Kreis Kaiserslautern
Wie der Landkreis wirtschaftlich dasteht
„Wir sind zentraler Ansprechpartner für Unternehmen, die sich für kommunale Flächen interessieren“, umriss Philipp Pongratz, Kreis-Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kaiserslautern, im Kreistag das Aufgabengebiet der WFK, die in Stadt und Landkreis tätig ist und auch Standortmarketing im In- und Ausland betreibt. Kommt eine Anfrage rein, dann gleicht die WFK die Wünsche des potenziellen Investors – etwa in puncto Größe, Lage und Verkehrsanbindung – mit dem vorhandenen Angebot ab. „Wenn es irgendwo passt, geben wir das Angebot an die zuständige Verbandsgemeinde weiter. Nach Zustimmung der politischen Vertreter kann der Verkauf dann abgewickelt werden“, erläuterte Pongratz die Vorgehensweise.
Branchenmix „relativ ausgeglichen“
Die Trefferquote ist jedoch derzeit eher gering, denn im Landkreis fehlt es laut Pongratz an Gewerbeflächen. Das Industriezentrum Westrich bei Ramstein und das Lauterer IG Nord samt der Erweiterung „Hühnerbusch“ auf Rodenbacher Gemarkung seien voll belegt. „Die Vermarktung war hier in den letzten Jahren erfolgreich.“ Der vorhandene Branchenmix im Landkreis sei „relativ ausgeglichen“, es gebe keine besonderen Schwerpunkte mit ausnehmend vielen Beschäftigten. „Darum sind wir auch recht gut durch Corona gekommen“, sagte Pongratz und verwies auf die Arbeitslosenquote, die im Landkreis mit 4,8 Prozent im November deutlich unter der Quote der Stadt (acht Prozent) und noch unter dem Landesschnitt (4,9 Prozent) lag. Im Landkreis gab es 2022 rund 42.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze – etwa 5000 mehr als noch vor zehn Jahren.
Und wie sieht es mit Neuansiedlungen von Firmen aus? Laut Pongratz ist die Nachfrage nach wie vor groß: Im Jahr 2022 habe es 53, in diesem Jahr bislang 37 Anfragen nach Flächen gegeben. „Über alle Branchen hinweg“, betonte der WFK-Kreisgeschäftsführer. Mit 16 Prozent der Anfragen liege das verarbeitende Gewerbe vorne, dicht gefolgt vom Baugewerbe und der Logistikbranche. 14 Prozent der Anfragen kamen nach seinen Angaben von Dienstleistern aus dem freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Bereich, zehn Prozent aus dem Gastgewerbe.
Kommt der Zweckverband?
Die Krux: „Größere, zusammenhängende Flächen gibt es aktuell nur im Gewerbepark Sembach, der als ehemaliger Militärflugplatz wegen der Kontamination durch Löschschäume die letzten Jahre einem Vermarktungsstopp unterlag“, sagte Pongratz. Für ihn wie für seinen städtischen Kollegen Stefan Weiler stand damit fest, dass weitere Gewerbeflächen in Stadt und Kreis geschaffen werden müssten, denn „Stillstand heißt Rückschritt“. Pongratz warb im Kreistag dafür, gemeinsam mit der Stadt einen Industrie- und Gewerbeflächen-Zweckverband zu gründen, um die Wirtschaftsregion gezielter vermarkten und die Ansiedlungspolitik besser abstimmen zu können.
Bislang ist die Gründung eines Zweckverbands am Widerstand von CDU und Bündnis 90/Die Grünen im Lauterer Stadtrat gescheitert, die eine Entmachtung der politischen Gremien befürchteten und daher zunächst in einem Arbeitskreis offene Fragen ausdiskutieren wollten. Der Arbeitskreis tage Ende Januar, teilte Stefan Weiler mit. Eine Sitzung des Regionalausschusses, in dem Politiker aus Stadt und Kreis vertreten sind, soll dann Ende Februar stattfinden, kündigte Weiler an. Demnächst liege auch eine aktualisierte Version des Firu-Gutachtens vor. Die 2018 in Stadt und Kreis in Auftrag gegebene interkommunale Potenzialstudie zu Gewerbe- und Industriegebietsflächen war 2022 im Regionalausschuss vor allem bei den städtischen Grünen auf Kritik gestoßen.
„Wir sollten nicht Zuschauer sein“
„Wenn es nach dem Landkreis ginge, wären wir schon weiter“, merkte Landrat Ralf Leßmeister (CDU) am Montag im Kreistag an. Dass es in dieser Frage im Kreis eine parteiübergreifende Zusammenarbeit gebe, befand auch SPD-Fraktionschef Harald Westrich. Alexander Ulrich, parteiloser Sprecher der Linken, begrüßte, „dass der Zweckverband auch mal im Kreistag Thema ist“. Ulrich hatte den Besuch der WFK im Kreistag beantragt, weil ihm daran gelegen sei, dass auf den noch freien Flächen im Gewerbepark Sembach gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen. „Wenn es so viele Anfragen gibt, sollten vielleicht statt Logistikern einmal andere Unternehmen zum Zuge kommen“, sagte er auch mit Blick auf die Ansiedlung des US-Pharmakonzerns Eli Lilly, der in Alzey 1000 Arbeitsplätze schaffen will. „Wir sollten nicht Zuschauer sein, sondern bei Ansiedlungen einen aktiveren Part übernehmen“, forderte Ulrich.
„Wenn Unternehmen wie Eli Lilly bei uns ankommen, werden wir sie ganz bestimmt nicht wegschicken“, unterstrich Philipp Pongratz, betonte jedoch zugleich, dass „diese Ansiedlung unterm Radar über Mainz“ vollzogen worden sei. Freilich müsse man freie Flächen nicht zwingend an Logistiker verkaufen. „Wer einen Hidden Champion kennt und vermitteln kann – nur her damit“, appellierte der Landrat an die Bundes- und Landespolitiker im Kreistag. Und wenn der Raum Mainz ausgelastet sei, könne eventuell der Landkreis Kaiserslautern profitieren.