Kreis Kaiserslautern
Wochenend-Kolumne: Biogasanlage sorgt für dicke Luft

Lebkuchen, Plätzchen, Glühwein und Tannenduft: Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Wohlgerüche. Gemeinhin. Nicht so in Ramstein und Umgebung. Dort wabert mal wieder der Mief nach Misthaufen durch die Lüfte. Verursacher ist aber kein Bauernhof, sondern nach allgemeiner Überzeugung die Biogasanlage im Industriezentrum, die nicht zum ersten Mal zum Himmel stinkt. Vom Kloakenbukett, das je nach Windrichtung mal hier, mal da ins sensible Riechorgan steigt, haben viele in Ramstein die Nase gestrichen voll. Buchstäblich! Ebenso wie von den Beteuerungen der Betreiber, dass man die Beschwerden zwar ernst nehme, die Anlage aber nicht gestört sei, sondern ganz ordnungsgemäß laufe. Aha!
Richtig stinkig auf die Anlagenbetreiber und die Behörden, die sie kontrollieren (sollen), ist mittlerweile auch der Bürgermeister, der kurz erwogen hat, den 24 Stadtratsmitgliedern in der letzten Sitzung des Jahres statt des üblichen Kalenders 24 Beißzangen zu schenken. „Des kann mer nämlich denne Leit verzeehle, die wo die Hosse mit de Beißzang aaziehe!“, kommentiert Ralf Hechler die „abenteuerlichen Aussagen“ der Abo Wind AG.
Schießplatz Breitenwald: Exzellent
Beißzangen wären auch ein passendes Geschenk für die Landstuhler auf dem Rothenborn und im Rathaus. Dieses Werkzeug würde es ihnen erleichtern, das jüngste Statement des US-Militärs zur „freiwilligen Selbstbeschränkung“ beim Schießtraining im Breitenwald für bare Münze zu nehmen. Künftig soll nämlich dort nur noch an höchstens zehn Samstagen im Jahr geballert werden. Dieses wahrhaft selbstlose Entgegenkommen haben sich die Amerikaner, wie sie selbst betonen, im Rahmen ihrer „Good-Neighbor-Politik“ abgerungen.
Nur zur kleinen Erinnerung: In diesem Jahr wurde an sechs Samstagen auf dem Schießplatz trainiert. Da ist das vollmundige Versprechen, künftig unter zehn Samstagen zu bleiben, – sorry! – nicht mehr als die schlichte Ankündigung, dass sich auch 2020 rein gar nichts ändert.
Netter Versuch! Aber, liebe Amerikaner, wenn Ihr künftig nicht nur gute, sondern sogar „exzellente Nachbarn“ sein wollt, wie Euer Kommandeur schreibt, dann müsst Ihr noch ein klein wenig üben. Aber bitte leise!
Asylbewerberkosten: Dürftig
Ähnlich nobel fällt auch der finanzielle Nachschlag aus, den die Landesregierung den von Kassenkrediten und Schulden gebeutelten Kommunen als Ausgleich für die Asylbewerberkosten gewährt. 30 Millionen gibt es ergänzend für die Jahre 2016 bis 2021. Donnerwetter! Allerdings, und das ist der Haken, alles zusammen für alle Kommunen im Land.
Im Kreis Kaiserslautern rechnet der Landrat mit 780.000 Euro zusätzlich. Doch allein hier beläuft sich die Unterdeckung der Ausgaben für Flüchtlinge in den Jahren 2015 bis 2020 auf rund 10,7 Millionen Euro, wie Ralf Leßmeister vorrechnet. Der Nachschlag sei daher nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“.
Dazu kann ich nur sagen: Wo er Recht hat, hat er Recht.
Ehrennadel: Kleinlich
Aber das Land ist eben auf einem rigorosen Spartrip. Dass man in Mainz den Gürtel konsequent enger schnallt, musste unser Kreisbeigeordneter Peter Schmidt am eigenen Leib erleben. Für sein jahrzehntelanges Engagement in diversen Ehrenämtern sollte der FWG-Politiker eigentlich in der Landeshauptstadt die Landesehrennadel angesteckt bekommen. Allerdings im kleinen, im ganz kleinen Kreis.
Er dürfe zu seinen großen Stunde nur einen Gast mitbringen, hat man dem Weilerbacher im Vorfeld der Ehrung beschieden. Schmidts Wunsch, neben dem Landrat auch noch seine Frau mitzubringen, wurde dem Vernehmen nach eine klare Absage erteilt. Und bei dieser blieb es, trotz allen Verhandelns. Da sich der Kreisbeigeordnete wohl nicht zwischen seiner Frau und dem Kreischef entscheiden wollte, beschloss er, gleich ganz auf die Fahrt nach Mainz zu verzichten. Man solle ihm die Urkunde per Post zustellen, teilte er mit.
Ganz so formlos lief die Auszeichnung dann aber letztlich doch nicht ab: In einer – in Schmidts Terminkalender von den Kollegen als dienstliche Besprechung getarnten – kleinen Feierstunde erhielt er – Überraschung! – aus der Hand seines Kreischefs kürzlich in der Lauterer Kreisverwaltung seine Ehrennadel. Und mit dabei waren nicht nur seine Frau, sondern auch der Rest seiner Familie.
Was dazu wohl die ADD sagt? Besser nicht weitersagen. Sonst gibt’s am Ende als Weihnachtsgeschenk für den Landrat noch einen blauen Brief von den Trierer Finanzwächtern.
Ein fröhliches Weihnachtsfest ohne Streit und Misstöne, mit schönen Geschenken und verführerischen Düften!