Ramstein-Miesenbach / Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die US-Streitkräfte mit Corona umgehen und welche Regeln auf der Air Base gelten

Auf der Air Base Ramstein und damit auch im Kaiserslautern Military Community Center (KMCC) gelten dieselben Regeln wie im Rest
Auf der Air Base Ramstein und damit auch im Kaiserslautern Military Community Center (KMCC) gelten dieselben Regeln wie im Rest von Rheinland-Pfalz.

Nachdem die Infektionszahlen unter den Angehörigen der US-Streitkräfte zuletzt deutlich gestiegen waren, kursieren Gerüchte, dass sich die Amerikaner angeblich nicht ausreichend an die Regeln halten. Die RHEINPFALZ hat deutsche und US-Behörden mit den Behauptungen konfrontiert und nach den Kontrollmechanismen gefragt. Was die offiziellen Stellen sagen.

Welche Covid-19-Beschränkungen gelten überhaupt auf der Air Base, die amerikanischen oder die deutschen? „Die des Gastgeberlandes“, betont auf Anfrage die Sprecherin des Flugplatzes, Sandra Archer. Die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitskräfte und der US-Gemeinde habe „nach wie vor oberste Priorität“. Um die Amerikaner über die neuesten Bestimmungen in Rheinland-Pfalz zu informieren, würden alle Verordnungen und Hygienekonzepte übersetzt und auf der Flugplatz-Homepage www.ramstein.af.mil veröffentlicht, „um sicherzustellen, dass alle US-Mitarbeiter und ihre Familien die Anforderungen des Gastlandes lesen und befolgen können“. Archer unterstreicht: „Wir befolgen alle Vorschriften und Bestimmungen des Gastlandes in unseren Einrichtungen.“

„Kein ,Hotspot’ in der KMCC-Mall“

Und wie sieht es in dem großen Einkaufszentrum, der KMCC-Mall auf der Air Base, aus? Auch die Mall folge der 11. rheinland-pfälzischen Corona-Bekämpfungsverordnung und den damit zusammenhängenden Hygieneanforderungen sowie den Empfehlungen der Gesundheitsabteilung der 86. Medizinischen Versorgungsgruppe, gibt Julie Mitchell von der Pressestelle des Army and Air Force Exchange Service in Dallas, Texas, Auskunft. Die Maßnahmen entsprächen denen der lokalen deutschen Unternehmen hinsichtlich des Tragens von Mund-Nasen-Schutz, Händedesinfektion und Abstand. Gerüchte, in der Mall habe sich ein Corona-Hotspot entwickelt, weist Mitchell zurück: „Dafür gibt es keine Anhaltspunkte.“ Die Lauterer Kreisverwaltung sieht ebenfalls kein Problem: „Nach Aussage der amerikanischen Ärzte von Freitagmittag gibt es derzeit keine Anzeichen oder Erkenntnisse für einen ,Hotspot’ innerhalb der amerikanischen Stützpunkte im Zuständigkeitsbereich unseres Gesundheitsamts.“

Wer kontrolliert die Einhaltung der Corona-Regeln in der Mall sowie generell in US-Einrichtungen wie Air Base und US-Hospital? „Die Amerikaner kontrollieren innerhalb ihrer eigenen kasernierten Bereiche“, so die Sprecherin der Kreisverwaltung, Georgia Matt-Haen. Und die Pressestelle des Exchange Service in Texas ergänzt, dass das Einkaufszentrum Verstöße gegen Regeln an die Flugplatzleitung meldet, die dann „die Einhaltung durchsetzt“. Das Personal sei verpflichtet, in allen öffentlichen Einrichtungen des Flugplatzes ebenso wie im US-Hospital in Landstuhl Gesichtsmasken zu tragen und Abstand zu halten. Und wenn sich US-Militärangehörige oder auch Betreiber von Geschäften oder Lokalen in der Mall nicht an die Corona-Schutzverordnung halten? Gibt es dann Sanktionen? „Die Flugplatzleitung setzt die Einhaltung der Verordnung durch das US-Militärpersonal durch“, stellt Mitchell fest. Hielten sich Verkäufer oder Mitarbeiter nicht an die Vorschriften, dann ergriffen die Leitung des Einkaufszentrums oder die Kommandeure des Flugplatzes „korrigierende Maßnahmen“.

„Mit dem Lautrer Gesundheitsamt im ständigen Austausch“

Steht eine Infektion im Raum, dann übernehmen laut Kreisverwaltung das Landstuhl Regional Medical Center und das Public Health Center Ramstein die Tests. Sie seien zugleich auch für die Quarantäne der hier stationierten US-Streitkräfte und der zivilen Begleitpersonen zuständig und stünden mit dem Lauterer Gesundheitsamt in ständigem Austausch. „Das Gesundheitsamt erhält von dort die Angaben zu den Indexfällen, die von den US-Streitkräften erhoben und vor allem auch betreut werden“, so die Kreisverwaltung.

Die US-Luftwaffe und die US-Army meldeten ihre Covid-19-Fallzahlen unabhängig voneinander den deutschen Gesundheitsbehörden, teilt der Flugplatz weiter mit. Seit März gebe es tägliche eine Meldung des Gesundheitsamts der Air Base mit den Fallzahlen der Luftwaffe. „Dieser Prozess wird kontinuierlich überprüft, um Verzögerungen zu vermeiden.“ Die Gesundheitsbehörden in Ramstein stünden in engem Kontakt mit ihren deutschen Kollegen, um sicherzustellen, „dass die Fallzahlen korrekt und rechtzeitig“ gemeldet werden.

„Die Amerikaner agieren mit größter Sorgfalt“

„Es besteht kein Anlass, am verantwortlichen Handeln seitens der US-Streitkräfte zu zweifeln“, weist Landrat Ralf Leßmeister (CDU) auf Anfrage gegenteilige Behauptungen zurück und betont: „Die US-Seite hält sich strikt an die jeweils aktuell gültige Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz. Soweit wir das beurteilen können, werden die Vorsichtsmaßnahmen bezüglich geltender Quarantänepflichten sogar noch strikter gehandhabt als vorgegeben.“ Bevor Militärangehörige sowie ihre zivilen Angehörigen nach Ramstein eingeflogen würden, habe das Militär „in den meisten Fällen“ im jeweiligen Herkunftsland eine 14-tägige Quarantäne vor der Ausreise angeordnet. „Bei der Ankunft auf der Air Base erfolgt generell eine weitere 14-tägige Quarantäne. Insofern wird hier mit größter Sorgfalt agiert.“

Laborbefunde wurden nachgereicht

Bei den zuletzt gebündelt eingegangenen Nachmeldungen von Indexfällen seitens der Amerikaner habe es sich „keinesfalls um Versäumnisse bezüglich der Betreuung von Infizierten“ gehandelt, unterstreicht Leßmeister. Die Probleme bei der meldetechnischen Verarbeitung der Neuinfektionen auf US-Seite habe zwei Ursachen gehabt: „Zum einen wurden die Neuinfektionen von US-Seite zwar pflichtgemäß und auch aktuell an uns weitergeleitet, zum Teil jedoch nicht gleich mit dem jeweils erforderlichen Laborbefund belegt – was beim Landesuntersuchungsamt letztlich dazu führte, dass diese Fälle zunächst nicht in die Landesstatistik aufgenommen wurden, da in der Meldesoftware des RKI nur laborbestätigte Fälle übermittelt werden dürfen.“ Da das Landesuntersuchungsamt die später gebündelt nachgelieferten Laborbefunde nicht rückwirkend dem jeweiligen Infektionstag zugeordnet habe, sondern gebündelt dem Meldetag, sei ein hoher Inzidenzwert für den Kreis Kaiserslautern entstanden, der am vorvergangenen Wochenende dann zur „Alarmstufe Rot“ führte, inzwischen aber korrigiert wurde. „Hier wird nach einer erneuten Abstimmung mit der amerikanischen Seite die Bearbeitungsmethode künftig optimiert“, sagt Leßmeister und kündigt für Donnerstag eine Besprechung unter anderem mit dem kommandierenden General des 86. Lufttransportgeschwaders an.

Gerade im Rahmen der Pandemie sei die Kooperation mit den Streitkräften sehr eng, sieht der Landrat keine Probleme. „Auch die Zusammenarbeit mit den Ordnungskräften, der Polizei und der Militärpolizei läuft ausgezeichnet.“

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