Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Dubbeglas-Brieder in Ramstein ankamen

Erwiesen sich als wahre Stimmungskanonen: die Dubbeglas-Brieder aus Frankenthal auf dem proppenvollen Platz vor dem Congress Cen
Erwiesen sich als wahre Stimmungskanonen: die Dubbeglas-Brieder aus Frankenthal auf dem proppenvollen Platz vor dem Congress Center Ramstein.

Dass sie für die Pfalz und den Pfälzer Wein brennen, konnte man schon an ihren T-Shirts erkennen, an denen rote Flammen von unten her hochzüngeln. Die Dubbeglas-Brieder aus Frankenthal starteten am Freitagabend auf dem proppenvollen Platz vor dem Ramsteiner Congress Center ein Powerplay auf die Lachmuskeln und erwiesen sich als wahre Stimmungskanonen. Das war Liebe auf den ersten Schluck.

Mundart gilt gemeinhin als exotisch und trivial. Und dann erst Pfälzisch! War doch der Pfälzer Dialekt vor Jahren in einer Umfrage auf dem vorletzten Platz der Beliebtheit gelandet und als „unsexy“ eingestuft worden. Ob das „Pälzer Party-Duo“, hinter dem „Schorle Willi“ alias Willi Brausch sowie „Dubbe Sax Olli“ alias Olli Herrmann stehen, sexy ist, mögen andere entscheiden. Auf jeden Fall sind sie unglaublich lustig und humorvoll, und wer genau hinhört, kann hinter allem Blödsinn durchaus auch tiefschürfende Texte vernehmen. Schon das „Appetithäppchen“ zu Beginn, mit dem Song „Bring mich häm in die Palz“, ist eine Stimmungsrakete. „Do komm ich her, do g’heer ich hie, doch kaum bin ich fort, muss ich net lang waade, do her ich mei Herz zu meiner Seel’ sage: Bring mich häm in die Palz, weil mer’s do so saugut g’fallt. Schääne Mädcher un guuder Wein, ich will nie mehr woannerschd sein.“

Heimatverbundenheit im besten Sinn

Na gut, „Reim dich, friss dich!“, sagt vielleicht mancher Oberlehrer. Das Lied aber zeichnet sich durch Heimatverbundenheit im besten Sinn aus. Ohne Chauvinismus und Politik. Und schon nach drei Minuten haben die beiden alle eingeschlafenen Herzen aufgeweckt und das eingedickte Blut der Besucher wieder flüssig gemacht. Aber nicht, weil sie Spaßvögel „unter allen Umständen“ wären, sondern weil sie aus jenen Tiefen das Humorige herauszuzaubern verstehen, die für viele Menschen zugeschüttet sind. Im Grunde sind sie Philosophen, denen man sich getrost anvertrauen kann.

Als Mundartpoet hat Willi Brausch, der in der Regel für die Texte verantwortlich ist, wenig mit dem rotstiftstrengen „Literarischen“ zu tun, denn mehr Leine gibt er dem Folkloristischen. Seine Lieder kommen von der „Bühnenrampe“ runter. Da kommt alles „gradraus“, unbekümmert wie bei einem Gassenbub. Was die beiden Humoristen vielen anderen Interpreten voraushaben, das ist ihre Vertrautheit mit den Brettern und dem Rampenlicht, ihre Sicherheit im Sprechtechnischen und im Singen und nicht zuletzt ihre Duzfreundschaft mit den Zuhörern.

„Dubbeglas, Dubbeglas, du bischt unser Lieblingsglas“

Im Handumdrehen haben sie die Besucher auf ihrer Seite, „im Sack“, wie man auf Pfälzisch sagt. „Dubbeglas, Dubbeglas, du bischt unser Lieblingsglas“ singen schon viele Hörer lauthals Wort für Wort mit, zumal sich Olli Herrmann auf der Bühne das Kreuz verrenkt wie ein Artist. Und dass sie schlagfertig sind, zeigen sie obendrein, wenn sie zwei Zuspätgekommene mit herzlichem Applaus begrüßen. Das Stilmittel der Übertreibung beherrschen sie zudem grandios. „Wir haben“, verrät „Schorle Gidda Willi“, „mit Bayer Leverkusen einen Vertrag abgeschlossen: Regelmäßig bekommen wir Tabletten, um unsere Gedächtnislücken mit Geschichten zu überbrücken.“ Ja, was die beiden zwischen ihren Liedern loslassen, ist nicht nur Blödsinn, es ist dampfnudelwarm und bilderreich. Wie ihre Lieder. Sie haben eben das Aroma des Pfälzischen Dialekts in der Nase und die mundartliche Redeweise auf der Zunge. Ob „All My Loving“ von den Beatles („Die Beatles haben alles von den Pälzern geklaut!“, behaupten sie), „De Hefedääg“, „Mer sinn die Wanderer“ oder das „Dubbeglasbriederlied“ – alle Stücke sind eine Hommage auf die Pfalz und das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.

Und das Stimmungsbarometer steigt und steigt und steigt. Bei dem Schlager „Rote Lippen soll man küssen“ fordert Olli alle auf, mitzusingen. Die „Mädels“: „Tamtaratam, tamtaratam“, und die „Buwe“ „Wo-wo-wo-woh“. Das klappt nach einmaliger Probe hervorragend. Alle singen herzhaft mit. Plötzlich klettert der Luftikus von der Bühne runter auf einen Biertisch, dirigiert das Publikum mit weiten Armbewegungen und nimmt den Kopf eines „Mädels“ zwischen die Beine. Mit einem Hops springt er wieder runter und flugs steht er schon wieder auf der Bühne und spielt auf dem Saxofon wie aufgekratzt eine heiße Kanne, während Willi leise auf einer „Gidda“ klampft oder lärmend in die Saiten prügelt. Bei diesem Tempo im Auto auf der Straße würde er unweigerlich den Führerschein verlieren. Die Menge aber johlt und macht sich fast in die Hose vor Lachen. Da hilft nur eine Riesling-Schorle, um wieder herunterzukommen!

Die richtig dicken Stimmungssongs kommen dann noch im zweiten und dritten Set: das „Palzlied“, „Country Roads“ oder „The Joker“. Das heizt die Stimmung ganz schön auf. Kaum einer geht da vorzeitig nach Hause.

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