Kreis Kaiserslautern
Wildtauben fühlen sich in der Nähe des Menschen wohl
Beim Frühstück auf der Terrasse ist vom nahen Park regelmäßig ein sich rhythmisch wiederholendes „Guh-guh – gugu-guh“ zu vernehmen. Nein, das ist nicht der Kuckuck. Wie zum Beweis schwingt sich aus einer dichten Baumkrone ein großer, an der Oberseite graublau, im Brust- und Bauchbereich rötlich-hellgrau-beige befiederter Vogel mit klatschenden Flügelschlägen auf und fliegt in wellenförmigem Gleitflug über die Gärten. An dem weithin sichtbaren weißen Fleck auf beiden Halsseiten sowie den breiten, ebenfalls weißen Streifen auf den Flügeln ist zweifelsfrei die Ringeltaube zu erkennen. Mit dem Ruf und der Flugakrobatik will hier ein Tauber seiner Herzensdame imponieren.
Ringeltauben dürfen gejagt werden
Für die kräftig gebaute und mit einer Flügelspannweite von 68 bis 77 Zentimetern größte und am häufigsten vorkommende Wildtaube Mitteleuropas gibt der Nabu einen Bestand von 2,6 bis 3,1 Millionen Brutpaare an. Sie zählt zu den nicht gefährdeten Arten. Ringeltauben sind das ganze Jahr über in unseren Städten, Dörfern, Wäldern, Feldern und Gärten zu sehen. Auf ihrem Speiseplan stehen insbesondere Samen, auch solche von Nadelbäumen, Getreide und Mais sowie Pflanzenteile. Mit etwas Glück kann man Ringeltauben am Gartenteich beobachten. In der Luft werden sie von Habicht, Sperber und Falke bedroht, ihre Gelege von den üblichen behaarten und befiederten Nesträubern.
Nach der Getreideernte fallen häufig größere Schwärme auf den Stoppeläckern ein. In früheren Zeiten war das dann die Stunde des Jägers. Gegenwärtig dürfen erwachsene Ringeltauben nur vom 1. November bis zum 20. Februar erlegt werden. Hingegen ist die Jagd auf junge Ringeltauben – durch die noch fehlenden weißen Halsflecken gut von den alten zu unterscheiden – ganzjährig erlaubt. Aber trotz des schmackhaften Fleisches hält sich die jagdliche Bedeutung der Ringeltaube in Grenzen. Im Jagdjahr 2000/2001 wurden bei der Kaiserslauterer Jagdbehörde 433 Tiere registriert, 2010/11 waren es 182 und 2019/20 mit 201 nur wenig mehr. Liebhaber gebratener Täubchen können die küchenfertig vorbereiteten Tiere während der Saison beim Wildbrethändler auf dem Kaiserslauterer Wochenmarkt kaufen.
Die Türkentaube ist nicht mehr ganz so oft zu hören
Das „Hu-huu hu“ der gerne auf Parkbäumen nistenden kleineren Türkentaube ist in jüngerer Zeit nicht mehr ganz so oft zu hören. Man erkennt sie an dem hell-beigebraunen Gefieder mit dunklen Flügelspitzen, den rötlichen Augen mit einem schmalen weißen Augenring und dem schwarzen Querstreifen im Nacken. Diese ursprünglich in Asien beheimatete Wildtaubenart hat sich in den vergangenen 100 Jahren über die Türkei nach Europa hin ausgebreitet.
Türkentauben leben überwiegend in lichten Baumbeständen in der Nähe menschlicher Siedlungen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Samen, Getreide, Beeren und sonstigen Pflanzenteilen, suchen aber auch in Abfällen nach Fraß. Unter dem Vogelfutterhäuschen sammeln sie gerne die von kleineren Vögeln heruntergeworfenen Körner auf. Die Türkentaube steht ebenfalls auf der Liste der jagdbaren Tiere, genießt aber ganzjährig Schonung. Laut Nabu „sieht sich der Expansionskünstler starken Rückgängen ausgesetzt“. Alfred Klein von der Nabu-Ortsgruppe Weilerbach führt das zum Teil auf die geringere Anzahl an Geflügelzüchtern nach den Vogelgrippe-Ausbrüchen der vergangenen Jahre zurück. Dadurch sei das Futterangebot der Freilandhaltung weggebrochen, von dem die Türkentauben profitierten.
Die Turteltaube steht für Glück, Liebe und Frieden
Eher zufällig ist das monotone „Oo-uo“ oder „Huu“ der blaugrauen Hohltaube mit dem grünlichen Fleck am Hals, der rosa schimmernden Brust und dem hellen Schnabel zu vernehmen. Diese Wildtaubenart ist sehr scheu, lebt bevorzugt in lichten Wäldern und weitläufigen Parks mit alten Baumbeständen, wo sie insbesondere in verlassenen Spechthöhlen nistet, daher ihr Name. Den Winter verbringen Hohltauben in Süd- und Westeuropa, im Frühjahr kommen sie in ihre mittel- und osteuropäischen Brutgebiete zurück. Die Art steht unter Naturschutz.
Nicht etwa das für alle Tauben typische Turteln, sondern das langgezogene, schnurrende „Turr turr“ hat der kleinsten hier vorkommenden Wildtaubenart, der Turteltaube, zu ihrem Namen verholfen. Sie steht für Glück, Liebe und Frieden. Sie fällt auf durch ihr exotisch wirkendes rostbraunes, dunkel gepunktetes Rückengefieder mit den langen, blauschwarzen Schwanzfedern. Man findet sie vor allem in der halboffenen Kulturlandschaft – häufig in der Nähe von Wasser, wo sie in lichten Wäldern, Feldgehölzen, Obstanlagen, Parks und Gebüschen nistet. Laut Alfred Klein gibt es auf den „Lauterhöhen“ derzeit fünf Brutpaare. Die ebenfalls unter Naturschutz stehende Turteltaube ist auf dem Zug in ihre Überwinterungsgebiete südlich der Sahara vielen Gefahren ausgesetzt, wo sie in einigen südeuropäischen Ländern immer noch illegal bejagt wird. Die bei uns sehr selten gewordene Art wurde 2020 vom Nabu zum Vogel des Jahres erkoren.
„Ku-ru-ku-ku-ku“ gurrt die gewöhnliche Stadttaube. Bei dieser Art, die mancherorts zur Plage geworden ist, handelt es sich nicht um Wildtauben, sondern um verwilderte Haustauben, die von der in Deutschland nicht heimischen Felsentaube abstammen.