Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenend-Kolumne: Wenn Fluglärm buchstäblich mal zum Sound of Freedom wird

rettung

Die Weltpolitik hat Ramstein mal wieder ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt: Nach dem Siegeszug der Taliban wurden in der vergangenen Woche bereits 18.500 Menschen aus Kabul in die Westpfalz – und damit in Sicherheit vor den im religiösen Wahn verblendeten Gotteskriegern – gebracht.

Mehr als 70 Maschinen donnerten im Landeanflug über Stadt und Landkreis. Und dieses Mal war es wirklich im buchstäblichen Sinne mal der früher so gern beschworene Sound of Freedom, der über die Region hallte. Weitere Evakuierungsflüge sollen am Wochenende folgen, kündigt die Air Base an.

All die geretteten und von der Flucht erschöpften Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, vor ihrem Weiterflug in die USA zu verköstigen und mit dem Allernötigsten auszustatten, war und ist eine Herausforderung, der sich die Region gemeinsam mit den Amerikanern gestellt hat. Mit Erfolg! Erst schwang das Congress Center Ramstein kurzfristig den Kochlöffel, inzwischen bereitet das Kochwerk täglich tausende Mahlzeiten für die Geflüchteten zu. Und damit diese auch was zum Anziehen und die Kinder was zum Spielen haben, hat Bürgermeister Ralf Hechler „auf dem kleinen Dienstweg“, wie es so seine Art ist, eine Spendenaktion angeleiert, an der sich viele Leute aus der Region beteiligt haben. Von Unterwäsche über Schuhe bis zu Zahnpasta und anderen Hygieneartikeln – innerhalb von nur vier Stunden kamen 20 Paletten mit Hilfsgütern zusammen. Hut ab, eine tolle Aktion!

Genug für alle

Weniger schön sind dagegen manche Kommentare in den Sozialen Medien, die wegen der Evakuierung schon wieder Ängste vor Überfremdung schüren und – wider besseren Wissens oder aus schlichter Unwissenheit – behaupten, die Geflüchteten würden alle hier bei uns bleiben und uns die Haare vom Kopf fressen. Nein, hier noch mal zum Mitschreiben: Ramstein ist nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in die USA. Das wurde immer wieder betont! Und nach Angaben des Flugplatzes sind auch bereits 4100 der Eingereisten in die USA weitergereist!

Angesichts der Ramsteiner Spendenaktion für die Evakuierten wurden auf Facebook zudem besorgte Stimmen laut, die fürchten, die Flutopfer im Ahrtal könnten zu kurz kommen und man solle doch lieber für die deutschen Opfer spenden. Schon vergessen? Das hat die Bevölkerung bereits im Überfluss getan! Die Lager quollen schon kurz nach der Katastrophe über und zig Millionen Euro flossen auf die Spendenkonten für die einheimischen Flutopfer. Freilich dürfen diese auch in Zukunft nicht vergessen werden. Aber in unserer Überflussgesellschaft, die während Corona schon aus purer Langeweile berstende Kleiderschränke und zugestellte Keller entrümpelt hat, dürfte genug für alle Hilfsbedürftigen da sein.

Versiegelung: Zu viel Laisser-faire

Was hingegen zusehend zur Mangelware wird, sind freie, unversiegelte Flächen in der Natur. Obwohl es immer heißt, Innenentwicklung sollte vor Außenentwicklung gehen, wird in vielen Gemeinden neu gebaut, was das Zeug hält. Mit den dafür als Kompensation für den Eingriff in die Natur eigentlich vorgesehenen Ausgleichsflächen hat man es hingegen nicht besonders eilig. Die werden schon mal schlicht vergessen oder zwar angelegt, aber danach rasch sich selbst überlassen, wie leider nicht nur das Beispiel der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn zeigt. Hier sollte nicht der Bock zum Gärtner gemacht werden. Unabhängige Kontrollen von außen müssen her, die die Umsetzung ernsthaft überwachen. Flutkatastrophen wie im Ahrtal haben uns gezeigt: Ein Laisser-faire und weiter so – das geht nicht mehr.

Und: Bei neuen Bauvorhaben sollte erstmal geprüft werden, ob es nicht Bestandsgebäude gibt, die für das Projekt genutzt werden können. Da hat die Bürgerinitiative, die sich in Trippstadt gegen den Neubau eines Seniorenheims auf der grünen Wiese gegründet hat, auf jeden Fall recht. Schließlich steht am anderen Ende des Orts mit dem verlassenen Wohnstift ein riesiger Gebäudekomplex samt Parkplätzen, Garagen und weiterer Infrastruktur im Wald herum. Laut Investor soll sich dort zwar eine Klinik oder ein Ärztezentrum ansiedeln, aber wer vor den großen Wohnblöcken steht, hat so seine Zweifel, dass diese tatsächlichen mit Medizinern jedweder Art gefüllt werden können. Vielleicht ist ja dort auch für beides Platz, für Ärzte und ein Seniorenheim? Oder man baut an das Vorhandene an und entwickelt den Komplex weiter? Gut, dass nun eine Diskussion darüber von der Bürgerinitiative zumindest angestoßen wurde.

Bundestagswahl: Keine Infos für viele

Für Diskussionen sorgt derzeit auch die bevorstehende Bundestagswahl, die äußerst spannend zu werden verspricht. Wer löst Mutti ab und schafft es ins Kanzleramt? Welche Koalition wird uns die nächsten, in vielen Bereichen so wichtigen Jahre regieren? Neben dem Blick ins ferne Berlin interessiert viele Menschen auch, wie ihre Nachbarn abgestimmt haben. Welcher Direktkandidat hatte im eigenen Heimatort die Nase vorn? Wie haben die Parteien abgeschnitten? Nun, bei diesen Fragen werden viele Bürger im Kreis am 26. September vergebens nach Antworten suchen. Viele Gemeinden schauen in die Röhre, weil Briefwahlbezirke sich wegen fehlender Wahlhelfer (so heißt es) gleich über mehrere Dörfer erstrecken und individuelle Ergebnisse für die einzelnen Kommunen deshalb angesichts der Masse an zu erwartenden Briefwahlstimmen leider nicht mehr ablesbar sind.

Nur in einer einzigen Verbandsgemeinde im Landkreis gibt es in jeder (!) Kommune mindestens einen Briefwahlbezirk und damit auch ein Gemeindeergebnis: in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. Und dieses liegt nicht erst am nächsten Tag vor, sondern noch am Wahlabend, wie Bürgermeister Ralf Hechler gewohnt tatkräftig versichert. Hört, hört! Die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach sticht so – mal wieder – positiv heraus. Für die anderen sollte dies ein Ansporn sein.

x