Kreis Kaiserslautern Wo Deutsche Riesen mümmeln

„Bauch rein, Brust raus“ würde es bei einem Zweibeiner heißen, wenn es darum geht, sich ansprechend zu präsentieren. Kaninchen sollen ebenfalls möglichst aufrecht da sitzen, wenn sie unter den kritischen Augen der Preisrichter bestehen wollen. Knapp 500 Langohren aus 40 Rassen wurden am vergangenen Wochenende bei der Kaninchenschau des Kreisverbandes Westpfalz in der Kindsbacher Mehrzweckhalle gezeigt.
Der Geruch von Heu und Stroh hat sich in der Mehrzweckhalle ausgebreitet. Zwei Drittel der Fläche sind den Käfigen vorbehalten, die am Rand und mittig in Reihen aufgebaut und mit je einem Tier besetzt sind. Sie mümmeln, dösen, putzen sich oder haben sich lang ausgestreckt auf ihr duftiges Bett gelegt. „Guck mal, wie groß die sind“, staunt ein Mädchen und zieht ihren Vater an der Hand zu den Deutschen Riesen. Kaum da, ruft seine Schwester: „Wie süß!“ Die vierköpfige Familie aus Landstuhl sieht sich die Schau an. „Die Kinder waren schon mit der Schule hier. Wir haben selbst ein Kaninchen, das uns zugelaufen ist“, nennen die Eltern den Beweggrund für den zweiten Besuch. Neun Preisrichter sowie ein Obmann bewerten die Tiere. Unter den knapp 50 Ausstellern sind zehn Jungzüchter. Für Laien sind die Karten, die an jedem Käfig angebracht sind, nicht leicht zu entziffern. Ein Zahlenschlüssel gibt Aufschluss über Geschlecht, Alter und Verein, dem sein Besitzer angeschlossen ist. Kriterien sind ebenfalls Fell, Größenverhältnis zwischen Kopf und Körper, Länge der Ohren und ihr Ansatz sowie der Pflegezustand. Weil zur Herbstzeit bei kühler Witterung der Fellwechsel schnell einsetzen kann, ist auf einer Karte „leichter Rostanflug“ vermerkt. „Das passiert zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung“, weiß Roland Müller vom Verein P 66 aus Schönenberg-Kübelberg. Er züchtet die Rassen Havanna und Sachsengold und zeigt acht Tiere auf der Schau. Mit seinen 3452 Gramm und einer eher etwas kräftigen Statur gehört das Havanna-Kaninchen zu den mittelgroßen Rassen. „Hervorragend“ mit 96,5 Punkten hat der Preisrichter auf dessen Bewertungskarte notiert. Dem kaffeebraunen Fell ist das gleichgültig. Es hat es sich in der Käfigecke gemütlich gemacht. Bei einem schwarzen Alaska-Kaninchen hat der Preisrichter „Vorzüglich“ und „ZLE“ notiert. Die Abkürzung steht für Zuchtleistungsehrenpreis. Mit 389 Punkten wurden die vier Kaninchen eines Queidersbacher Züchters bewertet. Gerhard Müller geht mit dem Kreisverbandsehrenpreis nach Hause. Stolz dürfte auch Jungzüchter Nils Geis aus Krottelbach im Landkreis Kusel sein. Der Neunjährige hat vier seiner insgesamt neun Deutschen Kleinwidder präsentiert und holte den Titel Jugendkreismeister . (lmo)