiv flachliegt oder der alles entscheidende Mensch im Stellwerk gerade Urlaub hat ...

Öfter angeschmiert

Wer stattdessen Bus fahren will, ist in letzter Zeit ebenfalls öfter angeschmiert. Denn wie bei der Bahn gibt es auch im privaten Busgewerbe einen Tarifstreit, der sich bereits seit Monaten hinzieht. Um ihre Forderungen zu untermauern, ließ die Gewerkschaft Verdi die Muskeln spielen und die Fahrzeuge der DB Regio Bus Mitte blieben im Landkreis diese Woche gleich an drei Tagen stehen – ausgerechnet zeitgleich mit dem heftigen Wintereinbruch, der zusätzlich auch den Pkw-Verkehr stark behinderte. Na ja, manch höher gelegene Route wäre bei Eis und Schnee von den Bussen wahrscheinlich eh nicht bedient worden. Insofern war es hier ähnlich wie beim Streik der Bahn: Der Bus kam nicht, warum auch immer.

Eine Gruppe hat die Ausfälle und Witterungsverhältnisse jedoch besonders hart getroffen: die Abiturienten. Viele hatten diese Woche wahrscheinlich schlaflose Nächte, da sie fürchteten, zu spät oder gar nicht zu ihren Prüfungen zu kommen. Manch jüngeren Schüler dürfte es hingegen insgeheim gefreut haben, dass er durch alle die nahverkehrsbehindernden Proteste (wieder) eine super Ausrede hatte, um der Schule fernzubleiben ...

Wer streikt nun als nächstes? Wieder die Eisenbahner? Oder womöglich eine ganz andere Gruppe, die wir jetzt noch gar nicht auf dem Zettel haben?

Langsam kriegen wir hierzulande französische Verhältnisse. Und die braucht niemand! Also bitte, liebe Tarifparteien, zurück an den Verhandlungstisch und endlich eine Einigung erzielen.

Viel zu wenig

Die Frustration vieler Menschen, die sich besonders am modernen Stammtisch in den Sozialen Medien Bahn bricht, lässt für die bevorstehenden Kommunalwahlen nichts Gutes erwarten. Vermutlich werden die Ränder des politischen Spektrums, die Populisten, von Volkes Unmut kräftig profitieren. Diese Sorge treibt die etablierten Parteien um, die sich derzeit landauf, landab auf den Urnengang im Juni vorbereiten.

Für die Kreistagswahl hat nach der SPD nun auch die CDU ihre Liste aufgestellt – einstimmig, ohne jeden Widerspruch oder Gegenvorschlag. Hitzige Kampfabstimmungen gehören längst der Vergangenheit an.

Eines aber ist leider, leider noch immer so wie in vergangenen Zeiten: Die Männer sind deutlich überrepräsentiert! Bei der Kreis-SPD sind nur zehn der 42 Plätze auf der Kreistagsliste von Frauen besetzt – noch nicht einmal ein Viertel. Auf Platz eins bis 20 finden sich fünf Frauen, auf den besten Plätzen von eins bis zehn sind es gerade einmal drei. Noch mickriger ist der Anteil bei der Kreis-CDU: Insgesamt betrachtet kommt sie ebenfalls auf zehn Frauen, die für die 42 Kreistagsmandate kandidieren. Unter den ersten zehn Positionen auf der Liste sind hier jedoch nur zwei, unter den ersten 20 nur drei Frauen aufgeführt – ein Anteil von 20 beziehungsweise 15 Prozent.

Sowohl die CDU- als auch die SPD-Granden – in beiden Fällen sind dies Männer – bedauern wortreich, dass dies so ist. Aber es hätten sich nun mal einfach nicht mehr Frauen gefunden, die bereit sind, zu kandidieren – besonders auf den vorderen Plätzen, wo die Chance, gewählt zu werden, groß ist.

Allzu viel hat sich nicht geändert

Woran liegt das? Warum sind im Jahre 2024 – 106 Jahre nach der hart erkämpften Einführung des Frauenwahlrechts – immer noch so wenige Frauen bereit, in der Politik ihre Stimme zu erheben und aktiv mitzubestimmen? Braucht es mehr gezielte Ansprache, mehr Förderung etwa durch Mentoring-Programme? Das mag sein. Aber dass es den Frauen nur an Mut und Selbstbewusstsein fehlt, kann ich mir nicht vorstellen! In den verschiedensten Branchen stehen Frauen heute ganz selbstverständlich „ihren Mann“ und trauen sich auch durchaus, den Mund aufzumachen und Führungspositionen zu übernehmen.

Aber: Bei eben diesen bestens qualifizierten Frauen fällt mir immer wieder in Gesprächen auf, dass auch sie – neben ihrem Beruf! – daheim meist noch immer hauptsächlich für die „Familienarbeit“ zuständig sind: Sei es für den Haushalt, die Kinderbetreuung oder – einige Jahre später – für die Unterstützung und Pflege der alten Eltern und Schwiegereltern! Allzu viel hat sich da nicht geändert, allem Gerede vom „neuen Mann“ zum Trotz. Frauen halten ganz oft noch immer ihrem Gatten „den Rücken frei“. Und wer zusätzlich zum Job noch Haushalt und Familie anhängen hat, verspürt wenig Lust – und Kraft! – auch noch seine Abende im Rathaus in stundenlangen Ausschuss- und Ratssitzungen zu verbringen. Vielleicht könnten andere Politikformate – etwa Onlinesitzungen wie in der Coronazeit – hier ein wenig Abhilfe schaffen.

Aber: Solange das Gros der Männer nicht ernst- und dauerhaft seine Hälfte der Verantwortung daheim für Haushalt und Familie übernimmt, wird das Problem wohl weiterbestehen. Das ist mehr als nur bedauerlich, denn Frauen sehen die Welt oft mit anderen Augen, setzen neue Akzente oder gehen bei Schwierigkeiten andere Wege.

Und im Übrigen wäre eine paritätischere Repräsentanz auch nur gerecht, schließlich stellen wir mehr als die Hälfte der Menschheit und sollten auch bei den Entscheidungen über unser aller Leben entsprechend mitbestimmen können. Aber das möglich zu machen: Dazu gehören immer Zwei.

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