Kreis Kaiserslautern Wie sich Kirchengemeinden für den Winter rüsten
„Die Kirchen werden nur noch beheizt, soweit dies zur Vermeidung von Schäden nötig ist“, kündigt der katholische Pfarrer Udo Stenz für die Pfarrei Queidersbach an. Dies hätten Verwaltungsrat und Pfarreirat einmütig festgelegt. „Wir sind aus der Corona-Pandemie bereits an kalte Kirchen gewöhnt“, sagt er. Die Büros würden gemäß der Vorschriften derzeit auf maximal 19 Grad geheizt.
Auch in Ramstein haben die Katholiken entschieden, nur bis zum Frostschutz zu heizen, berichtet Pfarrer Bernhard Spieß. „Wegen Corona hatten wir ja schon die beiden vergangenen Winter nicht geheizt. Nun fahren wir so ähnlich fort“, fügt er hinzu. Die Pfarrei wolle so versuchen, Kosten zu sparen. Die Kirchenbesucher müssten sich wärmer anziehen, sagt er, „das ist nichts Neues“. Sollte der Winter sehr kalt werden, könnte die Gemeinde aber auch ins Pfarrheim ausweichen. Ob in der Pfarrei Ramstein die Heizung an den Festtagen zu Weihnachten hochgefahren wird, ist laut Spieß noch nicht entschieden.
Um in der Energiekrise Kosten zu sparen, bleiben einige Kirchen sogar ganz zu. So ist die evangelische Gemeinde Otterbach seit Anfang November ins Gemeindehaus umgezogen, schildert Dekan Matthias Schwarz. Einzige Ausnahme sei Weihnachten. Ansonsten finde in einem kleineren Raum „Winterkirche“ statt. Die Otterbacher Kirche ist zwar ein moderner Bau, und auch energetisch nicht aus dem vorigen Jahrhundert. Dennoch seien die Heizkosten enorm, sagt Schwarz mit Blick auf eingebaute Glasbausteine und Fensterfronten. Der Vorteil des Ausweichquartiers: „Unter der Woche ist dort schon beheizt, weil sich die Kita und das Verwaltungsamt darin befinden“, erläutert Schwarz und fügt hinzu: „Bei uns braucht man nicht mit Decken zum Gebet kommen.“
Heizung in der Stadtkirche aktuell defekt
„Wir können gar nicht heizen“, berichtet die stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums Landstuhl, Sabine Schneider. Die Heizung in der evangelischen Stadtkirche sei aktuell defekt. Daher sei die Gemeinde schon im Oktober ins Gemeindehaus umgezogen. Bis Dezember solle dort „Winterkirche“ gehalten werden. Weiteres und wie vielleicht noch Energie eingespart werden könne, habe das Presbyterium noch nicht beschlossen.
Auch die Presbyterien in Alsenborn haben dazu noch nicht getagt, berichtet Pfarrerin Katja Wolf. Ob die Schlosskirche Neuhemsbach in den kommenden Monaten genutzt wird, sei daher noch unklar.
In Weilerbach hat die Gemeinde nach Angaben von Pfarrerin Clara Glade schon länger Erfahrungen mit der „Winterkirche“. Daher würden die Gottesdienste auch in diesem Jahr wieder ins Gemeindehaus verlegt. Weihnachten solle aber in der Kirche gefeiert werden. Dort gebe es eine Bankheizung. Um Kosten zu sparen, könnten bei kleineren Gottesdiensten auch nur die vorderen Bänke beheizt werden.
Temperaturen sinken, Kosten steigen: Die Abteikirche in Otterberg bleibt unbeheizt, wie der evangelische Pfarrer Harry Albrecht ankündigt. Die Gemeinde werde für die Gottesdienste in den Kapitelsaal ausweichen, dort könnten auch die Katholiken Gottesdienst feiern. Für Weihnachten reiche der Platz dort allerdings nicht, auch nicht, wenn Konzerte veranstaltet werden. „Dann gehen wir wieder in die Abteikirche“, sagt Albrecht und fügt hinzu: „Heizen werden wir dort aber in keinem Fall.“ Denn es sei keinesfalls damit getan, die Heizung in der Kirche an- und wieder auszuschalten. „Wir müssen für eine Veranstaltung die ganze Woche moderat temperieren“, die Heizung dürfe nur langsam hoch- und wieder heruntergefahren werden. Und bei mindestens acht Grad kostete dies pro Jahr bisher rund 13.000 Euro. „Man kann sich ausrechnen, was wir jetzt dafür zahlen müssten“, so Albrecht.
Kirchengemeinde will sich solidarisch zeigen
Doch wolle die Gemeinde die Heizung nicht allein aus Kostengründen kalt lassen. „Wir möchten uns damit auch mit Privathaushalten und mit der Industrie solidarisch zeigen. Wir wollen nicht die Kirche heizen, wenn andere Leute frieren müssen“, stellt Albrecht klar. „Wer sich zwei Stunden auf einen Weihnachtsmarkt stellen kann, der kann auch mal eine Stunde in einer kalten Kirche sitzen“, ist der Pfarrer überzeugt. Anders sehe es bei den Kitas aus. Diese seien vom Energieeinspargesetz ausgenommen. Trotzdem möchte die Kirchengemeinde dort noch die Heizung optimieren, aktuell seien Energieberater für Tipps gefragt. Es gehe darum, zu sparen, ohne dass die Kinder frieren müssten.
Bleiben einige „Schäfchen“ den kalten Kirchen womöglich fern? Dass in den kommenden Monaten vielleicht weniger Leute in die Kirche kommen, sei nicht auszuschließen, sagt Pfarrer Stenz. Allerdings sei eine Akzeptanz doch erkennbar. Da die Sonntagsgottesdienste 45 bis 55 Minuten dauern und die Werktagsgottesdienste weniger als 30 Minuten, halte sich eine eventuelle Belastung durch Kälte in Grenzen, sagt er. „Wir werden weiterhin in allen unserer sieben Kirchen Gottesdienste feiern“, kündigt Stenz an. Dennoch gebe es auch hier die Möglichkeit zur „Winterkirche“ in leicht und sparsam beheizbaren Nebenräumen. Unabhängig von der Energiekrise habe eine Überarbeitung der Gottesdienstordnung in der Pfarrei dazu geführt, dass sich die Häufigkeit der Feiern verringere, so Stenz weiter.
Empfehlungen des Bistums als Richtschnur
Bei den Kitas orientieren sich die Pfarreien auch an Empfehlungen des Bistums. „Hier etwas einzusparen, ist allerdings schwierig“, weiß der Ramsteiner Pfarrer Spieß. Man könne die Kinder ja nicht in dicke Pullis einmummeln und die Heizung runterfahren. Auch Öffnungszeiten zu verändern, sei keine Option. Und ob eine Verlängerung der Schließzeit über Weihnachten um einen Tag helfe, wenn die Heizung komplett runter und wieder hochgefahren werden muss, stehe ebenfalls nicht fest.
Bereits im Juli hatte die Protestantische Landeskirche in Speyer den Gemeinden eine Empfehlung zum Energiesparen zur Verfügung gestellt. Darin wird die Senkung der Temperaturen in dauerhaft genutzten Gebäuden um ein Grad geraten, was sechs Prozent der Heizenergie – in Kirchen mindestens zehn Prozent – einspare. Im Bistum Speyer sollen in der Heizperiode nach Möglichkeit nur ein Pfarrheim pro Pfarrei bewirtschaftet und in den genutzten Räumen mit maximal 19 Grad geheizt werden. Für besonders gut besuchte Gottesdienste – etwa an Weihnachten – sowie besucherstarke Veranstaltungen im Pfarrheim könnten Ausnahmen festgelegt werden.