Eingekreist
Wochenendkolumne: Trotz Wahlmarathon maue Wahlbeteiligung?
Selbst am Samstag sind die beiden Bewerber noch bis zum späten Nachmittag durchgetaktet. Dabei haben sie bereits seit der Bundestagswahl im Februar in den großen und kleinen Gemeinden des Landkreises Klinken geputzt und den Bürgern an Wahlkampfständen, Veranstaltungen und Festen in zahllosen Gesprächen Rede und Antwort gestanden. Ein Marathon, zumal der Wahlkampf durch die vorgezogene Bundestagswahl sehr kurz und damit verdichtet war.
Wird der Wähler diese Bemühungen honorieren? Wie viele der 81.879 gehen überhaupt am Sonntag ins Wahllokal? Bei der von der RHEINPFALZ in Auftrag gegebenen CMR-Umfrage hatten im April nur drei Prozent der insgesamt 500 zufällig ausgewählten Befragten angegeben, dass sie bei der Landratswahl nicht wählen gehen wollen. Doch dieser Wert täuscht eine Wahlbereitschaft vor, die es so nicht gibt. Denn laut den Erfahrungen der Meinungsforscher genieren sich viele Bürger, ihr Desinteresse an politischen Entscheidungsprozessen offen zuzugeben. So mancher behauptet daher lieber, er wisse noch nicht, wen er wählen solle...
Nur ein einziges Kreuzchen ist gefragt
28 Prozent der 500 Befragten machten im April bei der repräsentativen CMR-Umfrage diese Aussage. Wie viele dieser Unentschlossenen haben Leßmeister und Haferanke im Wahlkampf doch noch für sich gewinnen können? Wie viele aus dieser Gruppe werden tatsächlich am Sonntag ihr Kreuzchen machen?
Dass es dieses Mal nur dieses eine Kreuz ist, wird die Wahlbeteiligung wohl eher drücken: Schließlich steht ja „nur“ die Wahl eines neuen Kreischefs an und es gibt keine Koppelung mit anderen Abstimmungen. Bei der Landratswahl vor acht Jahren zog es im ersten Wahlgang noch 75 Prozent der Bürger an die Urnen: Damals gab es allerdings drei Kandidaten – Ralf Leßmeister (CDU), Martin Müller (SPD) sowie Ero Zinßmeister (FWG). Und es fand zeitgleich die Bundestagswahl statt. 14 Tage später bei der Stichwahl war die Wahlbeteiligung fast um die Hälfte geschrumpft: Nur 40,6 Prozent gingen damals an die Urne. Ein ähnliches Bild zeigte sich im März 2025 im Kreis Kusel: 42,8 Prozent der Wahlberechtigten machten bei der Landratsstichwahl ein zweites Mal ihr Kreuzchen; im ersten Wahlgang, der zeitgleich mit der Bundestagswahl stattgefunden hatte, waren es noch 81,1 Prozent.
Briefwahl liegt zwar seit Jahren im Trend, aber auch hier deutet sich im Landkreis Kaiserslautern nur eine mäßige Wahlbeteiligung an: Zwischen 17 und 21 Prozent hatten am Anfang dieser letzten Woche vor dem entscheidenden Sonntag in den sechs Verbandsgemeinden Briefwahl beantragt. Das deutet nicht darauf hin, dass die Wahllokale am 18. Mai überrannt werden.
Gewinnt „König Fußball“?
Zumal auch noch eine zweite Entscheidung ansteht, die gerade die vielen Fußballfans in der Region weit mehr bewegen dürfte als die Landratswahl: Am letzten Spieltag entscheidet sich, ob der 1. FC Kaiserslautern in die Relegation kommt und somit noch eine Chance auf den Aufstieg in die 1. Bundesliga hat – oder ob dieser Traum der Fans wieder mal platzt. Ich fürchte, dass so mancher in der Aufregung vor diesem Spiel, das um 15.30 Uhr angepfiffen wird, glatt vergessen wird, dass es auch noch einen Landrat zu wählen gilt ...
Daher ein kleiner Appell an dieser Stelle: Auch wenn „König Fußball“ am Sonntag die Westpfalz beherrscht – Wahlen sind für unsere Demokratie ungleich wichtiger. Und es ist nur ein einziges Kreuzchen, dass ganz schnell gemacht ist. Das sollten uns die beiden Bewerber ums Landratsamt, die in den letzten Wochen fast rund um die Uhr geackert haben, doch wert sein, oder?