Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Wo viele Ramsteiner als Tagelöhner ihren kargen Lebensunterhalt verdienten

Nach einem Gemälde von Hugo John: Die vom Moorbach getriebene Mühle wurde in Ramstein auch als „unnerscht Miehl“ bezeichnet.
Nach einem Gemälde von Hugo John: Die vom Moorbach getriebene Mühle wurde in Ramstein auch als »unnerscht Miehl« bezeichnet.

Nur noch ein alter Mühlstein an der Schernauer Straße, schräg gegenüber des Freizeitbads Azur erinnert an die ehemalige Unterschernauer Mühle, die mehrere Jahrhunderte für die Ramsteiner Bevölkerung große Bedeutung hatte.

Die vom Moorbach getriebene Unterschernauer Mühle wurde in Ramstein auch als „unnerscht Miehl“ bezeichnet. Sie geht wohl zurück auf eine bereits in den Jahren 1414 und 1577 erwähnte Sägemühle, „am Bruch gelegen“. Die Mühle wurde während des Dreißigjährigen Krieges zerstört. 1683 bat der aus Metz nach Kaiserslautern eingewanderte Gerber und spätere Ratsschultheiß Pierre Sallin (später Peter Saling) Kurfürst Karl um die Erlaubnis, hier eine Sägemühle errichten zu dürfen. Er durfte die Mühle bauen.

Saling starb 1695. Seine Witwe bat 1709 die kurfürstliche Regierung, die Sägemühle „schuldenhalber“ verkaufen zu dürfen. Der Kaiserslauterer Landschreiber Johann Heinrich Heyler erwarb sie für 1200 Gulden. Ihm wurde gestattet, zusätzlich eine Mahl- und Ölmühle zu erbauen. 1722 kam sie schließlich in den Besitz des kurpfälzischen Oberamtmannes Heinrich Wilhelm Freiherr von Sickingen. Diesem überließ Kurfürst Carl Philipp 1723 „in Ansehung seiner treuen Dienste und zu besserer Benutzung“ seiner Mühle 40 Morgen Wald zur Anlegung eines Ackers sowie ein „Gebrüch“ von 100 Morgen zu „Wießwachs“. Sickingen musste sich verpflichten, jährlich eine Steuer für die Nutzung des Wassers, den sogenannten „Wasserfall“, zu entrichten. Zudem musste er den Erlös des Holzes, das durch die Rodung des Waldes anfiel, an die kurfürstliche Hofkammer abführen. Sickingen erweiterte die Mühle um eine Mahl- und Ölmühle und verpachtete sie an „Temporalbeständer“ (Pächter auf Zeit).

Verheerender Brand

Nach einem im Jahre 1750 ausgebrochenen, verheerenden Brand begann der damalige Pächter, der Ramsteiner Schultheiß Daniel Everling, mit dem Wiederaufbau. In der Folgezeit klagten die Beständer über die schlechten Wasserverhältnisse der Mühle und den Rückgang der Erträge. Dies änderte sich, als Johannes Bardens, der vom Steigerhof bei Bann stammte, die Unterschernau 1784 als Pächter übernahm und drei Stauweiher anlegte. Sein Schwiegersohn Johann Jacob Stupe (Stuppy) von Hütschenhausen, verheiratet mit Elisabetha Bardens, führte ab 1794 die Mühle und den Hof weiter. Als 1797 Frankreich das linksrheinische Gebiet annektierte und den Adelsbesitz einzog, musste die Pächterfamilie die Pacht einige Jahre an den französischen Staat zahlen. Bei der Versteigerung der sogenannten Nationalgüter konnte Johann Jacob Stuppy 1808 schließlich den ganzen Besitz für 18.500 Francs erwerben.

Im Jahre 1818 gehörten zur Unterschernau 500 Morgen Land. In den folgenden Jahrzehnten verdienten viele Ramsteiner als Tagelöhner, Schäfer, Mägde, Knechte und Handwerker ihren kargen Lebensunterhalt auf der Unterschernau. Johann Jacob Stuppys Sohn, Jakob Stuppy II., übernahm den Betrieb 1825. Er heiratete Catharina Janzer aus Ramstein, die eine reiche Mitgift in die Ehe einbrachte. Damals trieben fünf Wasserräder die Mühle. 1845 umfasste der Besitz 402 Tagwerke. Unter Jakob Stuppy III., der die Unterschernau ab 1859 weiterführte, begann allmählich der Niedergang des Mühlenhofgutes, das – trotz aller Regulierungen – unter häufigen Überschwemmungen litt. Im Zuge der Entwässerung des Bruches erwarb der bayerische Staat 1874 für 24.000 Gulden einen Teil des Mühlenhofgutes mit allen Ländereien, vier Jahre später den Rest für 32.285 Mark. 1877 wurde mit dem Abbruch der Gebäude begonnen, die Weiher abgelassen und der Staudamm eingeebnet. Die Ramsteiner benutzten die leerstehenden Gebäude der Mühle fortan als Steinbruch. Einige Häuser in der Luitpoldstraße sollen damit gebaut worden sein.

Nur noch der Lindenbaum war da

Bald erinnerte nur noch der 1844 von Jakob Stuppy II. anlässlich der Geburt seiner Tochter Anna gepflanzte Lindenbaum an die „unnerscht Miehl“. Der „Linnebaam“ wurde zu einem beliebten Treffpunkt der Ramsteiner Bürger. „Unzählige Lieder wurden an schönen Sommertagen von unserer Jugend in seinem Schatten gesungen und manches vertraute Wort in seiner Nähe gesprochen“, erinnerte sich Bernhard Paque. Der Baum fiel 1958 einem Sturm zum Opfer. Im folgenden Jahr wurde an seiner Stelle eine neue Linde gepflanzt. „Es sollte aber auch dort“, so schrieb Heinz Feth 1965 im Ramsteiner Heimatbuch, „eine eherne Gedenktafel der Ramsteiner Jugend von der einst so stolzen Unterschernauer Mühle erzählen.“ 1980 regte auch der langjährige Reichswaldbevollmächtigte Wilhelm Bußer an, eine Gedenktafel hier anzubringen. Es dauerte viele Jahre, bis auf Anregung von Karl Mitschang 2008 in Anwesenheit von Nachkommen der Familie Stuppy an dieser Stelle ein alter Mühlstein und eine Informationstafel aufgestellt wurden.

Mühlstein und Gedenktafel erinnern seit 2008 an die ehemalige Unterschernauer Mühle. Es dauerte etliche Jahre, bis diese aufgest
Mühlstein und Gedenktafel erinnern seit 2008 an die ehemalige Unterschernauer Mühle. Es dauerte etliche Jahre, bis diese aufgestellt werden konnten.
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